Schönheit für die Strada del Sole
Fahrbericht Alfa Romeo Giulietta Veloce

240 PS, eine Spitze von 244 km/h und den Standardsprint in sechs Sekunden: die Giulietta Veloce ist das Top-Modell der mittleren Baureihe von Alfa Romeo. (Foto: Thomas Schaller)
 
Alcantara, Leder, Alu-Pedalerie und Instrumente in Tuben: Alfa hat ein Herz für Sportfahrer.

„Dann is er no antanzt mi’n Alfa Romeo. Z’erscht hab i’no ausglocht, und jetzt steh’ i schee do“. Schon Rainhard Fendrich erfuhr laut seinem Song „Strada del Sole“, dass Alfisti nicht zu unterschätzen sind.

Alfa wirkt, und das gilt auch nach Jahrzehnten der – gelinde gesagt – nicht so glücklichen Modellpolitik. Aber jetzt wird ja alles besser: Die neue Giulia heimst Lob ein, und auch ihre kleine Schwester Giulietta fährt im Windschatten des Erfolgs mit. 2010 präsentiert, wurde der Kompaktwagen 2013 überarbeitet und jetzt nochmals face-geliftet. Er kommt schärfer, frischer, moderner daher. Da greifen wir doch gleich zum Spitzenmodell „Veloce“, denn ein bisschen Spaß muss sein, um mit einem anderen Hitparadenstürmer früherer Jahre zu sprechen.
Ach Unvernunft, wie heiß berührt uns dein Atem. Der Lack in Rosso Competizione (Machen Sie eine typische italienische Handbewegung, wenn sie das aussprechen!), die Sitzbezüge in Veloce Nero (trinken Sie ein Glas Roten!), der Klang des Motors: zum Hinknieen! Merken Sie was? Beinahe hätten die Italiener es wieder geschafft, uns einzulullen, so wie im WM-Finale 1982, als sie uns den Titel wegschnappten.

Es rupft und zupft

Nicht mit uns: Der Blick nach hinten ist eine Zumutung, das serienmäßige Doppelkupplungsgetriebe rupft und zupft beim Anfahren, und das Lenkrad ist zu groß. Es gibt kein Start-Stopp-System, der Navi-Bildschirm ist mit 6,5 Zoll eher klein, und auch mit modernen Assistenzsystemen hat die Italienerin nicht viel am Hut. Dazu kommen teils monochrome und schlecht abzulesende Anzeigen und wie hingepappt wirkende Anbauteile, zum Beispiel die für die Aufnahme von Speicherkarten auf der Mittelkonsole.
Wird das echte Fans jucken? Vermutlich nicht. Die Giulietta Veloce liegt satt auf der Straße, bringt trotz Frontantriebs ihre Kraft gut auf den Asphalt und liefert präzise Rückmeldung. Die Sportsitze bieten sehr guten Seitenhalt. Dieser Alfa ist ein fahraktives Auto vom Schlage eines Seat Leon Cupra oder Ford Focus ST, also nichts für kühle Rechner. Giulietta ist auf charmante Weise unperfekt, aber unglaublich schön. Schauen Sie sich mal die roten Bremssättel an oder diese nonchalante Art, wie sie das Nummernschild vorne hinschrauben, als hätten die Designer den Platz dafür vergessen – so als führe man im Süden noch immer mit diesen schwarzen Mini-Dingern an der Front herum.
Ein wenig praktisch ist der Alfa dann doch. Hinten lässt es sich sitzen (Ja, er hat dort auch Türen, auch wenn sich der Griff traditionell im Fensterrahmen versteckt), und auch der Gepäckraum weist übliches Golf-Klassenformat auf. Der Veloce startet bei 33 350 Euro in der Preisliste, unser Testwagen bringt es auf fast 42 000 Euro. Das geht vielleicht noch, aber der Spritverbrauch von rund 10 Litern: „Des is a Skandale!“


DatenblattAlfa Romeo Giulietta Veloce: Pkw der sportlichen Kompaktklasse, 5 Türen, 5 Sitze

Antrieb: Vierzylinder, Benziner, 1742 ccm, 240 PS, max. Drehmoment 300 Nm bei 1800 U/min, Euro 6, Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe, Frontantrieb

Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 244 km/h, Beschleunigung 0-100 km/h 6,0 sec., Testverbrauch 9,5 l, Tankinhalt 60 Liter

CO2-Emission: 157 g/km (bei Normverbrauch von 6,8 l), Effizienzklasse D

Maße und Gewichte: Länge 4351 mm, Breite 1798 mm, Höhe 1465 mm, Leergewicht 1395 kg, Zuladung 460 kg, Kofferraumvolumen 360-1045 Liter, Anhängelast 1000 kg (gebremst)

Preis: 33 350 Euro (Grundpreis), 41 970 Euro (Testwagen) (ma)
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