Kitzsteinhorn ist ein wahres Paradies für Freerider
"Was kann es Schöneres geben?"

Foto aus HUP-Import
Freizeit DE/WELT
Deutschland und die Welt
10.12.2012
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Herrlich ist der Blick von ganz oben.
Mit einem satten Klick schließen sich die Skibindungen. Mit einem lauten Ratschen klammern sich die Gurte an den Snowboardschuhen fest. Danach ist es still. Absolut. Die Kanten der Boards und Skier schneiden sich geräuschlos in den frischen Tiefschnee. Kurve um Kurve ziehen die Freerider ihre Spuren in die unberührten Hänge.

"Was kann es Schöneres geben?", fragt Michi Hartweger. Denn eigentlich stehe vor jeder Tiefschneeabfahrt der Aufstieg. Und der sei oft mühevoll für die Geländefahrer. "Hier heroben ist so ziemlich jeder Hang mit dem Lift erreichbar. Nur manchmal muss man kleine Stücke laufen", sagt der 37-jährige Ski- und Snowboardlehrer.

Das Kitzsteinhorn ist in den vergangenen Jahren Anlaufstelle für die Freerider geworden. "Nicht unbegründet", weiß der Prokurist der Bergbahnen, Günther Brennsteiner. Viel sei investiert worden, um den Trend in geordnete Bahnen zu lenken. An der Info-Base, gleich neben dem Alpincenter, gibt es alle Informationen für den Ritt ins Gelände. Dort wird angezeigt, welche der fünf Routen aktuell geöffnet sind, von der X1 (Ice Age) über die X2 (Westside Story), die X3 (Left Wing), die X4 (Jump Run) bis hin zur X5 (Pipe Line). "Wer sich auf topografischen Karten auskennt, kann sich zudem an jedem Routeneinstieg mit dem Gelände vertraut machen", sagt Brennsteiner. Aber das reicht nicht. "Ohne geeignete Ausrüstung sollte allerdings niemand abseits der Pisten unterwegs sein", erklärt Michi Hartweger. Schneeschaufel und Lawinensonde gehören unbedingt in den Rucksack. Eine Lebensversicherung ist das Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS). "Wir prüfen das LVS hier nochmals", sagt Michi Hartweger an der Info-Base. Ein lautes akustisches Piepsen zeigt am Testpunkt an, ob das LVS eingeschaltet und richtig eingestellt ist.
Danach geht es los, hinauf mit der Gipfelbahn auf 3029 Meter. "Genügend Abstand halten ist wichtig", sagt Hartweger vor dem Start auf der X1. Sollte sich im Hang eine Lawine lösen, könnten die anderen reagieren. Denn eine hundertprozentige Sicherheit gebe es nicht. "Wenn das ein Guide verspricht, ist er kein guter Guide." Aber durch richtiges Verhalten lasse sich die Gefahr minimieren, erklärt der Ski- und Snowboardlehrer. "Auch bei Lawinenwarnstufe 4 sind Touren möglich, aber Sinn macht es immer nur mit Führer."

In der eigenen Skischule bieten die Hartwegers Freeridekurse an. "Wir haben eigentlich schon vor zehn Jahren begonnen", sagt Michi Hartweger. Aber so richtig boomt das Ganze erst jetzt. "Wir kümmern uns um alles, vom Verleih bis hin zum richtigen Verhalten, der Technik und bis zu den Touren natürlich." Momentan nutzen noch mehr Skifahrer das Angebot, aber die Snowboarder-Fraktion nehme zu. Die Teilnehmer seien 18 bis 60 Jahre. Gefahren wird in Gruppen von maximal sechs Leuten.


An diesem Tag ist das Gelände schon ziemlich zerfurcht, aber der 37-Jährige findet immer wieder neue Lines. "Auch ein Grund für einen Guide", sagt er. "Wenn man selber suchen muss, ist der Tag oft schnell vorbei und der Frust groß, wenn man keine schönen Hänge findet." Neben den fünf ausgewiesenen Freeridestrecken gibt es noch einige Abfahrten für absolute Spezialisten.

"Seit die Routen in einem deutschen Tourenguide aufgetaucht sind, sind sie sehr beliebt." Mit 2000 Höhenmetern ist die Talabfahrt nach Niedernsill die Krönung. Das weiß Günther Brennsteiner bestens. Sechsmal hat er im vorigen Frühjahr innerhalb weniger Wochen diese Route gewählt. "Und das Gute ist: Ich kann fast bis vor meine Haustüre fahren."

Für die Gruppe steht jetzt die X1 an. Mit einem satten Klick schließen sich die Skibindungen. Mit einem lauten Ratschen klammern sich die Gurte an den Snowboardschuhen fest. Danach ist es still. Absolut. Nur die Kanten der Boards und Skier schneiden sich in den Tiefschnee - völlig geräuschlos.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.salzburgerland.com; www.kitzsteinhorn.at; www.ski-kaprun.at
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