Gestreckt, geduckt, harmonisch
Vor 40 Jahren: Vorstellung BMW 630 und 633

 
ie zum Fahrer hin angewinkelte Mittelkonsole war der letzte Schrei. Die vier UKW-Stationstasten am Radio wirken aus heutiger Sicht lächerlich.

Vor 40 Jahren stellte BMW die großen Coupés 630 und 633 vor. Die Bayern bauten das Auto bis April 1989. Unsere Zeitung war schon damals bei den ersten Fahrten in Spanien dabei.

Die Aufmerksamkeit der Spanier- an der "Costa del Sol" im sonnigen Andalusien galt diesmal nicht irgendwelchen Berühmtheiten von der Leinwand, die im exklusiven Süden mit dem verträglichsten Klima an der gesamten Küste gerne ein größeres Stück Strand mieten, vielbeachtete Stars waren allein die neuen Coupés der Bayerischen Motorenwerke (BMW), die hier ihren vielbestaunten ersten Auftritt hatten. Die Sechszylinder mit der Typenbezeichnung 630 CS und 633 CSI lösen die Baureihe der BMW 2,5 CS bis 3,0 CSI ab, von denen 45 000 Stück in aller Welt rollen.

Sicherheit, Leistung und Komfort standen bei der Konzeption der weiß-blauen Flaggschiffe an erster Stelle. Welch hohes Ziel sich BMW dabei gesteckt hatte, offenbarten unsere ersten Testfahrten. Die Münchner Automobilmacher - wirtschaftlich gerade auf hohen Touren - haben an ihren bewährten Sechszylinder-Reihenmotoren festgehalten. Der Dreiliter- Vergasermotor (630 CS) leistet jetzt 185 PS und damit fünf PS mehr, das 3,3-Liter- Triebwerk mit Einspritzung (633 CSI) behielt seine 200 PS. Leichte Modifikationen (Verdichtung, Brennraum) machen das bleierne Benzin leicht verdaulich. BMW hielt im Gegensatz zu Mercedes bei den Coupés an der elektronischen Einspritzung fest, obwohl das mechanische System störungsunempfindlicher sein soll.

Was für ein Motor!


Ein hohes Maß an Leistung, Elastizität, Kultiviertheit und Wirtschaftlichkeit muß diesen Sechszylindern e bescheinigt werden. An den happigen 1500 Kilo haben die Coupés keineswegs zu schleppen. Mühelos werden sie sowohl beim Spurten - von 0 auf 100 km/h deutlich unter zehn Sekunden - wie im Hochgeschwindigkeitsbereich - über 200 km/h - mit diesem Gewicht fertig.

Eine überarbeitete Federbeinachse vorne und die der Fünferreihe ähnelnde Hinterachse sorgen in Zusammenarbeit mit Stabilisatoren für ein ausgezeichnetes Fahrverhalten, wobei der straffer ausgelegte Einspritzer den mühelosen Umgang mit dem Coupé in extremen Situationen noch unterstützt. BMW wäre gut beraten, diese Abstimmung serienmäßig anzubieten und die weichere Auslegung auf Wunsch zu liefern. Einzeln aufgehängte Räder begünstigen den Komfort, zur Sicherheit selbst bei ausgelassener Beanspruchung tragen vier innenbelüftete Scheibenbremsen und eine Servolenkung bei, die ihre Leistung bei steigender Motordrehzahl reduziert. Das heißt: Bei Parkmanövern ist man von großen Anstrengungen am Steuer befreit, im Hochgeschwindigkeitsbereich geht andererseits der Kontakt über das Lenkrad zur Fahrbahn nicht verloren.

Zwei breite Türen öffnen den Zugang zu dem exklusiv ausgestatteten Coupé. Während auf den Vordersitzen üppige Platzverhältnisse herrschen, geht es im Fond nicht mehr so ladend zu. Wenngleich zu früher erhebliche Fortschritte erzielt wurden. Das betrifft nicht nur den Einstieg nach hinten, der jetzt ohne große Verrenkungen möglich ist. Normal gewachsene Insassen können im Fond ohne allzu große Konzessionen von Fahrer oder Beifahrer auch auf längeren Strecken beschwerdefrei sitzen.

Gag: "Check Control"


Elegant und sportlich zugleich wirkt der Innenraum durch die vier serienmäßigen Kopfstützen, das um den Fahrer gezogene Armaturenbrett mit den ausgezeichnet einsehbaren Instrumenten und den günstig plazierten Bedienungshebeln sowie durch bequeme Sitze. Serienmäßig verfügen die neuen BMW-Modelle weiter über Verbundglas-Frontscheibe, heizbare Heckscheibe, die wie die Seitenfenster - hinten elektrisch zu betätigen - aus Wärmeschutzglas bestehen, und einen elektrisch bedienbaren Außenspiegel. Besondere Sorgfalt widmeten die Techniker dem aufwendigen Heizungs- und Belüftungssystem. Gag und nützliches Sicherheitsdetail gleichermaßen ist die sogenannte "check control", eine Abfrageeinheit, an der per Knopfdruck am Armaturenbrett sieben Funktionen kontrolliert werden können: Bremsflüssigkeit, Waschwasser, Kühlwasser, Motorölstand, Bremslicht, Rückleuchten und Bremsbelagstärke.

Die neuen Coupés wirken im Gegensatz zu den Vorgängermodellen gestreckter und geduckter, harmonisch in den Proportionen, sie verzichten auf unnützen Zierrat. Die Wagenhöhe wurde gegenüber den alten Modellen um 60 Millimeter gestutzt, in der Länge allerdings legten die Karosserieschneider 135 Millimeter zu. Im Heck- und Dachbereich wirkt der Sportwagen besonders kompakt, was den reichlich dimensionierten Leuchteinheiten und der kräftigen B-Säule in der Wagenmitte zu verdanken ist, die zusammen mit einem unsichtbaren Überrollbügel der Fahrgastzelle eine hohe Formsteifigkeit gewährt.

Der Preis: ab 40 600 Mark


Die weitere Sicherheit an der Karosserie wurde nach dem neuesten Stand der Wissenschaft errechnet. In dem für Coupé-Verhältnisse großräumigen Kofferraum hat auch ein komplettes Bordwerkzeug einen sicheren Platz. Fazit: Die neuen BMW-Spitzenmodelle sind das Ergebnis hochkarätiger Entwicklungsarbeit. Ein Juwel an Auto, das nach Abschaltung kleiner Vorserienmängel - Windgeräusche bei höheren Geschwindigkeiten an den Türen, zu weit nach hinten versetzter Haltegriff am Dach - dem BMW-Slogan alle Ehre machen wird: Wer "aus Freude am Fahren" zwischen 40 600 und 43 100 DM ausgeben kann, ist nicht nur zu beneiden, sondern auch zu beglückwünschen!
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