Oliver Masucci mimt den "Führer" in der Hitler-Satire "Er ist wieder da"
"Hitler" im 21. Jahrhundert

"Wer isn dette?" Die Jungs auf dem Parkplatz über dem einstigen Führerbunker in Berlin wundern sich, als ihnen ein scheinbar verwirrter Mann in abgerissener Nazi-Uniform entgegenkommt. "Er ist wieder da" ist die Verfilmung des gleichnamigen Sensationserfolgs von Timur Vermes durch Regisseur David Wnendt.

Doch Wnendt wäre nicht Wnendt, würde er die Vorlage nicht um einige Volten weiterdrehen. Zwar macht auch bei ihm der wiedererwachte Hitler eine atemberaubende Karriere als TV-Star, weil die Menschen ihn als einen begnadeten, politisch abgedrehten Comedian sehen. Doch der Film hält vor allem dem Publikum einen Spiegel vor. Er zeigt, wie das Deutschland von heute einen Hitler erneut aufnimmt, wie es sich von ihm wohlig aus der "Volksseele" sprechen lässt. Wenn irgendwo der Spruch noch passt vom Lachen, das einem im Halse stecken bleibt, dann bei dieser bitterbösen Satire. Mit Hauptdarsteller Oliver Masucci macht der Film eine Reise durch Deutschland und lässt ihn in voller Montur als Hitler-Double mit Menschen von der Straße sprechen.

Als würde der aufgeräumte "Führer" dem Volk die Scham nehmen, über verborgene Ängste zu sprechen, sprudeln Vorurteile, Fremdenhass und Politikverdrossenheit nur so heraus. Einmal etwa trifft A.H. auf einen Neonazi. "Mein Verständnis von Demokratie ist, dass einer ein Machtwort spricht und richtig auf den Putz haut", sagt der junge Mann. Und Hitler gibt zurück: "Genau das ist auch mein Verständnis von Demokratie." Auch in den fiktiven Geschichten geht es Wnendt um den Beweis, wie gut ein Adolf Hitler noch immer oder wieder bei uns ins System passt. Im Privatsender My TV erkennen Mitarbeiter Fabian Sawatzki (Fabian Busch), Abteilungsleiter Christoph Sensenbrink (Christoph Maria Herbst) und Programmchefin Katja Bellini (Katja Riemann), welches Marktpotenzial der "Spaßvogel" hat.

Am Ende fährt der "Führer" durch Berlin. Die Menschen am Straßenrand winken ihm zu. Nur einer zeigt den Mittelfinger. Echtes Szenario oder Horrorgemälde? Es lohnt sich, darüber nachzudenken.

___

Regie: David Wnendt - Mit Oliver Masucci, Christoph Maria Herbst, Katja Riemann - Musik: Enis Rotthoff - 110 Minuten - frei ab 12 Jahren - Im Internet: www.constantin-film.de/kino/er-ist-wieder-da.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.