Über Lust und Frust, mit Hilfe von Satellitentechnik nach Tupperdosen zu suchen
Moderne "Schatzjäger"

Amberg/Weiden. Man wird schmutzig, legt einsam oder in kleinen Gruppen kilometerlange Wege zurück und Zecken sind der „beste Freund“. Die Lust an einem neuen Spiel hat die Menschen gepackt: Geocaching.

„Eigentlich bin ich eher bewegungsfaul, berichtet „vielweib_kr“, „aber mit geocaching komm ich richtig in Bewegung.“. Es ist üblich, sich in der "Szene" einen eindeutigen Kunstnamen zu geben, um auf einem der Datenbank-Portale ein Profil anlegen zu können und damit Zugang zur Liste der Versteckkoordinaten zu bekommen. "vielweib_kr", eine 42-Jährige aus dem Raum Krefeld, blickt zurück auf ihre Zeit mit der satellitengestützten Schatzsuche. Seit 2009 ist sie „selten allein“ unterwegs auf der Suche nach Dosen, Kisten und Verstecken.


vielweib_kr. Bild: privat

Nach einem kurzen und eher „enttäuschendem ersten Versuch mit einem IPhone3“ machte sich die Krefelderin auf die Suche nach Unterstützung und hat mit Hilfe von Twittermeldungen Geocacher aus der Umgebung gefunden. Und auch einen Cachíng-Stammtisch besucht. "vielweib_kr" empfiehlt allen Neueinsteigern, sich auch bei solchen Veranstaltungen zu informieren, um die Regeln und Tabus kennenzulernenen.

Das Bild der Cacher in der Öffentlichkeit


Die Krefelderin sieht den Trend zu den – zumindest bei einigen cachern ungeliebten – Leitplanken-caches auch kritisch. „Ich dachte auch mal, ich hab so viel gefunden und muß da etwas sozusagen zurückgeben, auch eine Dose verstecken.“ Mittlerweile nach über 1200 dokumentierten Funden blickt sie kritischer auf Cacher, die sich nicht an geschriebene - oder ungeschriebene Regeln - halten und dass dadurch der Ruf des „Sports“ in der Öffentlichkeit und bei Jägern und Förstern auch negativ behaftet ist.

Ablassen von den Aktivitäten wird "vielweib_kr" deswegen aber nicht. „Ich mache sogar kleine Urlaubsplanungen mit den Datenbanken. Man wird an wunderschöne Plätze, die in keinem Reiseführer erwähnt sind, geführt.“ Darüber berichtet sie als "vielweib" in einem Blog, der sich mit den Reisen beschäftigt.

Das Internet als Kommunikationform nutzen auch „Rumburak67“ und „Zwischenmahlzeit“. In einem gemeinsamen Podcast berichten die über ihre Erfahrungen rund das „Geocaching“ - stilecht und unüberhörbar bei einer Flasche Bier.

Nicht alle Unbeteiligten haben Verständnis für Menschen, die irgendwo in der freien Natur oder an Bauwerken, Dosen verstecken oder suchen. In einigen Fällen ist sogar die Polizei angerückt, um vermeintliche Drogendealer oder Bombenleger zu überprüfen und den Sachverhalt aufzuklären.

Auch Jäger, Förster und Naturschützer stehen dieser Freizeitbeschäftigung durchaus kritisch gegenüber. Vor allem in Naturschutzgebieten sieht die Zunft die Suche nicht gern. "Es kommt dann schon mal zu Störungen von Wild", sagt beispielsweise der Sprecher des Landesjagdverbandes NRW, Andreas Schneider gegenüber der "WAZ".

Kritik an Dosenflut


Und auch einige Cacher selbst sehen die überbordende Dosenflut durchaus kritisch. „Geocaching ist ein Hobby, das nicht für die Breite Öffentlichkeit taugt. Das Spiel funktioniert nur, solange es kein zu großer Kreis betreibt. Leider ist mittlerweile eine kritische Grenze überschritten und es gibt mehr und mehr Probleme mit Jägern, Grundstücksbesitzern, Naturverbänden“, meint der Autor eines Geocaching-Blogs über sein Hobby.


Die Karte zeigt es klar: allein in der südlichen Oberpfalz reiht sich ein Versteck an das andere. screenshot: opencaching

Geocaching geht seiner Meinung nach - zumindest in Deutschland - dem Ende entgegen. Eine ähnliche Meinung vertreten weitere Schatzjäger und klagen über die Vielzahl der schnell und einfallslos versteckten „Leitplankencaches“, als Auswuchs der schnellen Verbreitung von geocaching.

Beim Caching, wie es Freunde dieser „modernen Schatzsuche“ kurz nennen, suchen die Teilnehmer mit Hilfe von GPS-Geräten und Koordinaten eine Art „Schatz“, der von einem anderen Mitspieler versteckt wurde. Ziel dabei ist es, Menschen aller Altersgruppen und vor allem Kinder an Orte zu bringen, die ansonsten beim Vorbeigehen, oder –fahren verborgen blieben.

Spielsachen statt Diamanten


Inhalt der Schatzkisten, meistens Tupperdosen in verschiedenen Größen, gebrauchte Munitionskisten aus dem Army-Shop oder selbstgebaute und trickreiche Behälter, ist weder Gold noch Diamanten wie in Piratenfilmen, sondern echte „Kleinigkeiten, Spielsachen, Bücher, Sammelobjekte oder sogenannte Travelbugs und Geocoins, deren "Reiseroute" durch eine eindeutige Nummer im Internet nachvervolgt werden kann. Behalten darf der „Spielteilnehmer“ diese „Wertsachen“ dann auch nicht. Tauschen ist Pflicht. Nur wer etwas ablegt, darf sich etwas von ähnlichem Wert nehmen.

Die Koordinaten für diese Art der Schnitzeljagd gibt es auf verschiedenen Seiten im Internet. Geocaching.com ist eine davon, in einer Basisversion kostenlos und mit Extras für zahlende Mitglieder. Eine mögliche Alternative zur derzeit wohl größten caching-community bietet opencaching.de, einer Internetseite, deren Inhalte derzeit ohne Anmeldung und Bezahlung den Nutzern zur Verfügung steht.

Grenzenloser Einfallsreichtum


Motivation für die meisten modernen Schatzjäger ist nach eigenen Aussagen der Spaß am gemeinsamen Suchen, Rätseln und Finden. Dass dies nicht immer spielerisch zu lösen ist, zeigt ein Blick in die Listen. Die „Verstecke“ reichen von einfachen, für Kinder geeignete Aufgaben bis hin zu Dosen, die nur mit einer besondern Ausrüstung wie Kletterseilen oder Tauchausrüstung zu erreichen sind.



Darüberhinaus finden sich auch sogenannte Nachtcaches in den Datenbanken, die nur bei Dunkelheit mit Hilfe von reißnägelartigen Reflektoren zu entdecken sind. Der Einfallsreichturm der Geocacher scheint damit nach oben offen zu sein.

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