VW Nutzfahrzeuge bringt den neuen Crafter als Eigengewächs an den Start
Der „vercraftert“ alles

Den neuen Crafter gibt es in vier Grundmodellen, drei Längen und drei Höhen. Bild: VW Nutzfahrzeuge

Nutzfahrzeuge haben eine wesentlich längere Modell-Laufzeit als Personenwagen. Wenn dann eine neue Generation eines Transporters antritt, wird gefeiert. Jetzt startet der neue VW Crafter mit einem Paukenschlag.

Volkswagen Nutzfahrzeuge ist seit 40 Jahren im Segment der Lieferwagen zwischen 3,5 und 5,5 Tonnen vertreten. Zuletzt haben die Niedersachsen den Crafter bei Mercedes-Benz eingekauft, wo der große Transporter als Sprinter im Programm ist, und ihn unter dem eigenen Unternehmens-Logo als Crafter verkauft. Der Neue ist nun wieder ein Eigengewächs. Er wird im neuen VW-Werk nahe der polnischen Stadt Wrzesnia gefertigt und hat endlich eine eigene Marken-Identität erhalten.

Wer nun bezweifelt, dass sich ein Kastenwagen unverwechselbar gestalten lässt, mag an gerade Wände, langen Radstand und das klassische Fahrerhaus mit anschließender Motorhaube denken. Doch liegt die Kunst der Gestaltung im Detail. Die Front des neuen Crafter betont die Horizontale, der Kühlergrill zitiert wohlbekannte Linien, die Seitenlinie prägen die für die Marke typischen Sicken. Gerade Fenster und ein klar gezeichnetes Heck weisen eindeutige Gene der kleineren Baureihen auf; der Crafter wirkt wie ein großer T6 und aus einem Guss.

Der Innenraum ist perfekt auf die Bedürfnisse und Aufgaben des Fahrers zugeschnitten. Ablagen, Klemmbrett, USB- und Audio-Anschluss erleichtern die Arbeit. Der optionale Schwingsitz ist nach den Richtlinien der Aktion gesunder Rücken (AGR) zertifiziert und soll Rückenleiden, der Berufskrankheit der Vielfahrer vorbeugen. Leichter macht dem Fahrpersonal auch die niedrigere Einstiegshöhe. Künftig müssen Crafter-Chauffeure zehn Zentimeter weniger weit nach oben klettern.

Zum ersten Mal hält eine elektromechanische Lenkung in dieser Klasse Einzug. Erst sie ermöglicht die Vielzahl von Assistenzsystemen, die Sicherheit, Komfort und die Handlings-Eigenschaften des Fahrzeugs steigern. Unter anderen gibt es einen Trailer-Assistenten fürs Rückwärtsfahren, einen Park-Assistenten, der beim Rangieren hilft. Seitenwind-Assistent, Abstandstempomat und der Spurhaltewächter sind auf Wunsch mit an Bord.

VW bietet den neuen Crafter in drei Längen, zwei Radständen sowie drei Höhen an. Das schafft Laderaum-Kapazitäten von 9,9 bis 18,4 Kubikmeter. Das zulässige Gesamtgewicht liegt zwischen 3,4 und 5,5 Tonnen. Vier Euro-Paletten oder sechs Roll-Container, die in der Gastronomie häufig eingesetzt werden, passen in den Laderaum. Die hohen und längeren Versionen "vercraftern" sogar sechs oder acht entsprechende Gebinde.

Den Antrieb übernehmen zunächst Vierzylinder-Turbodiesel mit zwei Liter Hubraum und Leistungsabgaben von 102 bis 177 PS. Sie sind im Schnitt einen Liter sparsamer als die bisherige Motoren-Palette. Für die Kraftübertragung sorgt auf Wunsch statt des manuellen Fünf- oder Sechsganggetriebes auch eine Automatik. Je nach Einsatz kann der Crafter mit Front-, Hinterrad- oder Allradantrieb geordert werden.

Zwar hat man nach den Worten von Nutzfahrzeug-Chef Eckhard Scholz noch einen langen Weg vor sich, um den Crafter nach dem Marktstart Anfang 2017 zum Erfolg zu führen, dass dies jedoch mit vielen charmanten Ideen und Verbesserungen nicht unmöglich ist, erzählt Scholz am Rande der Modellvorstellung: "200 Mal am Tag öffnet sich im Lieferverkehr die Schiebetür des Crafter. Wir haben sie leichtgängiger und einfach bedienbar gemacht, was jedes Mal drei Sekunden spart." Das klingt zunächst nach nicht viel, bringt aber aufs Jahr gerechnet einen Zeitvorteil von 36 Stunden. Was ganz sicher Musik in den Ohren eines jeden gewerblichen Nutzers sein dürfte.
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