Halbzeit in Mittelerde

Bilbo (Martin Freeman) kann vom Ring nicht lassen.

Was passiert in einem Film, der "Die Schlacht der fünf Heere" heißt? Genau: Es kämpfen fünf Heere gegen- und miteinander. Und das inszeniert Peter Jackson im dritten "Hobbit"-Film gewohnt grandios. Doch es bleiben Fragen offen und Wünsche unerfüllt.

Vor ziemlich genau einem Jahr beging Starregisseur Peter Jackson eine Gemeinheit. Er ließ am Ende seines zweiten "Hobbit"-Films den zornigen Drachen Smaug zur Menschenstadt Esgaroth davonfliegen. "Was haben wir bloß getan?" fragte Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman) bang. Der hatte mit den 13 Zwergen zwar einen Schatz erobert, aber einen mächtigen, feuerspeienden Feind geweckt.

"Die Schlacht der Fünf Heere", Teil drei und Abschluss der "Hobbit"-Reihe, beginnt also mit der bildgewaltigen Zerstörung der hölzernen Siedlung. Nur einer nimmt es mit dem Untier auf: Der tapfere Bard (Luke Evans) kann sich aus dem Gefängnis befreien und es mit Smaug aufnehmen. Die Stadt am See liegt in Schutt und Asche. Gefährlicher als der Drache ist für die Völker von Mittelerde allerdings der Schatz, der im Berg gebunkert liegt.

Das Gift der Gier

Thorin Eichenschild, tapferer Anführer der Zwerge, verfällt der Drachenkrankheit, der Gier. Grandios spielt Richard Armitage die Zerrissenheit zwischen Korruption und Ehre, Kälte und Freundschaft. Thorin will es sogar auf einen Krieg gegen Menschen und Elben ankommen lassen, um nicht ein einziges Goldstück abgeben zu müssen. Sein innerer Kampf ist einer der Höhepunkte des Films. Bilbo und Zauberer Gandalf (Ian McKellen) müssen hilflos zusehen, bis mit der Armee der abscheulichen Orks ein gemeinsamer Feind auftaucht. Die Schlacht beginnt - und endet sehr lange nicht.

Riesige Armeen, die aufeinander krachen, nervenaufreibende Zweikämpfe, klirrende Schwerter und surrende Pfeile in der tristen Landschaft zwischen dem Einsamen Berg und einer längst zerstörten Menschenstadt. Insofern wirkt der gesamte Film ein bisschen wie eine überlange Schlussszene, die für sich alleine genommen viel Drama, aber wenig Handlung bietet.

Gedreht wurde wieder in Neuseeland. In der Dramaturgie der Schlacht hält Oscar-Preisträger Jackson sich zu großen Teilen an die Vorlage, das Buch "Der kleine Hobbit" von J. R. R. Tolkien (1892-1973). Dass der Autor es für Kinder geschrieben hatte, ist dem dritten Teil noch weniger anzumerken als den ersten beiden. Der Ton ist ernst, kaum eine Spur des flachen Slapsticks, für den vor allem "Eine unerwartete Reise" so kritisiert wurde. Dafür, dass so viel gekämpft und gestorben wird, ist der Film ziemlich unblutig. Zwar fliegt der ein oder andere Ork-Kopf durch die Luft. Im Vergleich etwa zur brutalen Ästhetik der Erfolgsserie "Game of Thrones", die Fantasy-Sehgewohnheiten inzwischen prägt, sind die Bilder aber geradezu harmlos.

Es lohnt sich, "Die Schlacht der Fünf Heere" in einem modernen Kino anzuschauen: Wenn Smaug auf Esgaroth niedersaust oder Legolas (Orlando Bloom) kopfüber an einer riesigen Fledermaus durch die Luft saust, macht das in 3-D viel her. Und die großartige musikalische Untermalung des preisgekrönten Komponisten Howard Shore, der an allen sechs Mittelerde-Filmen beteiligt war, verdient einen guten Ton.

Der Abschluss der "Hobbit"-Reihe, der zugleich das letzte der sechs Mittelerde-Epen des Neuseeländers Jackson ist, hat auch Schwächen. Wer während der Schlacht mal zehn Minuten weg ist, hat ziemlich sicher wenig Handlung verpasst. Die ersten beiden Filme sind jedoch zum Verständnis eigentlich unverzichtbar. Wer nicht aus den Büchern sowieso alles weiß, hat am Ende viele Fragen: Verstehen sich Elben und Zwerge jetzt besser? Was wird aus den Menschen, deren Heimat in Trümmern liegt? Und was ist eigentlich mit dem Arkenstein passiert?

Abruptes Ende

Fans dürfte das egal sein. Verzeihlich ist das etwas abrupte Ende auch, weil die Saga ja nicht vorbei ist. Jackson schlägt viele Brücken zur Fortsetzung, den drei "Der Herr der Ringe"-Filmen. Am Ende lässt er sogar Ian Holm noch einmal als um Jahrzehnte gealterten Bilbo auftreten. Das mag ein Trost sein für Fantasy-Fans, die keinen Abschied nehmen wollen von Mittelerde: Wer will, kann nach dem Kino gleich auf DVD oder Blu-ray "Der Herr der Ringe" anschauen und sich wieder auf den Weg nach Mittelerde machen.

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"The Hobbit: The Battle of the Five Armies" (Originaltitel) - Regie: Peter Jackson - Mit Martin Freeman, Ian McKellen, Orlando Bloom, Cate Blanchett, Richard Armitage, Evangeline Lilly - Musik: Howard Shore - 144 Minuten - frei ab 12 Jahren - www.derhobbitfilme.de
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