Feldwege, Wälder und weite Auen: Der Vilsecker Muldenweg
Wanderung durch ein artesisches Becken

Vom Bankerl unter der großen, aber arg zerzausten Linde hat man diesen herrlichen Ausblick auf Vilseck und die Höhen des Sulzbacher Berglandes. Bilder: Moser
 
Naturbelassene Fischteiche in der Vilsecker Mulde sind ein Refugium für seltene Insekten und Vögel.

Ein Gang über Feldwege, durch Hohlwege, Wälder und die weiten Auen der Vilsecker Mulde. Die noch junge Vils wird gequert und stille Weiher liegen am Wegesrand. Als Dreingabe die Burg Dagestein und die sehenswerte Pfarrkirche St. Ägidius.

Die Markierung beginnt direkt am Vilsecker Marktplatz und ist mit "VM" gekennzeichnet. Durch die Breite Gasse mit vorbildlich renovierten farbkräftigen Ackerbürgerhäusern und deren kunstvollen Details geht es die Klostergasse hinauf zur Pfarrkirche. Nach der Renovierung erstrahlt dieses Kleinod wieder in voller Schönheit.

Ob man sich dieser Kirche gleich zu Beginn oder nach dem etwa vierstündigen Wandern widmet, möge jeder selbst entscheiden. Versäumen sollte man dies auf keinen Fall, denn schon allein die gotischen Tafelbilder mit einem Zyklus aus dem Marienleben oder der Vierzehn-Nothelfer-Altar sind absolut sehenswert.

Weiter geht es durch die Grabenstraße am ehemaligen Schnellweiher vorbei. Dazu berichtet Hans Fick, dass hier Übeltäter zur Strafe "geschnellt" wurden. Der Delinquent wurde in einem vergitterten Korb mehrmals in den Weiher getaucht und erst kurz vor dem Ertrinken wieder herausgezogen. "Waterboarding" gab es also bereits im Mittelalter.

Seltene Rebhühner

Jetzt an einem richtigen Weiher vorbei zum Ortsende, wo eine Übersichtstafel über den Wanderweg informiert. Auf einem sonnigen Weg durch Getreidefelder, deshalb wird eine frühe Tageszeit empfohlen, geht es weiter. Rebhühner flüchten vom Weg, eine Rarität, dass man diese Vögel noch zu Gesicht bekommt. Dann durch einen dicht eingewachsenen Hohlweg mit Birken, Ahorn, Kiefern und Kirschbäumen, der wohltuenden Schatten spendet. An der nächsten Wegkreuzung ein Hinweisschild zu einem Aussichtspunkt. Diesen kurzen Abstecher sollte man nicht versäumen. Der Blick über ein großes Kornblumenfeld hinunter nach Vilseck und Schlicht, zu den Hügelketten des Sulzbacher Berglandes mit Ossinger und Breitenstein bis hin zum Schwarzen Berg im Truppenübungsplatz Grafenwöhr ist einfach grandios. Am liebsten würde man gleich hier, an der alten Linde mit Bildstock, eine Rast einlegen. Doch wir sind erst eine Dreiviertelstunde unterwegs. Es geht auf einem Wiesenweg weiter, wir queren eine Straße und sind nun auf einem Forstweg. Bei dem Hinweisschild des Staatsforstes "Rauher Bühl" zweigen wir links ab.

Fingerhut und Lupinen

Durch mageren Kiefernwald auf Doggersandboden, der an einigen feuchteren Stellen große Felder von Adlerfarn aufweist, geht es etwa drei Kilometer weiter. Fingerhut und Lupinen leuchten im Gegenlicht und sorgen für farbige Kontraste zum Waldesgrün. Nun wenige Meter auf einer Teerstraße, an einem Parkplatz vorbei und wir queren die Staatsstraße 2166. Hier auf die Wegeführung achten. Der Hinweis sei gestattet, denn hier haben wir uns verlaufen. Nach kurzer Zeit wird der Wald lichter, Buchen mischen sich dazwischen, bevor wir offenes Gelände erreichen.

Hier kann der interessierte Wanderer noch einen Abstecher zum Biberlehrpfad unternehmen. Das ergibt knapp drei Kilometer zusätzlich, lohnt sich aber sehr.

Danach überschreiten wir auf einem kleinen Steg die Vils und kommen an einigen Fischteichen vorbei. Wir sind nun in der Vilsecker Mulde. Hier ist Muße angesagt im Biberrevier mit seltenen Pflanzen und Libellen. Eine Hinweistafel klärt uns später darüber auf, dass hier im Oberpfälzer Bruchschollenland eine geologische Muldenstruktur mit mehreren Grundwasserstockwerken vorliegt. Das oberflächennahe Grundwasser, welches für die Erhaltung der zahlreichen Feuchtbiotope notwendig ist, wird durch eine stauende Schicht vom tieferen Grundwasser getrennt. Dieses ist ein großes Wasserreservoir und steht unter artesischem Druck. Aus etwa 120 Meter Tiefe beziehen Vilseck und Freihung jährlich rund 1,5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser.

Bei einem Trafohäuschen biegen wir links ab, marschieren auf der Schotterstraße durch Mischwald, queren die Frankennohe und kommen bald zur Kreisstraße AS 5. Hier rechts abbiegen, etwa 200 Meter auf der Straße und bei einem Bushäuschen nach links abbiegen in Richtung der Siedlung Bürgerwald. Durch den Wald geht es dann parallel entlang der Bahnlinie Weiden-Neukirchen auf gutem Forstweg weiter. Spätestens hier haben wir uns die Frage gestellt, ob es nicht besser gewesen wäre, diesen Weg mit dem Mountainbike zu befahren. Dazu raten wir sehr.

Nach etwa einer halben Stunde überqueren wir die Wiesennohe und kurze Zeit später die Schmalnohe, zwei Bäche, die bald in die Vils münden. Wieder müssen wir die schon erwähnte Staatsstraße queren Der Feldweg führt nun an einem Weiher vorbei direkt nach Vilseck. Hier gut auf die Markierung achten, denn die Wegführung ist etwas verwinkelt. Auf einem neuen Steg überqueren wir nun die Vils und sehen, wie dem Fluss ein neues Bett spendiert wurde. Die Renaturierung der Vilsauen ist hier vorbildlich gelungen. Zudem entsteht hier ein Kunstpfad, der am 19. Juli eingeweiht werden soll.

Tipps zur RouteAnfahrt
Von Amberg aus über Hahnbach nach Vilseck, von Weiden aus über Mantel und Freihung. Parkplätze nicht direkt am Marktplatz, da zeitlich begrenzt, besser in der Breiten Gasse oder, nur wenige Meter entfernt beim Schlössl in Axtheid, einem Ortsteil von Vilseck.

Strecke
Der Rundweg ist etwa 14 Kilometer lang, gute Feldwege, Forststraßen, nur ein kurzes Stück über Wiesenwege. Markierung mit "VM". Auch gut für eine Mountainbiketour geeignet.

Hinweise
Sehenswert ist das Erste deutsche Türmermuseum im Vogelturm, Burg Dagestein mit dem romanischen Portal der Kapelle im Bergfried, geschaffen um 1220 von Steinmetzen der Bamberger Dombauhütte und, wie schon erwähnt, die Pfarrkirche St. Ägidius.

Infotelefon über Öffnungszeiten: Kulturamt der Stadt Vilseck: Telefon 09662/9916.
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