Hallig Hooge im nordfriesischen Wattenmeer
Viel zu flach für eine Insel

Hallig Hooge besteht hauptsächlich aus Salzwiesen, deren höchste Erhebungen die sogenannten Warften sind. Auf der Kirchwarft wird die kleine Sankt-Johannis-Kirche (links) vom Pfarrhaus überragt. (Foto: Thomas Schaller)
 
Die Planwagenkutsche ist ein geeignetes Verkehrsmittel, um Hallig Hooge zu erkunden. (Foto: Thomas Schaller)
Hooge: Hallig Hooge |

Eine Landratte wie der Durchschnitts-Oberpfälzer kann sich das Leben auf einer Hallig wohl kaum vorstellen. Auf der Marschinsel Hooge im nordfriesischen Wattenmeer sehen Besucher, womit die Einheimischen das ganze Jahr über konfrontiert sind, abgeschottet von der Welt und oft in die Enge getrieben von der Nordsee.

Von Thomas Schaller

Mit weiß schäumenden Strudeln im Schlepptau rast das Schnellboot „MS Adler-Express“ auf Hooge zu. Wie eine Fata Morgana wachsen die Inselgehöfte dunstblau aus dem Horizont. Mit jeder Seemeile werden die Konturen der Hallig deutlicher, doch viel Land ist auch aus nächster Nähe nicht zu sehen. Nur wenige Meter erhebt sich die Hallig aus der Nordsee, offiziell 5 Meter über Normalhöhennull (NHN), wird lediglich überragt von den zwölf Warften, wie die Hügel heißen, auf deren Plateaus die reetgedeckten Gebäude stehen. Zehn der Warften sind bewohnt.

107 Einwohner (Stand: März 2016) zählt Hooge, die zweitgrößte Hallig im schleswig-holsteinischen Wattenmeer. Eine Lehrerin unterrichtet die 7 Schulkinder, eine Erzieherin betreut die 6 Zöglinge in der Kindertagesstätte. Einen Arzt gibt es nicht auf Hallig Hooge, aber einen Krankenpflegedienst, dessen Beschäftigte den Rettungshubschrauber anfordern, wenn es im Ernstfall einmal nötig sein sollte.

Jeder zahlt den „Hallig-Taler“

Als die „Adler-Express“ mit einem sanften Rumpeln am Fähranleger im Nordosten des Eilandes andockt, warten bereits Fahrradverleiher und Planwagenkutschen auf die Tagesgäste, von denen jedes Jahr rund 90 000 kommen. Zunächst kassieren Gemeindevertreterinnen den „Hallig-Taler“ ein, einen kleinen finanziellen Beitrag der Besucher, den die Halligverwaltung in die touristische Infrastruktur investiert. Schmale Asphaltwege überziehen die gut fünfeinhalb Quadratkilometer große Insel aus Salzwiesen und Wassergräben. Die Kutscher dirigieren ihre Pferde auf Ausweichstreifen, wenn ein Gefährt entgegenkommt. Große Eile scheint hier ohnehin niemand zu haben.

Erster Haltepunkt ist die Kirchwarft, gekrönt vom Wohnhaus des Inselpastors. Der Pfarrhof ist wesentlich größer als die kleine Sankt-Johannis-Kirche mit ihrer Ziegelfassade und dem blauen Holzgestühl. Die Glocke hängt im Freien in einem hölzernen Turm im Schatten einiger Bäume, daneben der kleine Friedhof mit den niederdeutschen Namen auf den Grabsteinen und Kreuzen. Am Fuß der Kirchwarft markieren Metallringe an einem baumstarken Pfosten die Wasserstände der schwersten Sturmfluten, die in den zurückliegenden Jahrzehnten über die Hallig hereingebrochen sind.

Gänsehaut im Sturmflutkino

Wie sich diese Naturereignisse, die sogenannten „Landunter“, auswirken, zeigt eindrucksvoll das Sturmflutkino auf der Hanswarft. In dem kleinen Saal mit mehreren Reihen einfacher Stühle treibt ein viertelstündiger Film den Halligbesuchern eine Gänsehaut über den Rücken: Bei Sturmflut, wenn eine Springtiede und auflandige Winde zusammentreffen, setzt die Nordsee die gesamte Hallig unter Wasser – dies unterscheidet eine Hallig von einer Insel. Nur die Warften spitzen dann, wie lauter winzige Eilande, aus den Wellen heraus. Die Bewohner sind geübt darin, Kind und Kegel, Tiere und Fahrzeuge in Sicherheit – nämlich auf die Anhöhen – zu bringen. Ist die Sturmflut vorüber, hält der Deich das Wasser zunächst noch auf der Hallig. Erst wenn die Schleuse geöffnet wird, kann es abfließen, zurück in die Nordsee.

Die Hanswarft ist die Hauptwarft der Hallig. „Das ist unsere Hauptstadt, genannt City“, scherzt die junge Kutscherin und fügt hinzu: „Sie hat sogar eine Umgehungsstraße.“ Auf der Hanswarft sind das Bürgermeisteramt und das Gemeindehaus angesiedelt, ebenso das Fremdenverkehrsbüro, die Feuerwehr, Geschäfte und Gaststätten. Das Heimat- und Halligmuseum erzählt 300 Jahre Halliggeschichte. Die Schutzstation Wattenmeer betreibt im Nationalparkhaus Hooge mit großem Engagement das „Erlebniszentrum Mensch und Watt“, das seinen Besuchern anschaulich die Tiere und die Vegetation der Wattregion nahebringt. Wer am Spätnachmittag wieder auf die „Adler-Express“ steigt, ist sich bewusst, dass der „Hallig-Taler“ auf Hooge gut angelegt ist, und er ist außerdem beruhigt, dass das nächste „Landunter“ ohne ihn stattfinden wird.

Informationen

„Erlebniszentrum Mensch und Watt“

Die Schutzstation Wattenmeer informiert im Nationalparkhaus Hooge hauptsächlich über die Themen Hallig, Landwirtschaft und Biosphärenregion. In einer „Wattwerkstatt“ können die kleinen und großen Besucher die Natur erforschen. Zum Angebot der Schutzstation Wattenmeer gehören außerdem Halligtouren, Wattwanderungen, Experimente mit Wattorganismen, Salzwiesenerkundungen, Vogelexkursionen und Diavorträge.

Schutzstation Wattenmeer Hallig Hooge
Hanswarft 2
25859 Hallig Hooge
Telefon: 04849/229
E-Mail: hooge@schutzstation-wattenmeer.de
Internet: Schutzstation Wattenmeer, Nationalparkhaus Hooge

Touristikbüro Hooge
Hanswarft 1
25859 Hallig Hooge
Telefon: 04849/9100
E-Mail: info@hooge.de
Internet: Hallig Hooge

Schiffsverbindungen nach Hallig Hooge
Adler-Schiffe
Wyker Dampfschiffs-Reederei
MS Seeadler
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