In 80 Jahren um die Welt
1936 stellte Opel den ersten Kadett vor

Hinten die Kadetten, vorne die Astras: Zählt man die Nachfolge-Modelle mit neuem Namen dazu, dann rollt aktuell die elfte Generation des Opel-Erfolgsmodells über Deutschlands Straßen. Bild: Opel

Der erste Opel Kadett ist technisch wie preislich eine kleine Sensation. Über 100 000 Exemplare des Viersitzers entstehen von 1936 bis 1940 in Rüsselsheim. Der erste Kadett mit der revolutionären selbsttragenden Karosserie, lieferbar als Limousine oder Cabrio-Limousine, wird für nur 2100 Mark angeboten.

Mit seinem guten Preis-/Leistungsverhältnis und innovativen Details legt der erste Kadett den Grundstein für die Opel-Erfolge in der Kompaktklasse. Bis heute sind elf Generationen Kadett und Astra in ihrem Segment erfolgreich: Über 24 Millionen verkaufte Opel Kadett und Opel Astra sind eine eindrucksvolle Zahl und eine starke Leistung. Aneinandergereiht würden alle bis heute gebauten Opel-Kompaktmodelle die magische 100 000-Kilometer-Marke knacken und eine Fahrzeugkolonne bilden, die zweieinhalbmal um den Äquator reichen könnte. Die Kompakten von Opel haben gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die persönliche Mobilität für Viele ermöglicht.

Der fast 100 km/h flotte Opel Kadett 1 fährt nach seiner Premiere in die Herzen des Publikums und erwirbt auch das Wohlwollen der Presse: "Der Kadett ist, wie die ersten Probefahrten uns bestätigen, ein für diese Preislage keineswegs alltägliches Fahrzeug", heißt es am 5. Dezember 1936 in der "Braunschweiger Tageszeitung". Das Fahrwerk mit Synchronfederung und blattgefederter Hinterachse stammte vom Olympia, der seitengesteuerte Vierzylinder-Graugussmotor mit 23 Pferdestärken aus 1073 cm3 Hubraum vom Opel P 4. Die Vorteile der Technik aus dem Baukastensystem waren denn auch an der günstigen Preisgestaltung maßgeblich beteiligt.

Wie der große Bruder Olympia, dem er auch optisch ähnelt, ist der Kadett ein modernes Auto; Kennzeichen sind harmonische Proportionen mit Schrägheck und integrierten Scheinwerfern. 1938 erhält der Kadett im Zuge einer großen Modellpflege unter anderem einen Spitzkühler im Stil des späten Art déco - Fachleute zählen diese Version heute als Zwischengeneration.

Vom Kadett zum Admiral


"Genauso flink, wendig und gehorsam auf alle Befehle des Fahrers [...], wie man es von einem karrieremachenden Kadetten erwartet", schreibt die "Kölnische Zeitung" 1936 über die neue Baureihe von Opel. So neu wie das Segment ist auch die Bezeichnung "Kadett". Bis zur Einführung des ersten Astra 1991 werden die Kompaktklasse-Baureihen von Opel über fünf Jahrzehnte lang so heißen. Mit den Oberklasse-Modellen Admiral und Kapitän präsentiert das Unternehmen 1937 und 1938 zudem zwei Baureihen, deren Namen ebenfalls aus dem Marine-Bereich stammen.

Selbsttragende Karosserie


Nach dem Olympia, dem ersten deutschen Serienwagen mit selbsttragender Ganzstahlkarosserie, besitzt auch der erste Kadett ein solches Blechgerippe. Die Pressemeldung von damals zieht Parallelen zu Architektur und Flugzeugbau: "Die von früher her gewohnte Unterteilung zwischen Fahrgestell und Karosserie wird hinfällig. Das Gerippe der Karosserie ist wie ein Brückenträger aufgebaut, eine Ausführungsform, die bei geringstem Gewicht die mühelose Aufnahme großer Kräfte möglich macht.

Dieses Gerippe besteht aus Profilträgern, die wie im Metallflugzeugbau miteinander verbunden sind." Die Vorteile dieses Bauprinzips gegenüber der klassischen Konstruktion aus Fahrgestell und Holzaufbau sind vielfältig: Vom geringeren Gewicht profitieren Fahrleistungen und Verbrauch, und das Sicherheitsniveau ist höher dank steifer Fahrgastzelle und niedrigerem Schwerpunkt. Die selbsttragende Bauweise ermöglicht eine neue, 1934 von Opel patentierte und bis heute übliche Fertigungsmethode: Karosserie und Aggregate (Motor, Getriebe, Achsen) feiern am Band mit Hilfe hydraulischer Hebetische die sogenannte "Hochzeit". Produziert wird der Opel Kadett in Rüsselsheim. 1936 betreibt die Marke mit dem Blitz hier das größte Karosserie-Presswerk Europas.

Innovative Technik


In die Karosserie integrierte Scheinwerfer statt bis dato üblicher Topflampen verleihen dem Kadett ein frisches Erscheinungsbild. Kein Wunder, denn Opel machte modernes Automobildesign in Europa populär: Bereits Anfang der 30er Jahre, also kurz nach der Eingliederung in den General Motors-Konzern, wurde auf Initiative von GM-Chefdesigner Harley Earl eine Designabteilung in Rüsselsheim gegründet.

Viel Auto fürs Geld


Der erste Kadett bot ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis und demokratisierte so den Luxus. Denn Details wie hydraulische Vierradbremse, Fahrtrichtungsanzeiger, zugfreie Entlüftung mittels dreieckiger Ausstellfenster und staubdichter, von innen zugänglicher Reisegepäckraum waren in der Klasse damals unüblich - der Kadett besaß sie allesamt ab Werk.

Als erstes Opel-Modell besitzt der Kadett einen im eigenen Haus entwickelten Fallstromvergaser mit so genanntem Venturi-Rohr. In dieser nach dem italienischen Physiker Giovanni Battista Venturi (1746-1822) benannten Düse wird vor der Drosselklappe der Kraftstoff in den angesaugten Luftstrom gemischt. Das Venturi-Rohr ist ein glattwandiges Rohrstück mit einer Verengung. Wenn Luft durch das Rohr strömt und den engeren Bereich passiert, muss sie an dieser Stelle schneller strömen als in den anderen Zonen. Dadurch entsteht an der Engstelle ein Unterdruck (wie an der Oberseite einer Flugzeug-Tragfläche). An der Verengung befindet sich ein mit Benzin gefülltes Röhrchen. Der Kraftstoff wird vom Unterdruck im Venturi-Rohr angesaugt und mitgerissen.
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