"Ich und Kaminski": Erneut ein Streifen, der auf Daniel-Kehlmann-Buch beruht
Lebendige Literatur auf Leinwand

Literaturverfilmungen genießen häufig einen schlechten Ruf: An die gedruckte Vorlage kommen sie nicht ran, sind zu kurz, zu oberflächlich. Autor Daniel Kehlmann sagt: "Grundsätzlich teile ich die billige Skepsis gegenüber Literaturverfilmungen nicht." Denn: Die meisten Filme seien schlecht - ganz gleich ob Literaturverfilmung oder nicht. "Und wenn ein Film gelungen ist, fragt man nicht mehr danach, auf welcher Vorlage er beruht."

Das könnte dem 40-Jährigen nun wieder einmal selbst so ergehen: Nach "Ruhm" und "Die Vermessung der Welt" kommt jetzt "Ich und Kaminski" auf Grundlage des gleichnamigen Kehlmann-Romans in die deutschen Kinos.

Daniel Brühl spielt darin den glücklosen Kunstkritiker Sebastian Zöllner, der mit langen Haaren und Bart leicht verschroben aussieht. Das wird noch unterstützt durch seine überhebliche, großkotzige Attitüde. Er will eine Biografie über den fast vergessenen Künstler Manuel Kaminski (Jesper Christensen) schreiben, der als blinder Maler in die Geschichte einging. Doch Zöllner wittert einen Scoop: Kann der klapprige Kahlkopf sehr wohl sehen?

Wer das Buch kennt, wird vieles wiederfinden. Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied, den Kehlmann so beschreibt: "Eine Herausforderung der Umsetzung lag natürlich darin, dass der Leser des Buches eingesperrt ist in die Ich-Perspektive eines eitlen und sich ständig selbst überschätzenden Erzählers - das ist im Film, der ja naturgemäß die Figuren von außen zeigt, nicht ohne weiteres zu machen." Dennoch dominiert die Zöllner-Perspektive.

Um das Klischee der Unverfilmbarkeit von Literatur zu widerlegen, führt Kehlmann Stanley-Kubrick-Filme an, "No Country for Old Men" der Coen-Brüder, Sam Mendes' "Revolutionary Road" und Alexander Paynes "About Schmidt". Auch "Ich und Kaminski" kann als Beweis dienen.

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Regie: Wolfgang Becker - Mit Daniel Brühl, Jesper Christensen, Amira Casar - - 120 Minuten - frei ab sechs Jahren
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