Fürstliche Sackgasse

In einem Tal auf 1600 Metern Meereshöhe liegt der Wintersportort Malbun.
 
Die meisten Unterkünfte sind in dem Liechtensteiner Dorf Malbun bequem mit den Skiern zu erreichen. Bilder: Eger

Am Schloss Vaduz geht es vorbei, 16 Kilometer hinein ins Tal und hinauf bis auf 1600 Meter Meereshöhe. Dort, in dem kleinen Liechtensteiner Ort Malbun, wo die fürstliche Sackgasse endet, sind alle Wintersportler gut aufgehoben.

Malbun. Fünf ist er, in Hamburg wohnt er und er ist zum dritten Mal hier. Der Junge im Sessellift plappert einfach drauf los. "Ich heiße Daniel. Und morgen beim Rennen hole ich einen Pokal. Es ist einfach richtig toll hier zum Skifahren." Besser könnte die Werbung für das Skigebiet in Malbun nicht sein.

Auch für die Mutter des Fünfjährigen ist der Liechtensteiner Ort eine Oase: "Hier haben mein Mann und ich richtig Urlaub. Wir können uns erholen und nebenbei etwas Skifahren." Mehr wollen sie nicht, denn: "Die großen Alpinskifahrer sind wir sowieso nicht." Die wären auch fehl am Platz in Malbun. Die fünf Lifte mit den 23 Kilometern Pisten sind an einem Vormittag abgefahren. Aber den Anspruch, ein riesiges und anspruchsvolles Skigebiet zu sein, erhebt das Dorf sowieso nicht. Die meisten Abfahrten seien für Anfänger und Familien bestens geeignet, erklärt Eric Thiel, Bereichsleiter Liechtenstein Marketing Malbun. "Allerdings haben wir auch einen Rennhang."

Niemand geht verloren

Als großen Vorteil hebt er hervor, dass in dem Talkessel alle immer wieder am tiefsten Punkt zusammenkommen. "Bei uns geht niemand verloren", sagt Thiel. In dem autoberuhigten Ort sei zudem fast jede Unterkunft auf Skiern erreichbar. Von Schneesicherheit will Thiel gar nicht sprechen. Während es im Tal unten schon lange grün sei, herrsche in Malbun noch tiefster Winter bis weit ins Frühjahr.


In den vergangenen Jahren hat sich einiges getan in Malbun. Es wurde in neue Lifte investiert, die Pistenführung geändert und Schneekanonen errichtet. Ein Sechsersessel bringt die Wintersportler den Täli (1871 Meter) hinauf, eine Viererbahn fährt auf das Hochegg (1884 Meter), eine auf die Sareis (2000 Meter). Vorbei kommt an einem Skitag jeder mindestens einmal an der Kinderskischule und dem Malbi-Park, der vom Schweizer Tourismusverband das Gütesiegel "Familien willkommen" erhielt. Auch die Hotels machen mit und bieten Annehmlichkeiten für die Kleinen, wie etwa das Frühstücksbüfett in kindgerechter Höhe.

Wer in Malbun nicht mit den Skiern unterwegs sein will, ist bei Wanderführerin Rosaria Heeb bestens aufgehoben. Sie ist mit ihren vier Geschwistern im Fürstentum aufgewachsen und erzählt bei den Schneeschuhtouren von den Vorzügen des nur 160 Quadratkilometer kleinen Landes. "Wir sind am Morgen mit dem Skibus nach Malbun gekommen und den ganzen Tag Ski gefahren." Rosaria wandert nicht nur tagsüber durch die verschneite Landschaft.

In Vollmond-Nächten führt sie Gruppen von Steg, dem Dorf vor Malbun, hinauf auf die Alpe Sücka (1402 Meter). Dort erzählt Wirtin Monika Schädler Geschichten aus früheren Zeiten, vor allem vom Rodelclub, den Vorfahren ihres Mannes Werner 1959 gegründet haben. "Bei uns hier ist seitdem das Vereinslokal und vor dem Haus beginnt die Trainingsstrecke, die Naturrodelbahn", sagt Monika Schädler. An den Wänden zeugen Urkunden von den größten Erfolgen des Rodelclubs, wie etwa von dem 11. Platz von Wolfgang Schädler bei den Olympischen Spielen 1984 in Sarajevo. Die Wirtin könnte stundenlang berichten. Aber nach einem Fondue in der urigen Hütte geht es mit dem Schlitten zurück ins Dorf.


Dort in Steg startet auch die Langlaufloipe. Sie gilt wegen ihrer hervorragenden Präparierung, ihrer Höhenlage auf 1300 Meter und ihrem romantischen Verlauf durch das Valüntertal als Geheimtipp im nördlichen Alpenraum. Drei Kilometer der Loipenstrecke sind am Abend zudem beleuchtet.

Wenn zu dieser Zeit die noch nicht ausgelasteten Urlauber ihre Runden drehen, liegt der fünfjährige Daniel schon im Bett. Er muss fit sein. Beim Abschlussrennen möchte er ganz vorne dabeisein. Er will ja einen Pokal gewinnen.
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