Stadtverwaltung von Palma de Mallorca erlässt Sonderregeln für Touristen
Geldstrafe für „Eimersaufen“

Palma de Mallorca will noch attraktiver werden: Alkohol-Exzesse von Touristen passen nicht ins Stadtbild. Bild: dpa
 
Trinkgelage am Ballermann werden verboten. Bild: dpa

Am Ballermann wird es doch kein Comeback der Gemeinschaftsbesäufnisse aus den ominösen blauen Sangría-Eimern geben. Nach der Aufhebung von umstrittenen Benimmregeln durch ein Gericht hat die Stadtverwaltung von Palma reagiert: Für Saufgelage soll es hohe Geldstrafen geben.

Palma de Mallorca. Ein Aufatmen gibt es in Palma de Mallorca – und insbesondere am berühmten Ballermann. Kurz vor dem ersten großen Touristenansturm zu Ostern hat Palmas Stadtverwaltung am Dienstag beschlossen, für Saufgelage in den Problemgegenden des Stadtbezirks Geldstrafen zu verhängen. Das "Mallorca-Magazin" nennt diese "horrend": Mit 1500 bis 3000 Euro sollen diejenigen zur Kasse gebeten werden, die beim Alkoholtrinken künftig über die Stränge schlagen.

Mehrere Gemeindegebiete - darunter auch weite Abschnitte der Playa de Palma mit ihrer berühmten Vergnügungsmeile - werden zu "Interventionszonen im Kampf gegen öffentliche Saufgelage" erklärt. "Diese Maßnahme ist sehr willkommen", sagt Bernat Coll, der Präsident des Handelsverbandes Pimeco. Es sei klar, dass "es auf unseren Straßen ein Sicherheitsproblem gibt".

Mit der Einführung der Sonderregelungen reagiert die seit 2015 amtierende sozialistische Stadtregierung auf ein Gerichtsurteil, das große Sorgen geweckt hatte. Das Obere Gericht der Balearen hatte vor einigen Wochen die 2014 eingeführte "Verordnung für ein zivilisiertes Zusammenleben" gekippt. Der Benimm-Katalog hatte neben Trinkgelagen wie dem "Eimersaufen" auch Lärmbelästigung, das Tragen von Badekleidung abseits der Strände, das öffentliche Pinkeln und Spucken sowie "aggressives Betteln" bei Bußgeldern bis 600 Euro unter Strafe gestellt. 18 000 Verfahren wurden eingeleitet.

Höheres Preisniveau


Die Offensive im Sinne der Urlaubsqualität wird in der vor allem von deutschen Touristen besuchten Strandregion seit Jahren unter anderem mit dem Bau von Hotels der gehobenen Preisklassen forciert. "Es gibt keine andere Lösung. Entweder man setzt der Kleinkriminalität Grenzen und zivilisiert den hiesigen Partytourismus, oder wir werden alle zusammen ein schlechtes Ende nehmen", warnte der Chef des Hotelverbandes der Playa, Francisco Marín, in der "Mallorca Zeitung". Die Trinkexzesse mögen künftig eingeschränkt werden. Das Hin und Her um das "zivilisierte Zusammenleben" am Ballermann ist aber sicher lange noch nicht vorbei.

Mallorca, mit gut 3600 Quadratkilometern größte Insel der Balearen, ist eines der beliebtesten Ferienziele im gesamten Mittelmeerraum. Etwa vier Millionen Deutsche verbringen dort pro Jahr ihren Urlaub, mehr als Briten und Spanier. Rund 40 Prozent der Insel, die 550 Kilometer Küste hat, stehen unter Naturschutz.

Neben Stränden und Buchten lockt das Tramuntana-Gebirge mit mehr als 1400 Meter hohen Gipfeln. Mehr als die Hälfte der rund 600 000 Einwohner leben in der Hauptstadt Palma de Mallorca, dem Verwaltungszentrum und wichtigsten Hafen der Insel. Schon im 19. Jahrhundert war die Insel ein beliebtes Ziel für den Fremdenverkehr, zunächst vor allem für die spanische Oberschicht, später zunehmend auch für britische Touristen.

Mit der Entwicklung des Charterflugverkehrs Ende der 1950er Jahre begann der Massentourismus. Bevor dieser zum zentralen Motor der einheimischen Wirtschaft wurde, lebten die Inselbewohner vor allem von der Landwirtschaft.
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