Fahrbericht Hyundai Tucson 1.7 CRDI 2WD
Mehr Asphalt-Cowboy als Prärie-Indianer

Wie die meisten Vertreter seiner Art ist auch der Hyundai Tucson eher etwas für Stadt und Land. Ins Gelände geht es höchst selten, weshalb der Frontantrieb völlig ausreicht. Bild: bz

Mehr Asphalt-Cowboy als Prärie-Indianer

Von Berthold Zeitler

Westernfreunde wissen: Tucson ist ein heißes Pflaster in der amerikanischen Zeitgeschichte. Zumindest als Kulisse diverser Kinofilme. Ob der Nachfolger des Hyundai ix35 deswegen wieder den Namen der zweitgrößten Stadt Arizonas trägt, ist nicht bekannt. Der Korea-Tucson jedenfalls ist mehr Asphalt-Cowboy als Prärie-Indianer.

In der dritten Generation macht das SUV den biederen Auftritt des Vorgängers schnell vergessen. Markantes Gesicht, ausgestellte Radhäuser und breite Schultern hinterlassen den Eindruck eines kräftigen Gesellen. Da wirkt die abfallende Dachlinie nahezu coupéhaft. Modern und klar gestaltet präsentiert sich der Innenraum. Weit öffnende Türen erleichtern den Zustieg, auch hinten. Die Passagiere finden ein angenehmes Mobiliar - komfortabel auf der einen Seite, aber auch straff genug, um sportliche Ausflüge auszutarieren. Die Instrumente sind klar gegliedert, die Bedienung gibt keine Rätsel auf und das Infotainment-System ist logisch aufgebaut. Der Bordcomputer lässt sich weitgehend vom Multifunktionslenkrad aus per Knopfdruck bedienen. Platz gibt es wirklich reichlich. Berührungsängste braucht auch niemand zu haben. Der Luftraum über dem Haupthaar ist frei von Hindernissen. Und der Ellbogen sucht vergebens Kontakt zum Nebenmann.

Der Fahrer thront sozusagen über dem Verkehrsgeschehen. Dennoch ist der Rundumblick nicht immer bestens, weshalb eine Rückfahrkamera samt Parksensoren in der von uns gefahrenen Ausstattungslinie das Rangieren ungemein erleichtert. Der Kofferraum ist nicht nur groß, sondern auch gut zugänglich. Nach Umklappen der Rücksitzlehnen präsentiert sich eine ebene Ladefläche. Es sei denn man arretiert den Ladeboden auf der unteren Schiene. Ersatzrad und Wagenheber sparen sich die Koreaner, haben aber wenigstens ein Tirefit an Bord.

Der Basis-Diesel reicht für den Alltag vollkommen aus. Das liegt vor allem an dem doch kräftigen Drehmoment, das den Koreaner vor allem auch in den Elastizitäts-Disziplinen gut ausschauen lässt. Die Endgeschwindigkeit reicht allemal. Und im Sprint wirkt der Tucson wesentlich agiler als es das Datenblatt vorgibt. Der Testverbrauch lag zwar weit über der Werksangabe, kann sich für einen 1,5-Tonner aber durchaus sehen lassen. Schnelle Autobahn-Passagen auf der einen und dann viele Kurzstrecken auf der anderen Seite forderten hier ihren Tribut. Das Fahrwerk insgesamt geht in Ordnung, auch wenn kurze Stöße etwas Unruhe ins Fahrzeug bringen. Die präzise Sechsgang-Schaltung gibt keinerlei Anlass zur Kritik. Die Gang-Empfehlung arbeitete zuverlässig, das Start-Stopp-System auch.

Punkten kann der Hyundai vor allem in Sachen aktiver Sicherheit. Da haben die Koreaner ihrem SUV jede Menge Assistenten spendiert - ohne Aufpreis. Aber auch in der Passiv-Abteilung macht der Koreaner eine gute Figur. Und in der Preisgestaltung sowieso. Da bietet der Tucson sehr viel serienmäßig, was sich der Wettbewerb extra entlohnen lässt.

DatenblattHyundai Tucson: SUV der unteren Mittelklasse, 5 Türen, 5 Sitze

Antrieb: Vierzylinder, Turbodiesel, 1685 ccm,116 PS, max. Drehmoment 280 Nm bei 1250 bis 2500 U/min, Euro 6, Sechsgang-Handschaltung, Frontantrieb, Start-Stopp-System

Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 176 km/h, Beschleunigung 0-100 km/h 13,7 sec., Testverbrauch 6,8 l,Tankinhalt 62 Liter

CO2-Emission: 119 g/km (bei Normverbrauch von 4,6 l), Effizienzklasse A

Maße und Gewichte: Länge 4475 mm, Breite 1850 mm, Höhe 1650 mm, Leergewicht 1550 kg, Zuladung 450 kg, Kofferraumvolumen 513 -1503 Liter, Anhängelast 1400 kg (gebremst)

Preis: 30 250 Euro (Grundpreis), 33 300 Euro (Testwagen) (bz)
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