"25 Jahre Ramasuri: ""Klassentreffen"" zum Jubiläum im Studio des Lokalsenders"
Auf einer Wellenlänge

Klassentreffen: Bei Radio Ramasuri unterhielten sich zum Jubiläum des Senders (von links) Markus Pleyer, Frank Werner, Eva Bracke, Dagmar Kick und Dieter Bleisteiner über 25 Jahre Lokalradio. Bild: Huber

Weiden. (ca) Großes Hallo beim Interviewtermin zu 25 Jahre Ramasuri. Vom NT ist Frank Werner dabei. Heute Redakteur bei der Zeitung, damals Radiomann der ersten Stunde beim Lokalsender. Der Kaffee läuft noch durch, da sitzen schon vier "Quasselstrippen" um den Tisch im Wintergarten und reden - Berufskrankheit - alle durcheinander.

Redakteurin Eva Bracke war 1990 und Sekretärin Dagmar Kick ab 1992 am Start. Dazu gesellt sich "Muntermacher" Markus Pleyer, seit 1995 dabei. In Songpausen lässt sich Dieter Bleisteiner blicken, der gerade auf Sendung ist. Selbst Redaktionshund Anton (von Onlineredakteur Daniel Kroha) wedelt vorbei.

Wie muss man sich die erste Stunde des Radios in Weiden vorstellen - abgesehen davon, dass ihr alle 25 Jahre jünger wart.

Frank Werner: Sendestart war am 13. Januar 1990 um 6 Uhr mit Moderator Rüdiger Boess, heute Pro 7. Das erste Lied war "You can't hurry love", Phil Collins. Der Boess: "Ich bin so nervös, meine Mutti hört zu."

Eva Bracke: Ich habe die Folgesendung "Schmalspur" gemacht. Meine Hände waren so feucht und die Cart Machine, an der du die Werbung abdrückst, noch so fest, dass Rüdiger die für mich rausziehen musste.

Das war noch echte Handarbeit?

Dagmar Kick: Von der ersten bis zur letzten Minute. Rein mechanisch, nichts computergestütztes. Mit richtigen CDs und Schallplatten.

Dieter Bleisteiner: In meiner ersten Zeit in der Redaktion Amberg riefen jede Woche zwei, drei ältere Herrschaften an, um ein Taxi zu bestellen. Damals fuhren die Taxis mit Ramasuri-Werbung durch die Gegend. "Täten Sie mir ein Taxi schicken? Ich muss zum Doktor." Am Ende hatten wir schon die Nummer parat und haben das für die Leute klar gemacht.

Worauf führt ihr zurück, dass ihr alle noch da seid? Die große "Ramasuri-Familie"?

Dagmar Kick: Weil's immer noch Spaß macht. Zum Thema Familie gibt's eine schöne Anekdote. Als unser Redakteur Andreas Hahn zum ersten Mal Vater geworden ist, haben wir zur Praktikantin gesagt: Wir wollen dem "Chicken" was schenken, sammel' mal bei den Leuten. Wir meinten natürlich: im Haus. Dann haben wir uns noch gewundert. Sie zieht sich die Jacke an und geht in die Fuzo? Als sie nach 40 Minuten wiederkam, hatte sie zwei Euro dabei.

Eva Bracke: Ich war ja zwischendrin mal weg: bei der Bischöflichen Pressestelle in Regensburg. Radio ist im Vergleich doch ein eher lockeres Format. Und gerade anfangs waren wir alle in Aufbruchsstimmung. Wir haben auch mal Songs gespielt, die wir wollten. Unser Programmchef Bernd Alexa hat da alle Hühneraugen zugedrückt. Er brachte hin und wieder selbst einen Stapel Schallplatten vorbei und sagte "Mach mal". Heutzutage ist alles durchformatiert. Du kommst aus dieser Rotation der Titel gar nicht raus.

Wer bestimmt heute, welche Titel gespielt werden?

Markus Pleyer: Umfrageergebnisse, Berater, Testreihen. Letztlich spuckt der Computer eine Liste aus, wann welcher Song gespielt wird.

1992 erfolgte über Nacht die Umstellung auf Schlager. Für euch ein Tiefschlag?

Frank Werner: Das erste Lied um 6 Uhr war "Zwei linke Schuh". Dann haben wir erstmal das Telefon aufgehängt, damit kein Anrufer durchkommt. Aber es gab ja gute Gründe: Die Quote war im Keller, Antenne Bayern wurde immer erfolgreicher.

Dagmar Kick: Wir hatten wegen der Umstellung sogar eine Bombendrohung. Die Polizei war im Haus. Aber was hilft's, wenn ich ein für mich persönlich geiles Radio mache, aber die breite Masse nicht erreiche?

Eva Bracke: Matuschke ist gegangen. Er hat immer gesagt: Wenn wir Schlager spielen, bin ich weg.

Mit dem Geschäftsführerwechsel 2002 wurde ein weiterer Formatwechsel vollzogen. Heute haltet ihr euch doch auch - trotz deckungsgleicher Musik mit Antenne Bayern und Bayern 3.

Markus Pleyer: Ziemlich ähnlich. Aber wir haben eben noch andere Stärken. Das Regionale - auf das müssen wir setzen.

Apropos regional: Ihr seid alle Oberpfälzer?

Bleisteiner: Zu 90 Prozent kommen unsere Leute aus der Gegend. Das ist ja auch der Plan. Dass du weißt, was hier los ist. Was nützt mir der tollste Moderator, dem ich erklären muss, was eine Zoiglstube ist. Wir erinnern uns alle gern an Carsten Uhl, der statt Cham immer Scham sagte.

Pleyer: Als wir's ihm erklärt haben, sagte er: Aber ich sag' doch auch Schemie und nicht Chemie.

Dialekt ist bei Ramasuri erlaubt?

Bleisteiner : Wir machen Radio für die Region. Vielleicht nicht gerade bei den Nachrichten.

Dagmar Kick: Die Nachrichten werden übrigens immer durchgezogen. Tilman Leher fiel beim Lesen mittendrin ein Brillenglas raus. Er hat gar nicht darauf reagiert.

Markus Pleyer: Ich bekam mal Nasenbluten. Das Blut tropfte aufs Papier, und ich habe weitergelesen.

Die schönste Panne?

Markus Pleyer: Die beste Ramasuri-Panne aller Zeiten ereignete sich an einem 1. November, Allerheiligen. Da bekam ich einen Anruf von Studioleiter Heinz Behrens. Auf der Hinfahrt zum Friedhof habe er "Taxi nach Texas" gehört, und auf der Rückfahrt hörte er wieder "Taxi nach Texas". An dem Tag lief die Automation mit einem CD-Wechsler. Am Schluss kam raus, dass an dem ganzen Tag nur drei Lieder gespielt wurden. Endlos.

Eva Bracke: Das nenn' ich mal Rotation.

Markus Pleyer: Martin Breitkopf und ich haben versucht, das zu reparieren. Dann haben wir den Anrufbeantworter abgehört. Das war die Hölle. Der war voll. Am besten war der Hörer, der brüllte: Etz wennst des no einmal spielst, dann ruf ich mir ein Taxi und fahr nach Texas! Das "Taxi nach Texas" war das ganze nächste Jahr verbannt. Obwohl's so schön ist: "Taxi nach Texas zu Bill, weil der Bill, weil der Bill, sich mit Jonny schießen will..."

Dagmar Kick: Eine schöne Geschichte war auch der Stromausfall am Unteren Markt. Gerhard Amberger hat von daheim ein ewig langes Rasenmäher-Verlängerungskabel geholt und in die Wohnung von Markus Pleyer verlegt, der auf der anderen Seite des Unteren Marktes wohnt und Strom hatte. Dann konnten wir weitersenden.

Ihr hattet immer mal wieder Schlagergrößen im Studio zu Gast.

Dieter Bleisteiner: Legendär: Jürgen Drews. Er war Stargast beim Ramasuri-Sommerfest am Plößberger Weiher und zwei Wochen zuvor zu einem Promotion-Termin in Weiden. Nur: Wir wussten das nicht. Es klingelt, die Tür geht auf, Jürgen Drews steht draußen im roten Hermelinmantel. Er sagt nicht Servus oder Hallo. Er stürmt herein und schmettert: "Ich bin der König von Mallorca."

Dagmar Kick: Er hatte auch Rauhaardackel "Finchen" dabei, die sich hier überall breit machte.

Bleisteiner: Als Drews weg war, kam ein Schrei aus dem Zimmer des Programmleiters. "Finchen" hatte unter seinen Schreibtisch gemacht.

Habt ihr treue Hörer, die immer wieder und gern anrufen?

Dagmar Kick: Ja, natürlich. Es kommen immer mal wieder Hörer vorbei, die uns Plätzchen bringen, "Merci" oder "Mon Cheri". Oder Karten schrieben. Es überwiegen die freundlichen Reaktionen.

Für welche Zielgruppe wollt ihr Radio machen?

Dieter Bleisteiner: Kernzielgruppe sind die 30- bis 50-Jährigen. Bei Aktionen fällt unser aber auf, dass überraschend viele Jüngere dabei sind.

Markus Pleyer: Zum Ski-Opening fuhren wir mit 550 Leuten in 13 Bussen. Ganz viele der Jüngeren, knapp über 20, hören Ramasuri.

Ist Ramasuri also nach 25 Jahren angekommen?

Dagmar Kick: Wir sind Zeit unseres Lebens auf dem Weg. Du kannst als Radio nie angekommen sein.
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