Fahrbericht Opel Astra 1.0 ecoFlex
Der Golf-Schläger ist nicht mehr weit

Eine ausgesprochen gute Figur macht der neue Astra. Opel nimmt mit ihm den ewigen Kampf in der Kompaktklasse gegen den Golf auf. Bild: bz

Der Golf-Schläger ist nicht mehr weit

Von Berthold Zeitler

Im Rudel der Gölfe ist Volkswagen immer noch das Alpha-Tier. Nun will Opel den Wolfsburgern die Vorrangstellung streitig machen. Der Astra meldet sich jedenfalls mit starken Argumenten zu Wort.

Der Kompakte ist das wichtigste Modell der Marke mit dem Blitz. Rechnet man all die Kadetts dazu, bringt es der Rüsselsheimer Hoffnungsträger auf mittlerweile elf Generationen. Das sollte reichen, um ein ausgereiftes Fahrzeug auf die Beine zu stellen. In der aktuellen Version ist der Golf-Gegner zwar außen kürzer und niedriger geworden, innen aber deutlich geräumiger als sein Vorgänger.

Auch wer im Fonds Platz nimmt, fühlt sich nicht auf die zweite Reihe abgeschoben. Trotz der abfallenden Dachlinie ist die Kopffreiheit beachtlich. Und auch Langgewachsene müssen ihre Knie nicht in die Lehne des Vordermanns drücken. Der Fahrer darf es sich (gegen Aufpreis) auf Ledersitzen bequem machen, die von der Aktion "Gesunder Rücken" ausgezeichnet sind und neben festem Seitenhalt mit allem Komfort wie Heizung, Ventilation und sogar Massagefunktion ausgestattet sind. Dass das Gestühl bei jedem Türöffnen von Geisterhand weit zurückgeschoben wird, erleichtert das Aussteigen zwar ungemein. Warum aber fährt das Ding nicht wieder vor, wenn der Fahrer wieder Platz nimmt und losfahren will?

Ansonsten gibt es nichts zu mäkeln am Interieur. Die Einrichtung ist hochwertig, die Materialien sind mit ein bisschen Klarlack und Alu-Applikationen aufgehübscht, die Verarbeitung präzise. Das Cockpit wirkt aufgeräumt und klar gegliedert, die Bedienung geht leicht von der Hand. Großes Kino ist die OnStar genannte Technik, die nicht nur als WLAN-Hotspot für bis zu sieben Endgeräte fungiert, sondern auch auf Knopfdruck einen realen Ansprechpartner rund um die Uhr aktiviert, der aktuelles Karten- und Infomaterial zum Download bereithält oder als persönlicher Schutzengel fungiert und die Rettung alarmiert, sollte das System einen Unfall melden. Der Spaß ist im ersten Jahr kostenlos, danach sind 99 Euro im Jahr fällig. Apropos Helferlein: Da schicken die Opelaner eine ganze Armada los, wobei das Matrix-LED-Licht besonders zu erwähnen ist. Es leuchtet nachts die Fahrbahn perfekt aus, ohne den Gegenverkehr zu blenden. Dass der Astra Verkehrszeichen erkennt, die Spur hält und automatisch eingreift, wenn der Fahrer auf Abwege zu kommen scheint, ist in der Klasse jetzt nicht unbedingt Standard. Etwas gewöhnungsbedürftig war in unserem Testwagen allerdings die doch kräftig ausfallende Lenkkorrektur. Parkassistent, Kollisionswarner und Rückfahrkamera komplettieren das Angebot.

Überrascht hat uns der kleine Dreizylinder unter der Haube. Ein zwar etwas knurriger Geselle, aber ungemein quirlig. Das kernige Motörchen hängt gut am Gas und hilft alle Bedenken über Bord zu werfen, er könnte überfordert sein. Allerdings will der Direkteinspritzer schon fleißig geschaltet werden. Mit knapp über 6 Liter geht auch der Verbrauch in Ordnung. Dem sportlichen Sound wird auch das Fahrwerk gerecht. Die straffe Federung macht zwar Meldung über jede Fahrbahnbeschaffenheit, erlaubt aber präzises Handling auf kurvenreicher Strecke.

Wird der Astra also vom Golf-Gegner zum Golf-Schläger? Reichen wird es nicht ganz. Aber es fehlt auch nicht mehr viel.

DatenblattOpel Astra: Schrägheck-Limousine der unteren Mittelklasse, 5 Türen, 5 Sitze

Antrieb: Dreizylinder, Turbo-Benziner, 999 ccm, 105 PS, max. Drehmoment 170 Nm bei 1800-4250 U/min, Euro 6, Fünfgang-Handschaltung, Frontantrieb, Start-Stopp-System,

Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 200 km/h, Beschleunigung 0-100 km/h in 11,6 sec., Testverbrauch 6,2 l,Tankinhalt 48 Liter

CO2-Emission: 102 g/km (bei Normverbrauch von 4,4 l), Effizienzklasse A

Maße und Gewichte: Länge 4370 mm, Breite 1871 mm, Höhe 1485 mm, Leergewicht 1360 kg, Zuladung 530 kg, Kofferraumvolumen 370-1210 Liter

Preis: 22 600 Euro (Grundpreis), 27 290 Euro (Testwagen) (bz)
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