Von wegen alter Schwede
Fahrbericht Volvo XC 90

Ein Trumm Auto ist der Volvo XC 90: Beinahe fünf Meter lang, 2,14 Meter breit (mit ausgeklappten Spiegeln) und mehr als zwei Tonnen schwer. Bild: Volvo

Von Berthold Zeitler

Na, wer hätte das gedacht? Ausgerechnet unter der Ägide des chinesischen Geely-Konzerns macht Volvo ("Ich rolle") seinem Namen alle Ehre. Jetzt rollt sie wieder die schwedische Nobelmarke, die unter Ford-Regie nur mit angezogener Handbremse fahren durfte.

Auf Design-Fragen haben Skandinavier schon immer eigene Antworten parat. Der neue XC90 ist so eine auf die Ansage aus Ingolstadt (Audi Q7), München (BMW X5) oder Stuttgart (Mercedes GLE). Wie die Konkurrenz sehen die Schweden ihren Luxus-Dampfer vor allem jenseits des großen Teiches gut aufgehoben. Enge Landstraßen und Ballungsräume sind nicht unbedingt das richtige Fahrwasser für das Fünf-Meter-Schiff. Passende Parkplätze sind dort eh Mangelware. Das Luxus-SUV ist ein Auto für die Reise. Da sind auch lange Strecken ermüdungsfrei zu bewältigen. Sieht man einmal von der schieren Größe ab, fährt sich der XC90 aber mit einer ausgesprochenen Leichtigkeit. Der Fahrer thront ja über dem Geschehen. Und seine Begleiter finden reichlich Platz auf dem komfortablen Gestühl. Das Raumangebot ist generös. Wer mit fünf Sitzplätzen nicht auskommt, ordert für 1500 Euro eine dritte Sitzreihe, die aber Kindern vorbehalten bleiben sollte. Ruckzuck sind die Rücksitzlehnen umgelegt, verwandelt sich der Schwede in einen Ikea-Laster, der den Möbel-Einkauf einer Familie mühelos verstaut.

Tablet lenkt eher ab


Mühevoll dagegen ist die Bedienung des riesigen Mitteldisplays im Tablet-Format in der Armaturentafel. Das reagiert wie ein Smart-Phone auf Finger-Wisch und -Tipp. Ganz nett, aber wenig intuitiv und sehr gewöhnungsbedürftig. Und es lenkt vom Verkehrsgeschehen ab. Wo die Konkurrenz mit sechs und acht Zylindern protzt, begnügt sich Volvo mit deren vier. Und der Zweiliter-Motor kommt mit dem Schwergewicht überraschend gut zurecht. Der Selbstzünder ist zwar nicht das, was man sportlich nennt, aber untermotorisiert fühlt man sich nicht. Auch die Laufkultur des leisen Aggregats weiß zu gefallen. Auf Komfort ausgelegt ist die Achtgang-Automatik, spontane Sprints sind nun nicht unbedingt ihr Ding. Das adaptive Luftfahrwerk (2560 Euro) bügelt so ziemlich alles glatt, was die Fahrbahn an Verwerfungen bieten kann.

Sicher aus Tradition


In Sachen Sicherheit ist Volvo seit jeher Vorreiter. So bietet auch der XC90 serienmäßig ein Heer von Schutzengeln auf. Die erkennen beispielsweise nicht nur vorausfahrende Autos, Radler oder Fußgänger, die bremsen sogar, wenn der Fahrer trotz Gegenverkehrs an der Kreuzung links abbiegen möchte. Volvo schnürt aber nicht nur Sicherheits-Pakete, auch die Abteilung "Gut und teuer" wirbt um Kundschaft. Nappa-Leder, Business Pro und WiFi-Hotspot gehören dazu. Und eine Parkkamera mit 360-Grad-Umsicht. Muss man nicht haben. Aber angenehm ist's schon.

DatenblattVolvo XC90: SUV der oberen Mittelklasse, 5 Türen,7 Sitze

Antrieb: Vierzylinder, Bi-Turbo mit variabler Turbinengeometrie, Common-Rail-Technik, 1969 ccm, 225 PS, max. Drehmoment 470 Nm bei 1750 - 2500 U/min, Euro 6 , Achtgang-Automatik, automatisch zuschaltender Allradantrieb

Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 220 km/h, Beschleunigung 0-100 km/h 7,8 sec., Testverbrauch 7,8 l, Tankinhalt 71 Liter

CO2-Emission: 152 g/km bei Werksverbrauch von 5,8 l, Effizienzklasse A

Maße und Gewichte: Länge 4950 mm, Breite 1956 mm, Höhe 1771 mm, Leergewicht 2130 kg, Zuladung 620 kg, Kofferraumvolumen 314 - 1868 Liter

Preis: 58 430 Euro (Grundpreis), 83 945 Euro (Testwagen)
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