Die 15- bis 35-Jährigen sind die neue Zielgruppe der Zeitungsverlage
Sie tippen, teilen und verändern

Für die "Millennials" ist Kommunikation in Gruppen enorm wichtig. Bild: dpa

Ihre Stars sind auf Youtube. Sie haben schon lange keinen Brief mehr geschrieben. Und morgens greifen sie nicht mehr automatisch zur Zeitung, sondern zum Smartphone. Verlage orientieren sich immer mehr an dieser Generation der 15- bis 35-Jährigen.

Berlin. Millennials oder Digital Natives werden sie auch genannt. Diese Zielgruppe rückt immer mehr in den Fokus der Zeitungsverlage. 70 Prozent der Verlage gaben an, die Einführung neuer Jugendprodukte zu planen.

"Traditionelle Medien wie Fernsehen oder Zeitung verlieren für die Millennials an Bedeutung. Vor allem soziale Medien spielen für sie eine große Rolle", sagt Leif Kramp, Medienwissenschaftler an der Universität Bremen. Gerade bei den jüngeren Millennials sei das Kommunizieren über Dienste wie Whatsapp wichtig. "Die direkte Kommunikation in Gruppen hat für sie einen enormen Stellenwert", sagte Kramp. Für den Journalismus sieht er durchaus Chancen: "Es wird noch lange Zeitungen geben." Hinzu kommen viele andere Wege, Leser zu erreichen. "Es gab nie ein größeres journalistisches Publikum als heute."

In Deutschland ist eine Reihe neuer Projekte gestartet, oft Ableger etablierter Nachrichtenportale. Dazu gehören "Bnow" von "bunte.de", "bento" von "Spiegel online" oder "ze.tt" von "Zeit online".

Sebastian Horn (31) ist Redaktionsleiter von "ze.tt". Die Zielgruppe, die er vor Augen hat, ist zwischen Schulabschluss und erstem Jobwechsel. "Wir haben uns Leute vorgestellt, die zusammen in einer WG leben." Alle Themen, die da für Gesprächsstoff sorgen, kämen auch für "ze.tt" infrage: "Nachhaltigkeit, Vegetarismus, wie komme ich mit Stress im Alltag klar, wie verbringe ich meine Freizeit." Dass die Jüngeren an Politik kein Interesse hätten, glaubt er nicht: "Wir widmen uns auch den großen Debatten und haben etwa zum Flüchtlingsthema viel gemacht." Dabei verfassten sie weniger geopolitische Analysen, sondern etwa einen Bericht darüber, was man tun kann, um Flüchtlingen zu helfen. "Das ist eine Generation, die etwas verändern will", ist Horn überzeugt.

Gute Story bleibt gute Story


Ein ganz zentraler Punkt für diese Zielgruppe sei das Teilen über Soziale Medien, betont Medienwissenschaftlerin Anne Jacobsen: "Sharing ist super wichtig für Millennials. Es ist für viele von ihnen so, als ob etwas nicht passiert wäre, wenn sie es nicht auf Facebook oder Twitter posten." Letztlich seien für den Erfolg aber nicht die Plattformen entscheidend, sondern die Inhalte. "Es ist die Geschichte, die zählt", sagte Jacobsen. "Eine gute Story ist eine gute Story - egal, ob digital oder im Print."

Auch "Der Neue Tag" richtet sich auf seiner Internetseite "onetz.de" zunehmend an dieser Zielgruppe aus: In der Reihe "O-Ton: Kolumnen aus dem Alltag" berichten die Jungredakteure über alles, was sie bewegt: Serien gucken, Einkaufen, Essen oder das wunderbare Leben in der nördlichen Oberpfalz.

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Weitere Informationen:

www.onetz.de/oton
Es gab nie ein größeres journalistisches Publikum als heute.Leif Kramp, Medienwissenschaftler an der Universität Bremen
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