Knallbuntes Kopfkino

Innovativ, kreativ, witzig. Auch der mittlerweile 15. Streifen von Pixar begeistert. In "Alles steht Kopf" wird eine anrührende Geschichte erzählt. Die Hauptfiguren heißen "Freude" und "Kummer". Zudem ist der Film Kopfkino im wahrsten Sinne des Wortes.

Als Riley auf die Welt kommt, tritt auch "Freude" in ihr Leben. Die Zweisamkeit dauert ganze 33 Sekunden - dann ist auch "Kummer" da. Letztlich sind es fünf Emotionen, die am Mischpult im Kontrollzentrum Rileys, ihrem Kopf, die Gefühle steuern. Angeführt werden sie von der unbeschwerten Optimistin "Freude", deren Mission es ist dafür zu sorgen, dass Riley immer glücklich ist. "Angst" kümmert sich um die Sicherheit, "Wut" passt auf, dass alles immer gerecht abläuft, und "Ekel" hält Riley davon ab, sich zu vergiften. Und "Kummer"? Sie ist sich noch nicht sicher, was ihre Aufgabe ist.

Detailreich und liebevoll

Als Rileys Familie von Minnesota nach San Francisco umzieht, müssen die Emotionen Überstunden machen und Riley dabei helfen, die schwierige Übergangszeit unbeschadet zu meistern. Aber dann werden "Freude" und "Kummer" mit ein paar der Kernerinnerungen versehentlich in die entlegeneren Ecken von Rileys Verstand gespült. Auf einmal geht es drunter und drüber im Hauptquartier - "Freude" und "Kummer" müssen sich den Weg durch ihnen unbekannte Orte bahnen.

Pixar beweist genau in diesem Punkt wieder unglaubliche Kreativität. Das Fantasieland, ein Raum für abstraktes Denken und die "Traum Studios" - alles ist wie immer detailreich und liebevoll ausgeklügelt. Figuren wie die Emotionen oder Rileys einst eingebildeter Freund "Bing Bong" (ein Elefanten-Katzen-Delfin-Fantasiewesen, das Bonbons weint) sind Charaktere, die es schnell in die Herzen der Zuschauer schaffen. Auch die bekannten Easter Eggs (eine Art versteckte Anspielungen auf andere Filme) fehlen nicht. So ist zum Beispiel in Rileys Klassenzimmer ein Globus zu sehen, der auch in allen drei "Toy Story"-Filmen vorkommt.

Der Witz, durch den sich das Studio auszeichnet, fehlt in "Alles steht Kopf" ebenfalls nicht. Sei es nun, wenn ein Vergesser-Trupp anrückt und Erinnerungen von Riley löscht. Da bleibt vom vierjährigen Klavierunterricht schnell nur noch der Flohwalzer und "Für Elise" übrig. Oder wenn Riley aus der kindlichen Phase herauswächst und eine Abrissbirne in die Prinzessinnenburg rauscht.

Der Trailer verspricht zwar noch mehr als der Film schließlich kann. Schlicht deswegen, weil er eine der besten Szenen zeigt. In einigen Momenten hat der Streifen auch seine Längen. Mit dem Tempo von "Findet Nemo" kann er beispielsweise nicht konkurrieren. Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau.

Neurologen als Berater

Denn der Film überzeugt. Das liegt sicher auch daran, dass viele Menschen mitarbeiten, die sich im Pixar-Universum bereits verdient gemacht haben: Regisseur ist Pete Docter, der bereits "Oben" und "Die Monster AG" drehte, die Musik lieferte Michael Giacchino, der schon bei "Die Unglaublichen", "Ratatouille" und "Oben" für den richtigen Ton sorgte. Die Geschichtenerzähler arbeiteten sogar mit Wissenschaftlern, Neurologen und Psychologen zusammen, um die Emotionen richtig darstellen zu können.

Gerade der Animationsbereich bietet sich an, um frische, neue Geschichten zu erzählen. Vor allem in einer Zeit, in der fast wöchentlich Neuverfilmungen und Fortsetzungen anlaufen. Fazit: "Alles steht Kopf" ist ein charmanter Streifen geworden und Pixar bleibt auch nach 20 Jahren, in denen das Studio Animationsfilme dreht, ohne Flop. Auch der vorgeschaltete Kurzfilm "Lava", in dem zwei singende Vulkane zu sehen und zu hören sind, ist einer dieser herzerfrischenden Geschichten aus dem Hause Pixar. Regisseur Pete Docter darf nach "Oben" auf seinen zweiten Oscar hoffen. Ob nun mit oder ohne Trophäe, eines steht fest: Der neue Pixar ist ein Film, der im Kopf bleibt.

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Originaltitel: "Inside Out" - Regie: Pete Docter und Ronaldo Del Carmen (Koregisseur) - Deutsche Synchron-Stimmen: Hans-Joachim Heist, Olaf Schubert, Bettina Zimmermann, Kai Wiesinger, Katja von Garnier - 94 Minuten - ohne Altersbeschränkung - Im Internet: www.filme.disney.de/alles-steht-kopf
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