Interview mit Sex-Expertin Paula Lambert
«Shades of Grey» hat Männer verunsichert

Paula Lambert. Bild: Georg Wendt/dpa

Die Sado-Maso-Bücher «Shades of Grey» haben nach Ansicht von Sex-Expertin Paula Lambert vor allem die Männer verunsichert. Außerdem sieht sie überraschende Parallelen zum «Pferdeflüsterer».

Berlin. (dpa)Die Sex-Expertin Paula Lambert gibt in ihrer Sixx-Sendung «Paula kommt! - Sex und Gute Nacktgeschichten» und als Kolumnistin in der Männerzeitschrift «GQ» Tipps fürs Bett. Auch das Phänomen «Shades of Grey» hat sie sich angeschaut. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur erzählt sie, was sie von der Sado-Maso-Trilogie hält und was die Verfilmung, die jetzt in die Kinos kommt, mit dem «Pferdeflüsterer» gemeinsam hat.

Wie erklären Sie sich, dass gerade Shades of Grey so erfolgreich wurde?

Zum Einen ist «Fifty Shades of Grey» eine ganz klassische Liebesgeschichte. Im Grunde der Traum jeder Großstadt-Frau: Sie trifft einen völlig neurotischen, kaputten Typen und dreht ihn im Laufe von drei sehr dicken Bänden um, und macht nicht nur den perfekten Liebhaber, der er auf seine Art ja schon ist, aus ihm, sondern auch noch den perfekten Partner. Das reizt natürlich alle Frauen, weil wir wissen: Die meisten wollen, dass der Mann so ist, wie er ist, aber noch mehr wie sie es will.

Was denken Sie: Ist es nötig gewesen, dass das Buch jetzt auch verfilmt wurde?

Ich glaube nicht, dass eine Verfilmung nötig gewesen wäre, zumal das, was ich in den Trailern bislang gesehen habe, auch nicht so spannungsreich aussieht. Im Grunde kann man das, was da passiert, ja auch nicht so richtig auf die Leinwand bannen - es sei denn, man hat zwei Darsteller, die extrem gut miteinander funktionieren. Und das ist bei den Beiden nicht der Fall. Ich glaube, das ist einfach Ausbeutung eines Hypes, der eigentlich schon abgeklungen war.

Würden Sie sagen, das Buch hat das Sexleben der Menschen in einer gewissen Weise verändert?

Ja, ich weiß das aus meiner «GQ»-Kolumne, wo ich Zuschriften kriege von sehr vielen Männern, die eine Zeit lang wirklich verunsichert waren: Was wollen die Frauen plötzlich von uns? Warum müssen wir sie mit Handschellen fesseln? Warum wollen sie, dass wir ihnen auf den Hintern hauen? Das Gute daran ist aber, dass die Leute angefangen haben, über ihre Bedürfnisse zu sprechen. Und das muss man dem Buch zugutehalten. Es hat immerhin erreicht, dass die Kommunikation über das Thema Sex wieder richtig ins Rutschen geraten ist.

Was sind Ihre Erfahrungen: Wie öffentlich wurde das Buch gelesen und wie wird das an den Kinokassen sein? Geht man da noch mit einem gewissen Schamgefühl hin?

«Fifty Shades of Grey» wurde ja auch in U-Bahnen gelesen, ganz ungeniert, in Bussen... Dafür ist es auch zu wenig hardcore. Die Sex-Szenen sind zwar pseudo-explizit geschrieben, so irre viel passiert da aber nicht. Das ist längst Teil der Popkultur geworden. Also die Leute werden ganz normal an die Kassen gehen und sich Karten kaufen.

Mit wem sollte man denn ins Kino gehen? Mit dem Partner oder mit der besten Freundin?

Ich tendiere dazu zu sagen: Gehen Sie mit der besten Freundin. Wenn der Partner extrem neugierig ist, dann würde ich den mitnehmen, ich glaube aber, das wird so ein «Pferdeflüsterer»-Phänomen sein. Im «Pferdeflüsterer» waren auch nur Männer, die mit verschränkten Armen und bockigen Gesichtern neben ihren Frauen saßen, weil es sie im Grunde nicht interessiert hat.