Paul Pfab ist seit fast 65 Jahre aktiv im Vereinsleben
Ein Leben für das Fechten und den TV Amberg

"Die eleganteste Figur im Saale war der Amberger Paul Pfab, der keinen seiner vier Kämpfe verlor. Seine brillante Technik riss die zahlreichen Zuschauer immer wieder zum Applaus hin." So berichtet die Amberger Zeitung 1950 über einen der ersten Wettkämpfe der Fechtmannschaft des TV 1861 Amberg, die aus diesen fünf Herren besteht (von links): Paul Pfab, Dieter Mampell, Helmut Druschkowitsch, Günther Schubert und Karl Treiß. Bilder: privat (2)
 
Mit 85 Jahren steht Paul Pfab noch jeden Montag in der Halle und gibt "seinen" Fechtern Anweisungen. Bild: ref
Bescheidenheit ist eine seiner Tugenden: „Stellen Sie mich nur nicht in den Vordergrund“, sagt Paul Pfab (85). Das gelingt aber nicht bei jemanden wie ihm, der sich über Jahrzehnte mit Engagement „seiner“ Sportart und „seinem“ Verein widmet wie kaum ein Zweiter. Paul Pfab hat 1949 die Fechtabteilung des TV Amberg gegründet, ist seit 1950 bis zum heutigen Tag Abteilungsleiter, war Fechtwart, Trainer – und steht noch jeden Montag ab halb sieben am Abend in der Halle der Albert-Schweitzer-Schule. „Wenn ich aufhöre, dann sieht es schlecht aus.“ Aber noch denkt er nicht ans Aufhören.

Fechten und Paul Pfab, das gehört beim TV Amberg zusammen, das ist eine Familie, und die Familie Pfab gehört zum TV. „Wir Fechter haben jeden Montag nach dem Training unseren Stammtisch, das ist ein Teil unserer Stärke. Da zeigt sich unsere Verbundenheit“, sagt Frau Gudrun (75). Paul Pfab lernt sie in den 50er Jahren bei einer deutschen Meisterschaft im Fechten (wo sonst) kennen. Er, x-facher bayerischer Meister mit allen drei Waffen (Degen, Florett, Säbel), Vierter der deutschen Meisterschaft 1957, und sie, ebenfalls eine exzellente Fechterin aus dem Rheinland – da liegt es nahe, das ihre beiden inzwischen erwachsenen Kinder Heike und Jörg auch erfolgreiche Fechter werden. „Ich bin mit Kinderwagen und Säugling zur bayerischen Meisterschaft gefahren. Da hat der damalige Präsident des Verbandes den Kleinen während meines Kampfes auf dem Arm gehalten, bis ich fertig war“, erzählt Gudrun Pfab.

In der Luitpoldhütte in Amberg fängt Paul Pfab 1943 als „Stift“ an und arbeitet sich zum Prokuristen und Produktionsleiter für Maschinen- und Apparatebau hoch. Parallel dazu gehört seine Leidenschaft immer dem Fechten und dem Vereinsleben des TV Amberg. 1952/53 übernimmt er das Amt des Faschingsprinzen der Narhalla Amberg, die Fechtabteilung richtet den Fechterball aus, es ist der Anfang der „Maskierten Turnstunde“ des Hauptvereins. Gesellschaftliche Unternehmungen, Wanderungen, Ausflüge – immer ist die Familie Pfab dabei. Elternabende oder Fechtersitzungen sind nicht trockene Treffen, sondern oft „aufgelockert mit humoristischem Einschlag“. Und: „Die Geburtstage der Fechter feiern wir immer zusammen, auch heute noch“, erklärt Gudrun Pfab.

Sportliche Erfolge bleiben ebenfalls nicht aus. Die Abteilung unternimmt 1953 ihre ersten großen Turnierreisen nach Österreich. 1955 gewinnt die Degenmannschaft mit Paul Pfab an der Spitze erstmals den Titel des bayerischen Mannschaftsmeisters – und verteidigt ihn fünf Jahre lang. „Das waren unsere größten Erfolge“, erinnert sich Pfab. Die zweite gute Phase kam in den 70ern – als neben anderen auch Heike und Jörg Pfab reihenweise Titel abräumen.

Immer zwischen 20 und 40 Mitglieder zählt die Fechtsparte des TV Amberg, Hunderte von Fechtschülern haben Paul Pfab und seine Frau im Laufe der Jahrzehnte ausgebildet. Seine erste Waffe ist das Florett, auf Lehrgängen in München-Grünwald bildet er sich fort und erlernt den Umgang mit Degen und Säbel. Sein letztes Turnier trägt der Amberger „Grandseigneur“ des Fechtsports 1982 aus. Eine Stimmbandlähmung (Pfab: „Ich habe schlecht Luft bekommen“) zwingt ihn zum Aufhören – mit den Wettkämpfen.

Die Klinge lässt ihn dennoch nicht los: „Er hat etwas gesucht, wenn er in Rente ist“, erklärt Gudrun Pfab. Jetzt schnitzt er und hat dazu extra in Tirol Kurse besucht. „Aus Vollholz“, sagt Paul Pfab. Eine Krippe hat er schon angefertigt, die letzten Stücke gehören zu einer Engelskapelle. Seit ein paar Jahren darf er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr fechten. Was ihn nicht davon abhält, jeden Montag in der Halle Anweisungen zu geben: „Ich korrigiere die Beinarbeit und gebe Ratschläge.“ Seine zehn Jahre jüngere Frau Gudrun hat Gleiches nicht vor: „Ich will nicht der Johannes Heesters der Fechtabteilung werden. Es reicht, wenn mein Mann das ist.“
Weitere Beiträge zu den Themen: Mein Verein und ich (35)Februar 2014 (8843)
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