Kleiner Italiener für Familie und Freizeit
Fahrbericht Fiat 500L Lounge 1.4 T-Jet

Das Raumangebot eines Minivans kombiniert der 500L mit dem Platzbedarf eines Kompaktwagens. Für die Herausforderungen des Alltags ist er jedenfalls bestens gerüstet. Bilder: FCA

Von Berthold Zeitler

Nicht immer fängt der frühe Vogel den Wurm. Als Fiat in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts den 600 Multipla auf die Räder stellte, da war das zwar eine Großraumlimousine im Kleinwagen-Format, aber die Auto-Welt war noch lange nicht auf Minivans abgefahren. Das ist jetzt anders. Und so haben die Turiner vor drei Jahren das ursprüngliche Konzept aus der Schublade geholt und dem erfolgreichen 500er auf den Blech-Leib geschneidert.

Das "Large" im Namen steht dem großen Bruder ausgezeichnet. Zwar basiert er auf dem Punto, ist aber sieben Zentimeter länger und offeriert ein nahezu gigantisches Raumangebot. Der Einstieg über die breiten Türen ist komfortabel. Vier Personen finden großzügige Platzverhältnisse, der schmale Sitz mittig hinten taugt - wie überall - nur zur Not. Mit dem 1,5 Quadratmeter großen und elektrisch arbeitenden Panoramadach fängt man den Himmel ein.

Die Rücksitzbank lässt sich längs verschieben, teilen, umklappen und sogar versenken, womit eine ebene Ladefläche entsteht. "Magic Space" nennt Fiat ein Stausystem, mit dem man Empfindliches von Schwerem, Sauberes von Schmutzigem oder Nasses von Trockenem trennen kann. Wer neben der Rücksitzbank auch noch den Beifahrersitz umklappt, kann spielend Baumarktregale bis 2,40 Meter Länge transportieren. Die Sicht nach hinten ist nicht gar so übersichtlich, wie man denkt. Eine Rückfahrkamera (Option) schafft Abhilfe.

Wie in Autos dieser Spezies üblich, thront der Fahrer etwas über dem Verkehrsgeschehen. Zwar war das in unserem Testwagen verbaute Gestühl mit Leder bespannt, fühlte sich aber irgendwie kalt an. Was auch die Sitzheizung erst recht spät verbesserte, so sich der etwas versteckte Schalter dafür überhaupt ertasten ließ. Dafür half die Lordosenstütze unserer verkrümmten Wirbelsäule. Der Innenraum wirkt aufgeräumt, auch der Fahrerplatz gefällt. Allerdings offenbarte sich uns nicht jede Bedienung auf Anhieb, mussten wir doch ab und an die Anleitung zur Rate ziehen.

Der Turbo-Benziner ist zunächst ein eher braves Triebwerk, wirkt anfangs noch etwas angespannt, kommt aber dann - im wahrsten Sinne des Wortes - doch auf Touren. Auf der Autobahn gefällt es dem kleinen Italiener besser als auf der Landstraße, wo er doch mit fleißiger Schaltarbeit bei Laune gehalten werden will. Das gelingt aber dank der eng gestuften Schaltbox recht leicht. Der 500L reagiert sehr spontan auf die Lenkbefehle. Wen das irritiert, der schaltet per Knopfdruck die City-Funktion ein. Das verleiht der Lenkung eine spielerische Leichtigkeit. Auch wenn der "L" doch an einigen Stellen patzt, die Rolle des Familien-, Freizeit- und Reisefreundes in der 500er-Sippschaft füllt er ganz gut aus. Und die Top-Version "Lounge" bietet nahezu alles, was des Autofahrers Herz begehrt.

DatenblattFiat 500L: Minivan im Kleinwagenformat, 5 Türen, 5 Sitze

Antrieb: Vierzylinder, Turbo-Benziner, 1368 ccm, 120 PS, max. Drehmoment 215 Nm bei 2500 U/min, Euro 6, Sechsgang-Schaltung, Frontantrieb

Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 183 km/h, Beschleunigung 0-100 km/h in 10,2 sec., Testverbrauch 8,1 l,Tankinhalt 50 Liter

CO2-Emission: 155 g/km (bei Normverbrauch von 6,7 l), Effizienzklasse D

Maße und Gewichte: Länge 4147 mm, Breite 1784 mm, Höhe 1658 mm, Leergewicht 1365 kg, Zuladung 485 kg, Kofferraumvolumen 412-1375 Liter,

Preis: 21 100 Euro (Grundpreis), 26 250 Euro (Testwagen) (bz)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.