Spaghetti-Western für Asphalt-Cowboys
Fahrbericht Jeep Renegade Trailhawk 2.0 MultiJet

Ecken und Kanten sind beim Jeep Renegade durchaus gewollt. Der kleine Bruder von "Wrangler und Co." bringt zwar alle Voraussetzungen für den Ritt im tiefen Geläuf mit, wird aber meist auf Asphalt aufgaloppieren. (Foto: FCA)
 
(Foto: FCA)

Spaghetti-Western für Asphalt-Cowboys

Von Berthold Zeitler

Was auch immer sich die Marketingstrategen bei der Namenswahl gedacht haben, ein "Abtrünniger" ist der Renegade nun wirklich nicht. Vielleicht eher noch ein "Überläufer", der den Weg des kleinsten Jeeps vom beinharten Ur-Willys zu einem modernen SUV markiert. Das hat zwar 75 Jahre gedauert, wird aber in der Verkaufsstatistik mit einem Rekord nach dem anderen belohnt.

Crossover heißt das Zauberwort, wenn automobile Welten verschmelzen sollen. So mimt der Renegade also den Kompakt-Kraxler mit Kultpotenzial. Der in Melfi gebaute Italo-Amerikaner basiert zwar weitgehend auf dem Fiat 500 X, nimmt sich aber rein optisch Anleihen von den Geländebrüdern "Wrangler und Co.". Ecken und Kanten sind also gewollt. Und der unverwechselbare Kühlergrill mit seinen sieben Streben findet sich in allerlei stilistischen Abwandlungen ebenso im Innenraum wieder wie die kreuzförmige Signatur des Reservekanisters, die schon den allerersten Jeep geziert hat und sich nun in den Rückleuchten entdecken lässt.

Den Innenraum haben die Fiat-Chrysler-Leute aufgepeppt. Schließlich soll jugendliches Publikum auf den Renegade abfahren. Da fühlt man sich auf Anhieb wohl und - vor allem - auch schnell zurecht. Das angenehme Ambiente, farblich abgesetzte Nähte im durchaus komfortablen Ledergestühl und wertig anmutende Applikationen machen den Geländegänger in dem Punkt zum Softie. Der Kofferraum lässt sich leicht beladen, der herausnehmbare sowie in der Höhe verstellbare Zwischenboden sorgt dafür, dass auch umfangreiche Sport- oder Hobby-Ausrüstung ihren Platz findet.

Wie viele andere dieser Spezies ist auch der Spaghetti-Western eher Großstadt-Indianer und Asphalt-Cowboy denn Prärieläufer. Dabei hat der Renegade alle Zutaten an Bord, um auch wirklich extremes Gelände zu meistern. Im normalen Fahrbetrieb ist der kleine Jeep ein Fronttriebler. Im Hintergrund aber lauert ein System, das bei Bedarf blitzschnell die Hinterachse zuschaltet und das Drehmoment an den Rädern den Traktionsverhältnissen anpasst. Dabei kann der Fahrer auch noch fünf Fahrmodi vorwählen. Für den Alltag am besten beraten ist er wohl mit "Auto", aber auch "Sport", "Schnee", "Sand und Schlamm" oder "Fels" bietet das Selec-Terrain-System an. Bodenfreiheit, Wattiefe und Böschungs- und Rampenwinkel heben den Renegade über Stock und Stein. Dazu gesellt sich in der von uns gefahrenen Top-Version Trailhawk eine Heerschar von Assistenten, die unter anderem auch ESC mit elektronischer Überschlagsvermeidung, Rückfahrkamera, Kollisionswarnung, Spurhalteassistent und Tempo-Kontrolle mit Abstandssensor umfasst.

Per Knopfdruck zum Leben erweckt, arbeitet der Selbstzünder nach ein paar Warmlaufrunden angenehm ruhig und unauffällig. Das gilt auch für das im Alltag eher zu Komfort neigende Fahrwerk und die in dieser Klasse wohl einmalige Neun-Gang-Automatik von ZF. Auch flotte Kurven meistert der "Abtrünnige" problemlos. Auf der Autobahn gefällt er mit einem tadellosen Geradeauslauf. Und mit dem Tempomat auf Kurs gebracht, lassen sich für ein 170-PS-Auto bemerkenswerte Verbrauchswerte erzielen. Der "Tausendsassa", wie man Jeep auch übersetzen kann, ist ein sympathischer Zeitgenosse, der auch Menschen anspricht, die mit automobilem Macho-Gehabe nichts am Hut haben

DatenblattJeep Renegade Trailhawk: SUV der Kleinwagenklasse, 5 Türen, 5 Sitze

Antrieb: Vierzylinder, Common-Rail-Turbodiesel, 1956 ccm, 170 PS, max. Drehmoment 350 Nm bei 1750 U/min, Euro 6, ZF-Neungang-Automatik, Frontantrieb mit automatisch zuschaltbarem Allrad, Start-Stopp-System,

Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 196 km/h, Beschleunigung 0-100 km/h in 8,9 sec., Testverbrauch 6,9 l,Tankinhalt 48 Liter

CO2-Emission: 155 g/km (bei Normverbrauch von 5,9 l), Effizienzklasse C

Maße und Gewichte: Länge 4259 mm, Breite 1805 mm, Höhe 1727 mm, Leergewicht 1610 kg, Zuladung 470 kg, Kofferraumvolumen 351-1297 Liter, Böschungswinkel vorne 29 Grad, Rampenwinkel 25,7 Grad, Bodenfreiheit 210 mm, Wattiefe 220 mm, Anhängelast 400 kg (1500 kg gebremst)

Preis: 33 500 Euro (Grundpreis), 37 360 Euro (Testwagen) (bz)
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