Ferrari fürs Volk
50 Jahre Fiat 124 Spider

Der Fiat 124 Spider war für viele Deutsche und Amerikaner der Inbegriif des Dolce Vita, verlängerte quasi den Urlaub an der Adria in den Alltag. Jetzt gibt es eine Neuauflage.
 
Nach 50 Jahren hat Fiat jetzt wieder einen 124 Spider am Start. Der Zweisitzer des Jahres 2016 kostet knapp 24 000 Euro.

Der Fiat 124 Spider wird 50 Jahre alt - und pünktlich zum runden Geburtstag gibt es für den offenen Zweisitzer ein Comeback. Dass der Neubau auf einem anderen Modell basiert, stört die Fans wenig. Sie denken nur zu gerne an die großen Zeiten des Modells zurück.

Er ist so italienisch wie Badeferien an der Adria, Spaghetti Bolognese, Chianti aus der Korbflasche und Eis aus der Tüte: Kaum ein Auto verkörpert den Traum von Dolce Vita so sehr wie der Fiat 124 Spider. Besserverdienende mögen von seinem vornehmen Bruder bei Alfa Romeo schwärmen, die richtig Reichen von Maserati oder Ferrari. Doch für viele andere ist der vor fast genau 50 Jahren präsentierte Zweisitzer so etwas wie die in Blech gepresste Sehnsucht nach der Sonne des Südens. Nicht umsonst wurde der kleine Sportwagen knapp 20 Jahre lang nahezu unverändert gebaut und in dieser Zeit rund 200 000 Mal verkauft, meldet Fiat in Turin stolz.

Nach der Markteinführung des "AS-Spider" 1967 in Deutschland begann auch der Export in die USA, die für den Zweisitzer schnell zum wichtigsten Markt wurden. 1974 stellten die Italiener den Verkauf in Europa sogar ein und bauten das sogenannte CS-Modell nur für den Export. Als Fiat die Produktion Anfang der 1980er Jahre komplett stoppen wollte, sprang der langjährige Entwicklungspartner Pininfarina ein und produzierte den Dauerbrenner von 1982 bis 1985 kurzerhand weiter - in alter Form unter dem neuen Namen Spidereuropa.

Früher war alles so gut


Mehr als 30 Jahre nach dem Produktionsende hat Fiat diese Episoden in der Geschichte des Spider längst vergessen, schwelgt in der goldenen Vergangenheit und schwärmt wieder vom "klassischen italienischen Stil", der dem Sportwagen ungeahnte Erfolge beschert habe.

Dass Fiat den Blick gerade jetzt so verklärt zurück wendet, liegt nicht allein am runden Jahrestag, der im November 2016 gefeiert wird. Sondern vor allem daran, dass es bald einen neuen Spider gibt: "Wir bringen die Legende zurück", kündigt der Hersteller an und verspricht für den Sommer einen neuen 124 Spider. Der neue 124 Spider basiert auf dem Mazda MX-5, den Fiat stilistisch retuschiert und mit eigenen Motoren ausrüstet. Wie der Erstling 1966, bekommt die Neuauflage einen 1,4-Liter-Benziner, der jetzt allerdings 140 PS statt der früher 90 PS leistet.

Für Thomas Kullmann ist der Spider eine Art "Ferrari fürs Volk": "Schließlich wurden die Ferrari dieser Zeit vom selben Designstudio entworfen", sagt der Vize-Vorsitzende des Fiat 124 Spider Club Deutschland aus Weisenheim am Sand. Zwar ist Kullmanns Spidereuropa von 1984 nicht so schnell wie die Sportwagen aus Maranello, räumt der Pfälzer ein. Aber erstens kann man mit dem hochdrehenden 2,0-Liter-Motor durchaus Fahrspaß haben, wenn 105 PS und 149 Newtonmeter über die Hinterachse kaum mehr als 1000 Kilogramm Auto in Bewegung setzen. Zweitens will man angesichts der tosenden Winde, die schon bei Landstraßentempo hinter der steilen, schmalen Frontscheibe zu spüren sind, gar nicht wissen, wie stürmisch es bei der versprochenen Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h wird. "Als der Spider 1966 eingeführt wurde, hat er rund 11 000 Mark gekostet, zum Ende der Produktion hin lag der Preis bei knapp 30 000 Mark. Und heute gehört er zu den Schnäppchen unter den Oldtimern."

Ab 3000 Euro


Ein Bastelfahrzeug mit Reparaturstau gibt es schon für 3000 bis 4000 Euro, taxiert der Experte die Marktlage: "Und wer ohne Werkstattstopp in die Saison starten will, ist mit einem niedrigen fünfstelligen Betrag dabei." Da der Nachfolger ab 23 990 Euro kosten wird, wie Fiat auf dem Genfer Autosalon bekanntgegeben hat, ist das Original daher eine Überlegung wert. Ähnlich unkompliziert wie die Anschaffung sei der Unterhalt, sagt Kullmann. Wie jeder Oldtimer sei zwar auch der Spider rostanfällig. Angesichts der Auswahl rät er deshalb zu einem kritischen Blick auf die Radläufe und die Grundträger. "Doch die mechanische Qualität ist besser als der Ruf früher Fiat-Modelle. Und wenn mal etwas kaputt geht, gibt es dank der eingesetzten Großserientechnik problemlos Ersatzteile", erklärt Kullmann.

Dann löst Kullmann mit zwei Handgriffen die Schnapphaken am Scheibenrahmen, lässt die Seitenfenster in Zeitlupe elektrisch heruntersurren, wirft das Verdeck hinter die breite, ungepolsterte Rückbank - und freut sich auf den Frühling. Noch ist es zwar etwas frisch auf den kleinen Kunstledersesseln, und die Heizung kämpft vergeblich gegen die März-Kälte an.
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