Mehr als nur eine Insel
Unterwegs auf Rügen

 
Die imposante Dorfkirche von Bobbin ist die einzige erhaltene Kirche auf Rügen, bei der überwiegend Feldsteine verbaut wurden. Errichtet wurde sie um das Jahr 1400. Im Friedhof hat man Findlinge zu Kunstwerken umgestaltet. Bilder: Moser (8)

Rügen ist nicht nur eine Insel. Das sind viele Inselchen, Halbinseln, dazwischen die Bodden, Buchenwälder, eine vielgestaltige Landschaft also, die immer wieder überrascht.

So einfach durchbrettern sollte man die gut 750 Kilometer aus der Oberpfalz nach Rügen nicht. Dafür liegen viel zu viel interessante Ziele am Weg. Erster Halt nach gut 300 Kilometern war Dessau-Wörlitz mit seinem Gartenreich. Nicht nur die Info, dass die Gärten seit 2000 Weltkulturerbe sind, hat uns hier her gelockt. Auch das Zitat aus einem Brief Goethes an Charlotte von Stein war es, wo er von unendlicher Schönheit schrieb.

Route der Backsteingotik


Bei Leitzen sind wir von der A 19 abgebogen, über Land gefahren, um einen Eindruck von der Mecklenburgischen Seenplatte und der Mecklenburgischen Schweiz zu erhalten. Auf der Deutschen Alleenstraße zuckelten wir gemütlich dahin. Erste Dorfkirchen in Backsteinbauweise und hölzernen Kirchtürmen tauchten auf, meist umgeben von parkähnlichen Friedhöfen mit windschiefen Grabsteinen. Nun zurück auf die A 19, um kurz vor Rostock auf die A 20 abzubiegen. Schließlich wollten wir die erste Nacht im VW-Bus am Meer verbringen, uns den Salzwind um die Nase wehen lassen.

Bei Stralsund ging es über die neue Brücke endlich ans Ziel, auf die Insel Rügen. Über Randin fuhren wir auf kleinem Landsträßchen weiter, vorbei am Kubitzer Bodden in die Gegend von Landow. An der Kirche entdeckten wir das Schild "Europäische Route der Backsteingotik" mit dem Hinweis, dass die Kirche aus dem 15. Jahrhundert stammt. Frühstück gab es im Pfarrgarten an der Kirchenmauer.

Der erste Morgen war an Idylle nicht mehr zu toppen. Der Schatten eines Reihers glitt über die Wiese des Kirchhofs, blühende Obstbäume, Vogelgezwitscher und an Bambusstäben wiegten sich Gedichte von Erich Fried, Rose Ausländer, Kurt Tucholsky und Ossip Mandelstamm im Wind. Der unbekannte Pastor hat hier einen Ort der Besinnung geschaffen und schließt den Wunsch an "Gottes Segen behüte und begleite dich!"

Berühmtes Gemälde


Nationalpark Jasmund muss sein, klingende Namen wie Königstuhl, Große Stubbenkammer oder Victoriasicht verlocken dorthin. Und an Caspar David Friedrich kommt man auch nicht vorbei. Nahe beim Nationalparkzentrum steht ein Replikat seines berühmten Gemäldes "Blick auf die Kreidefelsen" aus dem Jahre 1818, das als ein Hauptwerk der deutschen Romantik gilt.

"Als Klassiker und vielleicht schönste Wanderung auf Rügen" bezeichnet ein Reiseführer den Weg am Hochufer der Steilküste entlang. Durch mächtige Buchenwälder führt der Weg mit einem grün-weißen Teppich von Buschwindröschen und immer wieder fantastische Ausblicke hinunter auf die Ostsee mit ihrem smaragdgrün und aquamarinblau leuchtendem Wasser. Mehrere Treppen führen hinunter zum Strand und zurück wandert man über Sand und Kiesel unter den manchmal drohend überhängenden Kreideklippen zurück.

Prächtige Landsitze


Durch Alleen mit Kastanien, Hainbuchen und Eichen führte die Fahrt, ab und zu tauchten prächtige Landsitze und Schlösser auf. Sie sind meist gut restauriert, viele zu noblen Hotels umgewandelt. Ein Beispiel dafür ist Schloss Spyker in der Nähe von Bobbin auf der Halbinsel Jasmund. Die schwedische Königin Christine belehnte 1649 den Generalfeldmarschall Carl-Gustav von Wrangel für seine Verdienste im Dreißigjährigen Krieg mit Spyker. Dieser baute die wehrhafte Burg zum heutigen Schloss mit prachtvollen Stuckdecken um und ließ einen großzügigen Park anlegen. Eine noble Adresse, aber nicht ganz billig.

Entlang der Ostküste steuerten wir nun das Mönchsgut an. Im Naturschutzgebiet Zicker, das zum Biosphärenreservat Südost-Rügen gehört, erlebten wir eine unangenehme Überraschung. Myriaden von Mücken überfielen uns. Aber sie stachen nicht. Ein Führer erzählte uns, dass die Mückenplage nur zwei Wochen dauert, aber nicht jedes Jahr zur gleichen Zeit kommt. Auf den Anhöhen, immerhin fast 70 Meter hoch, wehte stürmischer Wind, bizarr gewachsene Huteichen, verkrüppelte Kiefern und Weißdornhecken prägten die Landschaft. Lichtflecken zogen über die Weiden, in der Ferne leuchteten Rapsfelder.

"Nizza des Ostens"


Am 1. Mai waren wir im Ostseebad Binz, das sich mit seiner Bäderarchitektur den Beinamen "Nizza des Ostens" verdient hat. Auf der Kurpromenade stolzierten in Biedermeiergewänder gekleidete Paare, es war ein Riesenbetrieb. Trubel sogar am Strand bei einer Lufttemperatur von 8 Grad und einer Wassertemperatur von 11 Grad. Erste Strandkörbe waren besetzt, die Besucher in Decken gehüllt und einige Mutige wateten barfuß durchs Wasser. Putbus war eines der nächsten Ziele. Die Stadt ist bis heute geprägt von klassizistischen Bauten, die kreisrund um einen Park mit Obelisken angeordnet sind.

Die größte Stadt der Insel, Bergen, stand nun auf dem Besuchsprogramm. Die Marienkirche ist der älteste Kirchenbau Rügens, schon um 1170 als romanische Kirche errichtet und Ende des 14. Jahrhunderts im gotischen Stil umgebaut. Von großem Seltenheitswert sind die Wandmalereien aus der Romanik im Chor, wo einem unter anderem die Höllenqualen sehr plastisch vor Augen geführt werden. Zum Abschluss durfte Stralsund nicht fehlen mit seiner Backsteingotik, wofür die Nikolaikirche, die Marienkirche und das Rathaus die besten Beispiele sind.

Viel zu früh hieß es Abschied zu nehmen. Und dies, ohne Hiddensee oder Zingst besucht zu haben. Nochmals kommen ist angesagt. Diesmal vielleicht im Herbst.

ServiceAnreise: Die Insel ist vom Festland über den Strelasund entweder über eine der zwei Brücken oder über die Autofähre "Stahlbrode - Glewitz" gut erreichbar. Gerade in den Sommermonaten stellt die Rügenfähre Stahlbrode-Glewitz eine große Entlastung zur Rügenbrücke und zum alten "Rügendamm" dar. Schon die Überfahrt ist für viele Urlauber ein Erlebnis. In den Monaten von April bis Oktober verkehren täglich im 20-Minuten-Takt die Autofähren über den Strelasund auf die Insel Rügen.
Weitere Informationen auf www.ruegen.de

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