Tipps für bessere Kinderfotos
Eine Frage der Perspektive

Auf Augenhöhe: Die schöneren Kinderfotos entstehen, wenn man die Perspektive angleicht und nicht nur von oben herab fotografiert. Bild: Silvia Marks/dpa
 
Smartphones sind fast immer griffbereit, stoßen aber gerade bei schlechten Lichtverhältnissen schneller an ihre Grenzen als bessere Kameras. Bild: Silvia Marks/dpa

Schlafende Babys oder Kinder beim Spielen, am Strand oder vor dem Weihnachtsbaum: Diese Motive hat jeder im Familienalbum - nur eben mehr oder weniger gut. Doch mit ein wenig Körpereinsatz und Know-how kann fast jeder Kinder meisterlich fotografieren.

Frankfurt/Berlin. Wie niedlich, vor allem die eigenen: Klar, dass Mama, Papa oder Tante die ersten Lebensjahre des Nachwuchses als Fotos verewigen müssen. Oft mit dabei: Unschärfe, verschwommene Schemen, Überbelichtungen oder rote Augen. Das muss nicht sein, auch wenn Kinder wahrlich keine leichten Fotomotive sind. Damit die Betrachter auch nach Jahren noch in Foto-Verzückung geraten, braucht es Geduld, Beweglichkeit, Humor und etwas Technik.

Die Ausrüstung zuerst: Wie die meisten Fotomodelle mögen es auch Kinder nicht, wenn man ihnen zu dicht auf die Pelle rückt. Tele- oder leichte Zoomobjektive helfen, Abstand zu wahren. Hier geraten auch Handys an ihre Grenzen: "Smartphones sind als ,Immer-dabei-Kamera' super", sagt Constanze Clauß vom Photoindustrie-Verband. Technisch geraten sie aber schnell an ihre Grenzen. Übers Display ist es zudem oft schwierig, den passenden Bildausschnitt zu finden. "Wer einen Sucher hat, sollte den auch benutzen", rät daher Simone Voggenreiter, Fotografin aus Nürnberg. Die Bilder verwackeln dann auch nicht so schnell. Wer Kinder fotografiert, muss beweglich sein. "Auf die Knie", rät Voggenreiter. Fotos auf Augenhöhe haben natürlichere Proportionen und wirken authentischer. Und da Kinder selten still dastehen, ist Aktion gefragt. Die Fotografin empfiehlt zudem kurze Belichtungszeiten und die Serienbildfunktion der Kamera - auch wenn man so viel Ausschuss produziere: "Das machen auch die Profis so."

Damit die Lichtverhältnisse stimmen, finden geplante Shootings am besten draußen bei gleichmäßigem Licht oder innen in der Nähe eines Fensters statt. Bei schlechten Lichtverhältnissen müsse der Iso-Wert mindestens auf 400, besser auf 800 hochgesetzt werden, erklärt Porträtfotografin Vanessa Hermann aus Telgte bei Münster. Mit Blitzlicht sollte man eher sparsam umgehen. Denn die Bilder verlieren bei direktem Blitz von vorne, wie er in den meisten Kameras verbaut ist, jegliche Tiefe und Atmosphäre. Außerdem reagieren Kinder schnell widerwillig auf das grelle Licht. Wenn es nicht anders geht, hilft ein Vorblitz, um rote Augen zu verhindern. Schöner Effekt: "Kinder draußen bei Gegenlicht mit Aufhellblitz fotografieren", erklärt Hermann. Wer darüber hinaus Blende und Belichtungszeit spielerisch einsetzt, erreiche langsam immer bessere Ergebnisse.

Nicht mit der Brechstange


Spielerisch sollte es auch beim Shooting selbst zugehen. "Je gelassener man selbst ist, desto besser ist die Stimmung", weiß Fotografin Hermann. Sprüche wie "Guck mal nicht so doof" bewirken meist das Gegenteil. Besser ist es, Kinder in Alltagssituation zu fotografieren, mit ihnen zu spielen und eher nebenbei zur Kamera zu greifen.

Wer die Ergebnisse hin und wieder auf dem Display zeigt, sichert sich volle Aufmerksamkeit: "Für Kinder ist es immer spannend, wie ihr Bild in die Kamera kommt", sagt Simone Voggenreiter. Um die Situation aufzulockern, helfen Spielzeug oder Accessoires. Lieblingsspielzeug wie der neue Bagger oder ein Kuscheltier können das Bild ebenso bereichern wie Luftballons oder Nikolausmützen. Aber Vorsicht: Wer es übertreibt, lenkt zu sehr vom eigentlichen Motiv ab. Für schüchterne Kinder gibt es übrigens eine unterhaltsame Lösung: Lensbuddies, Figuren oder Motive, die man am Objektiv anbringen kann, lenken von dem ungewohnten Apparat ab und lockern die Stimmung. Ein Helfer hinter oder neben der Kamera kann ebenfalls für Ablenkung sorgen.

Mit Größen spielen


Um den Bildern das gewisse Etwas zu geben, können Fotografen mit den Größenverhältnissen ihrer Modelle spielen. "Stellt man das Kind zum Beispiel vor oder neben die Eltern, wird der Größenunterschied deutlich", erklärt Vanessa Hermann. Die Vogelperspektive, ein überdimensionaler Teddy neben dem winzigen Säugling oder die Hände der Eltern betonen ebenfalls den Größenunterschied. Wer dagegen Kinder auch einmal von unten fotografiert oder sie auf die Schultern eines Elternteils setzt, erzielt den gegenteiligen Effekt.

Constanze Clauß schlägt vor, Kinder möglichst regelmäßig zu fotografieren, mindestens einmal im Monat. Erstens gewöhnten sie sich an die Prozedur, zweitens hätten sie so später schöne Erinnerungen - und zwar nicht nur an Taufe, Geburtstag oder Einschulung als Standard-Motive. Mit vier bis fünf Jahren könnten Kinder Fotosessions auch aktiv mitgestalten und vielleicht auch schon einmal selbst die Kamera in die Hand nehmen, sagt Clauß: "Sie werden erstaunt sein, was da alles herauskommen kann".
Je gelassener man selbst ist, desto besser ist die Stimmung.Venessa Hermann, Fotografin, über das Fotografieren von Kindern
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