Olympiaregion Seefeld
Das nordische Herz Mitteleuropas

"Der Langlaufsport hat in den vergangenen Jahren eine Renaissance erfahren." Zitat: Markus Tschoner, Tourismusdirektor

Es ist nur noch eine Frage von Tagen. Dann geht's wieder rund - auf den Loipen und den gewalzten Skaterpisten. Die Olympiaregion Seefeld wird auch in diesem Winter Zehntausende von nordischen Wintersportlern locken. Ein Oberpfälzer liebt diese Region über alles.

In der Sprache der Langläufer würde es wohl heißen: Sie sind ein bisschen aus der Spur gekommen. "Es war so Anfang der 2000er Jahre", erinnert sich Markus Tschoner. "Da haben wir den Spiegel vorgehalten bekommen." Das Tourismusgeschäft lief durchaus gut, aber irgendwie waren alle nicht zufrieden. Tschoner, Direktor für Tourismus in Seefeld, sagt: "Wir dachten, dass wir gut sind."

Heute sind sie im Norden Tirols längst wieder gut. Seefeld, die 3400 Einwohner zählende Gemeinde, und die umliegenden Orte sind längst das nordische Herz Mitteleuropas. Zugute kommt der sogenannten Olympiaregion, zu der auch Leutasch, Mösern, Reith und Scharnitz gehören, laut Tschoner auch ein Boom: "Der Langlaufsport hat in den vergangenen Jahren eine Renaissance erfahren." Das sieht man vor allem rund um das berühmte Seekirchl am Seefelder Ortsrand. Es wuselt nur so von Langläufern. Wo in anderen Skigebieten die kurzen Alpin-Skier die Szenerie beherrschen, sind es hier die ganz schmalen Langlaufbretter. - egal, ob solche fürs Skaten, den klassischen Diagonallauf oder fürs Cruisen.

Früher galt Langlaufen oft als langweilig, altbacken, die Spuren musste man oft selbst ziehen. Heute gibt es perfekt gewalzte Pisten und sauber gezogene Loipen. Die Infrastruktur ist vom Feinsten. "Wir setzen hier ganz klar auf die nordischen Disziplinen", erklärt Tschoner.

In Seefeld läuft auch die Sonne an vielen Tagen mit. Der Ort liegt auf einem Hochplateau, zum Süden hin geöffnet. Da fällt's einem leichter, sich ein bisschen zu schinden. Das neue Körperbewusstsein zieht die Leute ohnehin immer mehr in die Loipen und auf die gewalzten Strecken. 90 Prozent der Muskeln sollen beim Langlaufen beansprucht werden. Dabei, erzählt Tschoner, sei es egal, ob der sportliche Typ unterwegs sei oder ob einer einfach nur gemütlich dahinwandere.

Und dabei haben die Urlauber jede Menge Auswahl. "Wir haben hier 279 Kilometer an Loipen", sagt Tschoner stolz. Schön verteilt auf leichte, mittelschwere und auch ganz schön anstrengende Strecken. Es geht einfach mal, ideal zum Laufen, flach dahin. Andere nehmen den schweren Aufstieg zur Wildmoosalm. Möglichkeiten, sich danach zu erholen, gibt es in und um Seefeld herum genug.

Die kleine Fußgängerzone - 1985 die erste im Alpenraum - lockt zu einem gemütlichen Ausflug. Draußen am Olympia- und Kongresszentrum flitzen am Abend die Eisstöcke, Glühwein und Hochprozentiges wärmen. Alles ist entspannt. Halligalli, wie in anderen Wintersportorten, gibt's hier allerdings nicht. "Wir sind sicher keine Party-Destination", beschreibt der Tourismus-Boss das Ambiente. Seefeld hat sich den Charme und auch die Ausstrahlung eines klassischen Wintersportorts wie St. Anton oder Kitzbühel bewahrt.

Um diesen Status zu halten, muss einiges investiert werden. Bis zu 100 000 Euro jährlich stecken sie in Seefeld und Umgebung in die Loipenpflege. Die Nutzungsgebühren sind aber sehr niedrig. Mit Gästekarte kostet ein Tagesticket drei Euro. Das Loipennetz sei total ausreichend, sagt Tschoner. "Wir setzen auf Qualität, nicht auf Quantität."

Seefeld hat seinen Ruf aber auch den fünf Ringen zu verdanken. Als im 30 Kilometer entfernten Innsbruck die Jugend der Welt 1964 und 1976 zu den Olympischen Winterspielen anreiste, wurden in Seefeld die nordischen Wettbewerbe ausgetragen. Am südlichen Ortseingang sind an Erinnerungstafeln die Namen der Medaillengewinner verewigt. Der olympische Geist weht durch den Ort. Es gibt ein kleines Olympiamuseum, und nicht umsonst wurde, als man einen Marketingnamen für den Ortsverbund suchte, der Titel Olympiaregion gewählt. Ihren legendären Ruf hat die Tiroler Gemeinde nahe der deutschen Grenze auch von der nordischen Ski-WM 1985.

"Ohne diese Wettbewerbe wäre Seefeld nicht das, was es heute ist", erläutert Tschoner. Einen festen Platz im Weltcup-Kalender der nordischen Kombinierer hat auch das Seefeld-Triple. An drei Tagen geht es bei drei verschiedenen Wettbewerben um den Sieg. Einer liebt diese Veranstaltung besonders: Eric Frenzel, der Gesamt-Weltcupsieger aus Flossenbürg (Kreis Neustadt/WN) räumt hier regelmäßig ab. Auch zuletzt feierte er drei Siege an drei Tagen. Auch zum Training kommt der Wahl-Oberpfälzer oft nach Seefeld.

Im Jahr 2019 wird hier die nordische Ski-WM ausgetragen - Frenzel wird's riesig freuen.

Der Langlaufsport hat in den vergangenen Jahren eine Renaissance erfahren.Markus Tschoner, Tourismusdirektor
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