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Polizeiruf 110: Die singende Simon

Maria Simon begleitet sich im neuen Polizeiruf 110 aus Brandenburg selbst auf der Gitarre. Bild: dpa

Die große Politik geht auch an Sonntagskrimis nicht spurlos vorbei. Der Regierungswechsel in Warschau könnte vielleicht Folgen für den "Polizeiruf 110" haben. Maria Simon zeigt derweil ganz neue Seiten.

Frankfurt/Oder. 15 Jahre nach dem Abschied der "Swinging Cops" Stoever und Brockmöller (Manfred Krug und Charles Brauer) vom "Tatort" könnte die ARD wieder einen singenden TV-Ermittler bekommen. Maria Simon (40) begleitet sich im neuen rbb-Polizeiruf 110 aus Brandenburg am Sonntag (20.15 Uhr, Das Erste) selbst auf der akustischen Gitarre. Als Kommissarin Olga Lenski stimmt sie hauchzart das Gute-Nacht-Lied "Einzigartig" für die kleine Tochter an.

Sporadische Einlagen


Simon würde solche Gesangsauftritte gern zum Markenzeichen ihres "Polizeirufs" machen, wie sie im dpa-Interview sagt. "Das wäre cool. Alle Zuschauer sollen schreien: Bitte, bitte, Olga! Immer einen Song! Dann mache ich das total gern." Einen Kommissar, der regelmäßig Lieder vorträgt, hat man am Sonntagabend in der ARD seit langer Zeit nicht mehr gesehen. Nur sporadisch traten etwa Ulrich Tukur oder Andreas Hoppe im Krimi ans Mikro; letzterer als Elvis, wie François Werner von der Fanseite "Tatort-Fundus" schildert. Im echten Leben hat Simon mit ihrem Mann Bernd Michael Lade die Band Ret Marut.

Die neue "Polizeiruf 110"-Folge "Der Preis der Freiheit" ist der zweite deutsch-polnische rbb-Krimi aus Frankfurt (Oder). Er wurde knapp vor dem Regierungswechsel in Warschau gedreht. Ob der Konsequenzen hat, ist noch unklar. Denn damit der Grenz-Krimi möglichst authentisch ist, hatten polnische TV-Redakteure die Krimi-Macher beraten. Ob sie das Projekt weiter begleiten? "Der rbb würde sich freuen, wenn die beratende Zusammenarbeit unter Kollegen erhalten bleibt", sagt rbb-Filmchefin Cooky Ziesche. "Davon gehe ich auch aus."

Ende 2015 wurde die Episode "Grenzgänger" sogar am selben Abend in beiden Ländern gezeigt. Auch die neue Episode soll im polnischen Fernsehen zu sehen sein. Man kann das als vielversprechendes Signal deuten. Wann "Der Preis der Freiheit" dort läuft, ist aber offen.

Worum geht es im zweiten Oder-Polizeiruf 110? Er beginnt mit einem Autodiebstahl, der ein blutiges Ende nimmt. Die junge Polizistin Katarzyna Ludwinek (Anna Ewelina) stirbt beim Zusammenstoß im Wrack. Unglücksfahrer Anton Shevshenko (Alexander Finkenwirth) flüchtet.

Doch nicht nur der junge Osteuropäer rennt im Morgengrauen durch die gottverlassene Gegend. Warum saß Katarzynas Streifenpartner Polizeikommissar Udo Lehde (Oliver Bröcker) beim schrecklichen Unfall nicht im Fahrzeug? Warum trottet er verschwitzt die dunkle Landstraße entlang und holt sein Polizeiauto erst ein, als es zu spät ist?

Olga Lenski und Kollege Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) stehen vor einigen Rätseln. Dass die Tote einen hohen Polizisten zum Vater hat, macht das Ganze nicht besser. Dann kommt auch noch eine merkwürdige Bürgerwehr den Ermittlern in die Quere. Einige Wendungen hat dieser Krimi, nicht jede kommt einem schlüssig vor. Doch fallen die guten schauspielerischen Leistungen und die schicke Kameraführung auf. Das märkische Oderland wirkt zuweilen wie ein Ort aus "Herr der Ringe".

Nicht lustig


Lucas Gregorowicz ist häufig auf dem Motorrad zu sehen. Trotz aller Lässigkeit - genossen hat er das nicht. "Motorradfahren vor der Kamera ist ein bisschen wie Sex vor der Kamera. Beides ist ungefähr gleich lustig", sagt Gregorowicz. "Man fährt im Schleichtempo, die Versicherung ist hinter einem her, man muss tausendmal anhalten und wenden. Das ist für den Motor nicht gut und für die Knie auch nicht."

Großartig fand er die Zusammenarbeit mit Maria Simon. "Jetzt ist es keine Frage mehr, ob man sich mag oder nicht. Man mag sich", sagt Gregorowicz (39). Ihm kommt es nun darauf an, dass er in seiner Rolle weiter "an Schrauben drehen kann", sagt er. "Von mir aus kann es gar nicht bekloppt, irre und unkonventionell genug sein. Natürlich muss man bedenken, dass es Leute gibt, die dieses Format lieben und schätzen und dass es Millionen sind und dass man den Leuten geben muss, was sie wollen. Und dass es da auch Grenzen des Formats gibt."
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