Fahrbericht Land Rover Discovery Sport
Insel-Begabung ohne Schrullen

Der Land Rover Discovery Sport überzeugte im Test mit viel Nutzwert. Bilder: Ascherl
 
Eigen, aber nicht rätselhaft: Das Cockpit im Discovery Sport.
Plötzlich ist Land Rover wieder da, eine Marke, auf die noch vor einer Dekade niemand einen Pfifferling gegeben hätte. Neuer Besitzer, Zusammenschluss mit Jaguar, frisches Design und schon klappt's mit den Verkäufen. Land Rover und Jaguar genießen nach wie vor einen guten Ruf. Darauf baut der Konzern auf und wirft ein neues Modell nach dem anderen auf den Markt. Womit wir in der Gegenwart angekommen wären, ganz konkret beim Discovery Sport, einem kompakten SUV vom Schlage des BMW X3 oder VW Tiguan, aber eben nach Art des Hauses britisch interpretiert.

Sehr geschickt zitiert der Discovery Sport Designelemente des großen Bruders Range Rover, jenes Luxus-Geländewagens, mit dem die Queen zum Landhaus fährt. Optisch macht der Testwagen mit seinem Gangsterblick und dem herrschaftlichen Heck also viel her, sieht teurer aus, als er eigentlich ist - zumindest, wenn man den Einstiegspreis von 32 850 Euro für den Fronttriebler betrachtet.

MTK-LR 527 hat dagegen den 180-PS-Diesel der neuesten Generation unter der Haube und die hochwertige HSE-Ausstattung an Bord. Er glänzt mit edlen Accessoires, noblen Lichteffekten, teils berührungslosen Schaltern und weißen Ledersitzen. Deren hat der Testwagen sieben an der Zahl, denn aus dem Kofferraumboden lassen sich zwei zusätzliche Mitfahrgelegenheiten stülpen (1900 Euro). Die sind trotz verschiebbarer Mittelsitzreihe schwer zu entern und eigentlich nur für Kinder geeignet. Die haben dort hinten viel Spaß. Fünf Personen mit Gepäck finden aber reichlich Raum.

App steuert von außen


Die Bedienungselemente verzichten auf jede Art von britischer Schrulligkeit - sie erklären sich quasi von selbst. Auch die Tatsache, dass viele Funktionen wie für Licht und Wischer an Lenkstockhebeln sitzen, ist im Testwagenfall egal, da sie - einmal eingestellt - für sich arbeiten. Vollautomatisch. Land Rover hat mit "InControl" ein eigens Konnektivitätspaket geschnürt, für das eine App auf dem Handy installiert werden muss. Das funktioniert meistens gut, aber nicht immer. Musikquellen wurden gerne mal vergessen oder gleich nicht gefunden. Der 8 Zoll große Monitor hilft beim intuitiven Bedienen der gesamten Funktions-Palette. Über das Smartphone kann der Nutzer auch von außen mit dem Wagen kommunizieren, kann Heizung und Lüftung ansteuern oder checken, ob alle Fenster geschlossen sind.

Besser mit Automatik


Der Schlüssel kann in der Tasche bleiben, sofern der Wagen mit Keyless Entry ausgestattet ist (650 Euro). Stolz ist man bei Jaguar-Land Rover auf die neuen Voll-Aluminium Motoren, die es für den Discovery mit 150 und 180 PS gibt. Wir fuhren den stärkeren, der an ein Sechs-Gang-Schaltgetriebe gekoppelt war. Hier würden wir dringend zur ebenfalls verfügbaren Neun-Gang-Automatik raten. Nicht nur, weil es sich damit entspannter fährt, sondern weil mit ihr das Turboloch des Motors weniger auffallen dürfte. Der Schalter verlangt nach häufigen Gangwechseln und bietet den satten Durchzug aus dem Drehzahlkeller, den die Konkurrenz bietet, leider nicht an. Die Werte im Datenblatt ließen zwar anderes vermuten (430 Nm bei 1750 U/min), doch der subjektive Fahreindruck weicht deutlich davon ab. Ein Grund, den Discovery Sport nicht zu mögen, ist das freilich nicht. Das Triebwerk arbeitet sehr leise und kann sparsam sein, wenn man behutsam fährt. Land Rover gibt einen Durchschnittsverbrauch von 5,3 Litern an. Den haben wir mit einem Testverbrauch von 9,7 Litern deutlich verfehlt, wobei lange schnelle Autobahnfahrten und Stop-and-Go-Verkehr hier zu Buche schlugen.

Ein ganzer Kerl


Kommen wir zum Nutzwert, der zwar für immer weniger SUV-Käufer entscheidend ist, aber wesentlich sein sollte für ein Fahrzeug dieser Gattung. Da katapultiert sich der Discovery Sport ganz nach vorne. Er glänzt mit 600 Millimeter Wattiefe, diversen Programmen für jedwede Untergrundbeschaffenheit, viel Bodenfreiheit, einem stattlichen Böschungswinkel und einer maximalen Anhängelast von 2,5 Tonnen. Serienmäßig trägt der Discovery einen Fußgänger-Airbag auf der Motorhaube.

Das Fahrverhalten ist in jeder Situation souverän. Die Auslegung weder zu weich noch zu straff und - auch selten - die Übersichtlichkeit gut. Alles in allem haben die Briten einen sympathischen SUV hingestellt, der nicht nur so tut als ob, sondern sich auch fürs Grobe empfiehlt. Und fürs Feine.

StenogrammLand Rover Discovery Sport: Kompakt-SUV, 5 Türen, 5+2 Sitze

Antrieb: Vierzylinder-Dieselmotor, 1999 ccm, 180 PS, max. Drehmoment 430 Nm bei 1750 U/min, Euro 4, Sechsgang-Schaltung, Allradantrieb

CO2-Emission: 139 g/km bei Normverbrauch von 5,3 l; Schadstoffklasse Euro 6

Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 200 km/h, Beschleunigung 0-100 km/h 9,9 sec., Testverbrauch 9,7 l Diesel, Tankinhalt 54 Liter

Maße und Gewichte: Länge 4589 mm, Breite 2069 mm, Höhe 1724 mm, Leergewicht 1874 kg, Zuladung 766 kg, Kofferraumvolumen 541-1698 Liter

Preis: 47 350 Euro (Grundpreis), 60 860 Euro (Testwagen)
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