Märchenfilm "Into the Woods" kommt ins Kino: Rotkäppchen, Rapunzel und Cinderella geben sich ...
Alles dabei, was bei Grimm Rang und Namen hat

Märchenzeit im US-Kino: Nur drei Wochen bevor Kenneth Branaghs "Cinderella" ins Kino kommt, tritt in "Into the Woods" eine ganze Reihe an klassischen, zumeist Grimmschen Figuren auf: vom Rotkäppchen und dem bösen Wolf über Rapunzel bis hin zu Hans mit der Bohnenranke. Der von Regisseur Rob Marshall ("Chicago") inszenierte Film beruht auf dem gleichnamigen, Ende der 1980er in New York uraufgeführten Broadway-Musical von Stephen Sondheim.

Besetzt ist "Into the Woods" mit hochkarätigen und renommierten Darstellern wie Meryl Streep und Johnny Depp genauso wie mit etwas weniger bekannten Namen, darunter Anna Kendrick ("Up in the Air") in der Rolle der Cinderella.

Es geht um einen Bäcker und dessen Frau und den gemeinsamen Wunsch nach einem Kind. Auf der Familie aber lastet ein Fluch, der es den beiden unmöglich macht, Nachwuchs zu bekommen: Einst hatte der Vater des Bäckers sich unerlaubterweise im Garten einer Hexe (Streep) bedient. Noch aber ist nicht alle Hoffnung dahin, die Hexe bietet dem jungen Paar an, den Fluch zu brechen - dafür müssen sie ihr vier bestimmte Dinge bringen.

Johnny Depp als Wolf

Im tiefen, dunklen Wald machen sich die Eheleute auf die Suche, begegnen dort unter anderem Rapunzel, Aschenputtel, Rotkäppchen und dem kleinen Hans. Und auch ein böser Wolf treibt hier sein Unwesen, gespielt von Johnny Depp.

Man kann es sowohl als Stärke als auch Schwäche des Films auslegen, dass er nicht ganz klar macht, an wen er sich in erster Linie richtet: Kinder oder Erwachsene. Zwar gibt es recht viel zu sehen und zu staunen auch für jüngere Kinobesucher, die versteckten Botschaften aber und der ironisch-moderne Blick auf den klassischen Märchenstoff, bis hin zu einer möglichen rein psychologischen Deutung (der dunkle, gleichsam hermetische Wald als Symbol für das menschliche Unterbewusstsein) dürften viele Kinder überfordern.

Etwas enttäuschend ist die wenig inspirierte und kaum innovativ zu nennende Bildgestaltung des teils fast kammerspielartig anmutenden Werks. Erklärbar ist das wohl auch durch das im Verhältnis zu ähnlich prominent besetzten Produktionen relativ niedrige Budget von "nur" rund 50 Millionen US-Dollar.

Kindern aber, denen der Sinn weniger nach Spezialeffekten und einer grell-bunten Farbpalette steht und die zudem offen sind für einen ungewöhnlichen Blick auf Rotkäppchen, Rapunzel und Co, sei diese Musical-Verfilmung, die mit schönen Gesangsparts und aus dem Original-Broadwaystück bekannten Liedern aufwartet, durchaus empfohlen. Meryl Streep etwa, die mit ihrer Hexe bei den diesjährigen Oscars in der Kategorie Nebendarstellerin antritt, schenkt uns gleich zu Beginn einige hübsche Wortspiele.

Keine Angst vor Kitsch

Im weiteren Verlauf sind es vor allem die skurrilen Auftritte von US-Beau Chris Pine (bekannt durch seine Rolle als Captain Kirk in "Star Trek"), die für Unterhaltung sorgen. So etwa in einem herrlich kitschigen, inmitten eines Wasserfalls ausgetragenen Gesangsduell. Dass ausgerechnet Johnny Depp in einer Märchen-Adaption mit einer nur kurzen und kaum überraschenden Performance aufwartet, gehört zu den Merkwürdigkeiten eines sich eindeutigen Kategorisierungen verweigernden Films.
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