"Taxi Teheran": Trotz Berufsverbots dreht iranischer Regisseur prämierten Film
Rebell hinterm Lenkrad

Regisseur Jafar Panahi trotzt seinem Berufsverbot. Er lenkt seinen Film eben vom Fahrersitz eines Taxis aus. Das gelingt. "Taxi Teheran" nahm im Februar Kurs auf die Berlinale und erhielt prompt den Goldenen Bären. Bild: Weltkino Filmverleih/dpa
Jafar Panahi ist einer der bekanntesten Regisseure seiner Generation aus dem Iran. Er feiert international immer wieder Erfolge und gewann bereits zahlreiche Auszeichnungen. Seinem Regime in Teheran ist der 55-Jährige jedoch ein Dorn im Auge - wegen Kritik an der Regierung wurde er 2010 zu sechs Jahren Haft und zu einem 20-jährigen Berufs- und Ausreiseverbot verurteilt.

Geschmuggelte Doku

Doch das hält Panahi nicht auf. Schon seine Doku "Dies ist kein Film" schmuggelte er auf einem USB-Stick in einem Kuchen aus dem Land. Nun hat er erneut einen Film gedreht. Im Verborgenen, aber voller Humor und Lebensfreude. Dafür gab's bei der Berlinale den Goldenen Bären für den besten Film.

Zunächst ist dabei noch unklar, ob "Taxi Teheran" eine Dokumentation oder fiktive Geschichte ist: In einem Taxi ist eine Kamera installiert, die aus der Windschutzscheibe nach vorne gerichtet ist. Szenen aus Teheran rauschen vorbei, der trubelige Verkehr, Männer und Frauen, die die Straßen überqueren. Einblicke in den Alltag einer isolierten Stadt.

Bald darauf sitzen die ersten Fahrgäste im Taxi, die Kamera wird entdeckt und ins Wageninnere gedreht. Am Steuer sitzt Panahi selbst, der seine Gäste in knapp eineinhalb Stunden quer durch Teheran fahren wird. Dem Regisseur gelingt es dabei, ein vielschichtiges Kaleidoskop der Gesellschaft zu entwerfen. Seine ersten Gäste etwa diskutieren erhitzt über die Todesstrafe. Schreckt sie Kriminelle wie Räuber tatsächlich ab, wie es von offizieller Seite heißt? Oder sollte man nicht besser versuchen, die Ursachen zu beheben, zum Beispiel Armut bekämpfen?

Panahi, der selber nicht zur Berlinale kommen konnte, spricht dabei zahlreiche Themen an. Als etwa ein schwerverletzter Mann blutend auf seiner Rückbank liegt, diktiert er Panahi sein Testament ins Handy - denn seine Frau hätte wohl kaum Chancen auf sein Erbe, weil Männer in der Gesellschaft schlichtweg einen besseren Stand haben.

Stark eingeschränkte Mittel

Große und drängende Probleme greifbar machen, das gelingt Panahi bei all dem scheinbar spielerisch. Oft erzählt er sogar fast nebenbei von ihnen, wie zum Beispiel von Straßenkindern oder Familien in Not. Wie viel künstlerische Freiheit er sich aber trotz seiner stark eingeschränkten Mittel erarbeitet, ist beeindruckend.

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Regie: Jafar Panahi - 82 Minuten - frei ab 0 Jahren - Im Internet: www.taxi.weltkino.de
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