Fahrbericht Mercedes GLC 250d 4Matic
Weich geschliffen, aber kein Softie

Kantig und klobig war gestern. Der neue Mercedes GLC wirkt mit seinen Rundungen jetzt deutlich dynamischer und gefälliger. Allerdings gehen die Preise ganz schön in die Höhe. Bild: bz

Weich geschliffen, aber kein Softie

Von Berthold Zeitler

Es ist noch gar nicht so lange her, da mussten Autos Kante zeigen. Heute sind wieder mehr Rundungen gefragt. Also hat auch Mercedes seinen Geländegänger GLK zum GLC gebügelt. Ein weich gespülter Softie ist der Mittelklasse-SUV deswegen aber noch lange nicht.

Elegant und stimmig


Das neue Design wirkt jedenfalls deutlich dynamischer als beim Vorgänger, eleganter sowieso und stimmiger auch. Der äußere Anschein setzt sich im Innenraum fort. Der ist ein Spiegelbild der eh schon hochgelobten C-Klasse. Heißt: Materialien und Verarbeitung sind auf der Niveau-Leiter ganz weit oben zu finden. Das edle Ambiente sorgt für echte Wohlfühl-Atmosphäre.

Das Ledergestühl ist bequem und komfortabel, zugleich aber auch sportlich straff. Vier Personen finden reichlich Platz, der unbequeme Mittelsitz in der zweiten Reihe sollte nur im Notfall aktiviert werden. Schalter und Knöpfe gibt es zuhauf. Die meisten liegen auch gut zur Hand, bei einigen wenigen bedarf es etwas Eingewöhnung. Und der allseits beliebte Dreh-/Drück-/Schiebeschalter verlangt ob seiner vielfältigen Einsatzmöglichkeiten anfangs einen Blick in die Betriebsanleitung. Immerhin reagiert er selbst auf Kritzeleien auf dem Touchpad.

Auch in der aktuellen Ausgabe bleiben die Schwaben ihrer Linie treu: Der Schalthebel für die Automatik ist direkt am Lenkrad. Das ist zwar ungewohnt, aber griffgünstig. Und wer meint, dem Automaten auf die Sprünge helfen zu müssen, kann das über Schaltpaddel machen. Notwendig ist es jedenfalls nicht. Bei neun Gängen findet der Wandler eigentlich immer die passende Übersetzung. Und das sanft und ruckfrei.

Vehementer Arbeiter


Der Turbodiesel wuchtet üppige 500 Newtonmeter auf die Kurbelwelle. Die sorgen für souveräne Fahrleistungen, trotz des hohen Eigengewichts. Vor allem im unteren und mittleren Drehzahlbereich geht der Zweitonner vehement zu Werke, ohne sich aber an der Tankstelle vordrängen zu wollen. Der Verbrauch ist für ein Fahrzeug dieser Klasse unter der Rubrik "aller Ehren wert" einzuordnen. Die adaptive Dämpferregelung Air Body Control (1900 Euro) mit fünf unterschiedlichen Fahrwerkseinstellungen von Comfort bis Sport plus schluckt so ziemlich alles, was den Insassen unangenehm auf Rücken und Magen stoßen könnte.

Auch im Gelände. Da kann der GLC mehr als ihm sein Fahrer jemals abverlangen wird. Oder vielmehr will. Denn wie die meisten Allrad-SUVs bewegt sich auch der Mercedes mehr On- statt Offroad. Für längere Etappen bietet sich der Schwabe als komfortabler Reisebegeleiter an. Und wenn dann noch die Heinzelmännchen-Armada installiert ist, wird es richtig bequem. Und sicher.

Seltsame Aufpreispolitik


Vor allem aber teuer. Wer auf der Optionsliste zuviele Kreuzchen anhakt, kommt schnell auf 30 000 Euro. Ob man sich den schlüssellosen Zugang (990 Euro) leistet, das Park-Paket (1350 Euro), den Fahrassistenten (2100 Euro) oder Comand Online (3250 Euro) mag jeder für sich entscheiden. Dass aber Selbstverständlichkeiten wie beispielsweise das Reifenreparaturset Tirefit (50 Euro), eine Laderaumabdeckung (60 Euro) oder ein auf 66 Liter vergrößerter Tank (50 Euro) Aufpreis kosten, ist nun wirklich nicht nachvollziehbar.

DatenblattMercedes GLC: SUV der Mittelklasse, 5 Türen, 5 Sitze

Antrieb: Vierzylinder, Common-Rail-Turbodiesel, 2143 ccm, 204 PS, max. Drehmoment 500 Nm bei 1600 - 1800 U/min, Euro 6, Neungang-Automatik, permanenter Allrad, Start-Stopp-System,

Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 222 km/h, Beschleunigung 0-100 km/h in 7,6 sec., Testverbrauch 6,8 l,Tankinhalt 66 Liter

CO2-Emission: 129 g/km (bei Normverbrauch von 5,0 l), Effizienzklasse A

Maße und Gewichte: Länge 4656 mm, Breite 1890 mm, Höhe 1639 mm, Leergewicht 1845 kg, Zuladung 655 kg, Kofferraumvolumen 550-1600 Liter, Anhängelast 750 kg (2500 kg gebremst)

Preis: 46 410 Euro (Grundpreis), 76 651 Euro (Testwagen) (bz)
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