"A Bigger Splash" mit Tilda Swinton und Ralph Fiennes
Klassiker sinnlich wiederbelebt

"A Bigger Splash", die Neuverfilmung von "Der Swimmingpool", gelingt vor allem wegen der stark spielenden Tilda Swinton als Marianne und Ralph Fiennes als Harry. Bild: Jack English/StudioCanal/dpa

Das Psychodrama "A Bigger Splash" ist eine Hommage an den französischen Klassiker "Der Swimmingpool" mit brillanter Besetzung. Tilda Swinton und Ralph Fiennes machen diese Neuverfilmung zu einem der größten Kinogenüsse des Sommers.

Berlin. Sie ist so lässig, stilvoll, ätherisch-schön - unfassbar, dass Tilda Swinton schon 55 Jahre alt sein soll. Die anglo-schottische Diva gibt mit ihrem Indie-Charme jetzt einem Romy-Schneider-Klassiker einen frischen Look. Das Eifersuchtsdrama "A Bigger Splash" ist eine Neuverfilmung der französischen Vierecksgeschichte "Der Swimmingpool" ("La piscine") aus dem Jahr 1969 mit Alain Delon und Romy Schneider.

Swinton ist wie gemacht für die Hauptfigur Marianne Lane, die als angeschlagene Starsängerin daherkommt und mit Bühnenauftritten in extravaganten Kostümen und viel Glam-Rock-Schminke im androgynen Gesicht an David Bowie erinnert. In diesem Sommer aber soll sie ihre Stimme schonen. Was gäbe es in dieser Situation Schöneres, als sich mit ihrem Freund, dem Fotografen Paul (Matthias Schoenaerts), in eine Villa auf eine abgelegene sizilianische Insel zu verkriechen?

Besetzung überzeugt


Der Film verlegt die Handlung aus "Swimmingpool" von der Côte d'Azur nach Pantelleria. Dort genießt das Liebespaar lange, entspannte Tage in der Sonne. Doch dann taucht Mariannes Ex Harry (Ralph Fiennes) auf, im Schlepptau die jugendliche Penelope, angeblich seine Tochter ("Shades of Grey"-Protagonistin Dakota Johnson). Zwischen Marianne, Harry und Paul entspinnt sich ein Eifersuchtsdrama, das sich immer mehr zuspitzt - und in dem auch die laszive Penelope mitmischt.

Bleibt die Frage: Muss man den Erotikthriller "Der Swimmingpool" wirklich noch einmal drehen? Diesen Klassiker, den doch bereits Romy Schneider, Alain Delon und Jane Birkin unsterblich gemacht haben? Muss man vielleicht nicht. Mit einer solchen Besetzung sollte man es aber unbedingt! Swintons kühle Emotionalität wirkt umso reizvoller durch ihren Widerpart: Einen nervenstrapazierend gut gelaunten Ralph Fiennes, der oft nackt durch die Gegend springt, schief singt und wild tanzt, als müsste er jedem Moment des Lebens ein größtmögliches Maß an Energie abtrotzen. Allein diese in Fiennes' Repertoire eher ungewöhnliche Figur des gealtertern Playboys macht den Kinobesuch lohnenswert.

Eleganz und Energie


So gerät das bezaubernde Duo für Regisseur Luca Guadagnino, der schon das Familiendrama "I am love" mit Swinton drehte, zum Glücksfall. Wenn Swintons kühle Eleganz auf Fiennes' durchgeknallten Charakter prallt, dann entfesselt dieser Gegensatz eine derart brachiale Energie, dass die in die Jahre gekommene Eifersuchts-Geschichte abermals zu einem großen, zeitgenössischen Drama wird - obwohl das Remake mit seinen 125 Minuten ähnlich wie die Vorlage eher länglich ist. Die Begegnung von Swinton und Fiennes ist jedenfalls ein so unwiderstehlich sinnlicher Genuss, dass man davon keine Sekunde missen möchte.

___

Regie: Luca Guadagnino - Mit Tilda Swinton, Ralph Fiennes, Matthias Schoenaerts, Dakota Johnson - 125 Minuten - frei ab 12 Jahren - Im Internet: www.a-bigger-splash.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.