Madeira bietet auf engstem Raum Ein- und Aussichten auf spektakuläre Bergwelten und in ...
Jungfräuliche Quellen und ein Nonnenpferch

Eine grandiose Bergkulisse begleitet den Wanderer auf Schritt und Tritt. Vom Meer aus geht es fast übergangslos bis auf 1861 Meter hinauf. Der Pico Ruivo, der höchste Berg der Insel, ist vom Pico do Ariero in wenigen Stunden zu erwandern. Bilder: bz
Freizeit DE/WELT
Deutschland und die Welt
23.12.2013
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Einen atemberaubenden Blick auf die Steilküste gewährt der Aussichtspunkt Gabo Girao.

"Tut mir leid", sagt José. "Espada ist aus." Der Schwarze Degenfisch hat in dem kleinen Einheimischen-Lokal wieder einmal mehr Liebhaber gefunden als der Fischer in der Nacht zuvor gefangen hat. Nur hier auf Madeira kommt der bis zu zwei Meter lange Meeresräuber vor, steigt er aus seinem Dunkel in rund 2000 Meter Tiefe hoch und geht den Fischern an die hakenbewehrten, kilometerlangen Leinen.

Der "Espada" ist der Leib- und Magenfisch der Madeirenser, fest im Fleisch und äußerst schmackhaft. Und er schaut mit seinen großen Augen so urig und geheimnisvoll aus wie die Insel selbst. Die liegt, obwohl zu Portugal gehörend, etwa 500 Kilometer vor Afrika. Bis zum europäischen Festland ist es nahezu doppelt so weit. Die Experten streiten noch, ob das kleine Eiland im Atlantik vielleicht zum sagenumwobenen Königreich Atlantis gehört hat. Aber den Titel beansprucht ja bereits das griechische Santorin in der Ägäis für sich. Unumstritten bei beiden ist jedenfalls der vulkanische Ursprung.

Der begegnet dem Besucher sozusagen auf Schritt und Tritt und offenbart eine grandiose Kulisse mit steilen Klippen, zerklüfteten Tälern und nebelverhangenen Lorbeerwäldern. Allein schon der Anflug auf die nur 57 Kilometer lange und 22 Kilometer breite Insel ist spektakulär: Erst einmal geht es vorbei an zackigen Felsen, bevor der Pilot eine Kurve dreht und den Flieger auf der auf Stelzen in den Atlantik hinausgebauten Landebahn aufsetzt. Madeira, das heißt Berge und Blumen. Letztere sind jetzt nicht mehr ganz so üppig, lassen aber immer noch erahnen, dass die farben-rauschigen Frühlingsbilder der Reiseprospekte nicht übertrieben sind. "Blendy's Garden" gilt als einer der schönsten Privatgärten. Auf rund 200 000 Quadratmetern überrascht eine derartige Vielfalt, dass ein flüchtiger Besuch zum mehrstündigen Ausflug wird,

Kein Spaziergang

Und die Berge? Scheinbar übergangslos geht es vom Meer steil hinauf bis auf 1861 Meter. Weshalb Genuss-Wanderer eben gerne den umgekehrten Weg gehen. Vom Eira do Serrado beispielsweise hinunter in den "Nonnenpferch". Nicht einmal vier Kilometer lang, aber bei gut 500 Höhenmetern abwärts wahrlich kein einfacher Spaziergang.

Dann vielleicht lieber eine Wanderung entlang der Levadas, jenen Wasserkanälen, die wie Lebensadern die gesamte Insel vernetzen. In nicht einmal einer halben Stunde geht es beispielsweise von den Forellenzüchtern in Ribeiro Frio zum Aussichtspunkt Balcoes mit dem spektakulären Tiefblick bis hinunter zum Meer.

So "jungfräulich" wie "Rabacal" übersetzt heißt, ist der Weg vom gleichnamigen Ort zu den 25 Quellen nicht mehr. Die Wanderung entlang steiler Hänge durch naturbelassene Lorbeer- und Baumheidewälder gilt als eine der schönsten auf der ganzen Insel. Entsprechend groß ist der Zuspruch. Trittsicherheit und etwas Schwindelfreiheit sind auf dem schmalen Pfad erforderlich.
Das Wetter ändert sich in den Bergen bekanntlich schnell. Auf Madeira noch viel schneller. Wo eben noch Nebel den Gipfel des Pico Ruivo versteckt hält, taucht Minuten später die Sonne schon eine bizarre Bergwelt in ein faszinierendes Licht- und Schattenspiel. Madeira-Besucher sollten also flexibel sein in ihrer Programmgestaltung. Und so hat die österreichische Reiseleiterin ihre Gruppe gleich nach der Landung am Flughafen in den Bus und auf den Pico do Ariero (1818 Meter) verfrachtet. "So ein Traumwetter ist nicht alle Tage." Wie wär's mit einem kleinen Ausflug entlang der Südküste? Einfach atemberaubend der Tiefblick vom Cabo Girao hinunter auf die fruchtbaren Obst- und Weinterrassen. Fast 600 Meter senkrecht fallen die Felsklippen ab. Ein Skywalk ist hier dem Besucheransturm geschuldet. Unten an der Küste finden sich nette Fischerdörfer, wie etwa das verträumte Camara de Lobos, wo sich schon Winston Churchill ab 1949 regelmäßig seiner Leidenschaft, der Malerei, hingegeben hat. Wild und schroff präsentiert sich der Norden der Insel, ein grandioses Naturschauspiel, das trotz mancher abenteuerlicher Straßen nur wärmstens zu empfehlen ist.

Mit Korbschlitten zurück



Auch ein Besuch der Inselhauptstadt darf nicht fehlen. Funchal ist mit all seinen historischen Plätzen, engen Gassen, breiten Promenaden und der malerischen Altstadt jeden Ausflug wert. Ein Klassiker ist der Besuch der Wallfahrtskirche "Nossa Senhora do Monte", wo auch der letzte österreichische Kaiser und von Papst Johannes Paul II. seliggesprochene Karl von Habsburg beigesetzt ist. Wer mit der Seilbahn von Funchal aus hochgefahren ist, kann sich mit dem Korbschlitten von zwei "Carreiros" hinunter bringen lassen, wenngleich zu gepfefferten Preisen.

Gut gewürzt ist auch der "Espada", den José heute servieren möchte. Aber uns steht diesmal mehr der Sinn nach "Espetada", Rindfleischstücken auf einem Lorbeerspieß, was dem Grillgericht einen unvergleichlich würzigen Geschmack verleiht. Und zum Kaffee abschließend vielleicht einen ebenso süßen, wie schweren und fruchtigen Malvasia, jener Wein, der Madeira zu Weltruhm verholfen hat.
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