"Ich und Earl und das Mädchen" handelt von Teenagerliebe, Krebs und Erwachsenwerden
Oscar-Anwärter ohne Klischees

"Me and Earl and the dying Girl", das klingt nach tränenreicher Schnulze oder anstrengendem Drama. Diesen Anschein wollte man den deutschen Kinogängern wohl ersparen. Hier heißt der Independent-Film einfach nur "Ich und Earl und das Mädchen". Die Geschichte um einen filmbesessenen High-School-Schüler (Thomas Mann), der sich mit einer krebskranken Klassenkameradin (Olivia Cooke) anfreundet, ist weder schnulzig noch düster. Sensibler Witz, originelle Ideen und einnehmende Figuren machen den Streifen zu einem der besten des Jahres.

"Ich" ist der 17-jährige Greg, der sein letztes Jahr an der Schule ohne großes Aufsehen hinter sich bringen will. Er beschreibt sich selbst als unglaublich linkisch, mit einem Gesicht "wie ein Murmeltier". Um coole Mädchen macht er einen Bogen, mit trockenem Humor und witzigen Sprüchen mogelt er sich durch.

Mix gelingt

"Earl" ist sein bester Freund, doch Greg stellt den Mitschüler, gespielt von der Neuentdeckung R.J. Cyler, lieber als seinen "Geschäftspartner" vor. Als leidenschaftliche Film-Fans drehen sie zusammen Kurzfilmparodien von Klassikern wie Stanley Kubricks "Uhrwerk Orange", Alfred Hitchcocks "Das Fenster zum Hof" und Werner Herzogs "Mein liebster Feind". Sie verhunzen die Titel und blödeln mit Tricks und Kostümen gekonnt herum. "Das Mädchen" ist eine Klassenkameradin, die Greg nicht weiter interessiert. Als Rachel an Leukämie erkrankt, besteht Gregs Mutter darauf, dass er sich mit ihr trifft.

"Ich und Earl und das Mädchen" hält von den üblichen Klischees Abstand. Die Gratwanderung zwischen Komödie und Drama, Lachen und Weinen, einfühlsamem Tiefgang und schrägen Momenten gelingt perfekt.

Der Film wird als Oscar-Kandidat gehandelt. Beim Sundance-Festival für Independent-Filme holte das Teenager-Drama beide Hauptpreise - der Jury und des Publikums. Das ist seit dem Festivalstart 1989 zuvor erst fünf Filmen gelungen. Zuletzt "Whiplash", der heuer für fünf Oscars nominiert wurde und drei Trophäen erhielt: für Schnitt, Ton und für J. K. Simmons als bester Nebendarsteller. Auch "Ich und Earl und das Mädchen" ist Gold wert.

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Regie: Alfonso Gomez-Rejon - Mit Thomas Mann, R.J. Cyler, Olivia Cooke - Musik: Brian Eno und Nico Muhly - 106 Minuten - frei ab 6 Jahren - Im Internet: www.fox.de/me-and-earl-and-the-dying-girl
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