Modellautos sind ein schönes Geschenk
Kleine Traumautos groß in Mode

Das Original dieses Rolls Royce Silver Wraith ist für die meisten unerschwinglich. Das 1:87 Modell von Wiking kostet hingegen nur 13,49 Euro. Bild: Wiking
 
Für die Garage ist der echte Valtra T174 vermutlich zu groß. Als Modell im Maßstab 1:32 von Wiking passt er sogar ins Regal. Die Anschaffungskosten sind mit 69,95 Euro überschaubar. Bild: Wiking

Matchbox und Hot Wheels lassen Kinderherzen höher schlagen. Erwachsene bekommen bei Herpa, Schuco, Wiking oder Bburago große Augen: Modellautos sind für jede Altersklasse interessant, in jeder Preisklasse zu haben und damit ein ideales Geschenk.

Modellautos können begeistern. Denn oft sind sie Projektionsfläche für Träume: Das eigene Traumauto im Kleinen besitzen, den ganzen Fuhrpark eines Herstellers im Wohnzimmer stehen haben. Die Preisspanne reicht vom einstelligen bis in den dreistelligen Bereich. Aber was kauft man - und wo? Welche Rolle spielt der Maßstab?

Jedes Jahr kommen rund 2500 neue Modellautos auf den Markt. "Das sind nur die neuen Modelle", betont Andreas Berse, Chefredakteur der Fachzeitschrift "Modellfahrzeug". "Deren Varianten, etwa die verschiedenen Lackierungen, sind nicht mit eingerechnet." Wie viele Modelle insgesamt auf dem Markt sind, ist fast unzählbar.

Ein guter Ausgangspunkt für das erste Modell ist deshalb die eigene Autovergangenheit. "Viele wollen die Autos im Regal stehen haben, die sie selbst gefahren haben", sagt Berse. Erlaubt ist außerdem, was gefällt. Nicht immer müssen die Modelle Originalautos nachempfunden sein: Es gibt auch Miniaturen von Gefährten aus Spielen wie "Mario Kart" oder Filmen wie dem Animations-Abenteuer "Cars". Diese sind aber nicht der Kern des Markts, sondern eher exotische Nischen.

Verschiedene Maßstäbe


Neben der Wahl der Marke des Modellautos spielt der Maßstab eine wichtige Rolle. Klein, kleiner oder richtig klein? Die Entscheidung ist eine Geschmacks- und Platzfrage. Berse hilft beim Eingrenzen: In Deutschland seien vor allem 1:87, 1:43 und 1:18 verbreitet. 1:87 ist wegen der Modellbahn-Tradition beliebt. Vielen ist der Maßstab darum eher unter der Bezeichnung HO bekannt. Die 1:87-Modelle sind rund vier bis fünf Zentimeter lang. Die 1:43-Modelle messen acht bis neun Zentimeter. Sie sind ein schöner Kompromiss, sagt Berse: "Nicht zu groß und trotzdem sehr detailreich."

Mit 20 bis 30 Zentimetern Größe sind Autos im Maßstab 1:18 bereits ein veritabler Platzfüller. "Diese Modelle lassen sich oft lenken, die Türen gehen auf und zu", beschreibt Berse. Modellbauer CMC, laut Berse der "Bentley unter den Modellautofirmen", baut in dem Maßstab Modelle, die aus bis zu 1500 Einzelteilen bestehen. "Das ist fast wie eine mechanische Uhr." Diese Modelle kosten mehrere Hundert Euro.

Der Preis ist aber nicht automatisch ein Indikator für Qualität: Hochwertige Modellautos können 10 oder 400 Euro kosten. Ein Vergleich anhand der Kosten ist nicht angebracht. "Das wäre wie Äpfel und Birnen vergleichen", so Peter Brunner, Produktmanager vom Hersteller Schuco in Nürnberg. Letztlich sei es eine Frage des Anspruchs.

Viele wollen die Autos im Regal stehen haben, die sie selbst gefahren habenAndreas Berse, Chefredakteur der Fachzeitschrift "Modellfahrzeug"

Die Herstellung qualitativ guter Modellautos ist immer ein aufwendiger Prozess. Beim Hersteller Herpa in Dietenhofen nimmt allein die Erstellung der Formen für die Bauteile sechs bis neun Monate in Anspruch. Die Firma bekommt dafür von den Autobauern die originalen Konstruktionspläne und plant auf deren Grundlage das kleine Modell, erklärt Herpa-Sprecher Daniel Stiegler.

Nach Originalplänen


Die meisten größeren Autofirmen arbeiten eng mit den Modellbauern zusammen. Das hat seinen Grund: "Natürlich sind die Unternehmen wie Audi, Porsche und Mercedes daran interessiert, dass zum Verkaufsstart ihrer neuen Modelle auch schon die Miniaturen erhältlich sind", sagt Berse. Ob ein Modellauto vom Autobauer lizensiert und nach originalen Plänen gebaut ist, zeigen kleine Lizenzaufkleber an den Verpackungen.

Auch wenn Laien nicht alle Nuancen einschätzen können: Die Verarbeitung eines Modellautos können sie vor dem Kauf prüfen. Sind die Bauteile ordentlich fixiert, ist die Lackierung durchgängig und frei von Fehlern? "Mit den Fingern fährt man über die Karosserie. Die Spalten zwischen Bauteilen sollten kaum zu spüren sein", sagt Berse. "Scheinwerfergläser und andere Anbauteile sollten keine Grate haben, die hervorstehen", ergänzt Brunner.
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