Action und Emotion aus dem Fernen Osten

Die "Mishiro Dance Company" gastierte mit der Show "Masashi Action Machine" im Stadttheater Amberg. Die Tänzer versuchten, dem Publikum die hohe Ästhetik eines alten Kulturvolkes im Zusammenspiel der tanzenden Körper, der sparsam eingesetzten Requisiten, der Farbe des Lichts und den daraus resultierenden Schatteneffekten näher zu bringen. Bild: Steinbacher

Die "Mishiro Dance Company" gastiert mit ihrem aktuellen Programm "Masashi Action Machine" im Amberger Stadttheater. Dabei wären die Tänzer mit etwas mehr Tradition im Programm besser beraten gewesen.

Amberg.Aus dem Land der aufgehenden Sonne kommt die "Mishiro Dance Company" mit ihrem Solo-Tänzer Masashi Mishiro ins Amberger Stadttheater, um mit ihrem Programm "Masashi Action Machine" den Oberpfälzern die Entwicklung der Tanzkultur in ihrem Heimatland zu vermitteln.

Ein Dutzend Tänzer

Eine bunte Mischung aus Traditionellem mit modernen Einflüssen soll es werden, was da ein Dutzend Tänzerinnen und Tänzer unter der Leitung von Masashi Mishiro - damit ist auch die Bedeutung des Ensemblenamens und des Titels der Show geklärt - und der Gründerin der Gruppe, Kumiko Sakamoto, in Amberg präsentieren. Die beiden genannten entwickelten auch die Choreografien und sind damit auch verantwortlich dafür, dass dem Ablauf des Auftritts eine gewisse Uneinheitlichkeit innewohnt. Damit sind nicht die einzelnen Nummern dieser Revue gemeint, sondern die Reihenfolge, die kein erkennbares Konzept erkennen lässt und auch hinsichtlich einer dramaturgischen Steigerung auf einen Höhepunkt zu die Erwartungen nicht erfüllt.

Dabei gibt es durchaus reizvolle Momente in den verschiedenen Nummern, von denen die meisten relativ neu sind. Laut Programmheft wurden etliche der Stücke erst zu Beginn der Tournee 2015 in Remscheid uraufgeführt oder hatten dort ihre Europapremiere. Besonders sehenswert ist etwa ein archaisch anmutendes Tanzritual, das stark an die skandalumwitterte Uraufführung von Igor Strawinskys "Le Sacre du Printemps" erinnert.

Heute enthält ein Ausdruckstanz, der damals noch Tumulte im Zuschauerraum auslöste, allerdings nicht mehr die emotionale Sprengkraft, die am Anfang des 20. Jahrhunderts die Zuschauer schockierte.. Unsere Sehgewohnheiten haben eine evolutionäre Entwicklung durchgemacht, der uns jetzt die Ästhetik des wilden animalischen Geschehens auf der Bühne genießen lässt.

Ganz im Gegensatz dazu zeigt "Japanese Businessman 2015" das Opfer, das der moderne Mensch seinem Götzen Mammon darbringt. Eindringlich getanzt und dabei pantomimisch ausgedrückt war die Hektik des 21. Jahrhunderts in dieser Choreografie, die als Orgie aus Hast, Selbstoptimierung und der daraus resultierenden - und gerade im industrialisierten Japan oft tödlichen - Überarbeitung inszeniert ist. Den Anblick des Bühnentodes erspart Masashi Mishuro als Solotänzer dem Publikum, obwohl ein Ende mit Schrecken in diesem Paket von Emotionen, die von den Tänzern hoch konzentriert und mit viel Engagement auf die Bühne gebracht werden, durchaus seinen eigenen Reiz gehabt hätte.

Ein bisschen weniger "Action" - damit sind die Breakdance-Einlagen gemeint - und ein bisschen mehr "Tradition", also mehr Kyoto denn New York, wäre dem Anspruch des Ensembles als Botschafter japanischer Kultur zu wirken gut bekommen. Gerade in den japanische Mentalität und Lebensart widerspiegelnden Teilen zeigt sich - auch dank des Einfallsreichtums des Beleuchters - die hohe Ästhetik eines alten Kulturvolkes im Zusammenspiel der tanzenden Körper, der sparsam eingesetzten Requisiten, der Farbe des Lichts und den daraus resultierenden Schatteneffekten im Bühnenhintergrund, was die Faszination an fernöstlicher Tanzkunst ausmacht.

Gedenken an Fukushima

Es ist auch durchaus legitim, dass eine japanische Künstlergruppe in ihrem Programm, das eigentlich der Unterhaltung der Zuschauer dienen soll, der Katastrophe von Fukushima gedenkt. Allerdings ist der Trauergesang, dessen Text wahrscheinlich die wenigsten im Publikum verstehen, so süßlich komponiert, dass der Verdacht nahe liegt, ein Zuckerbäcker hätte bei der Fabrikation der Noten geholfen. Naja, die japanische Sprache kennt halt keinen Ausdruck für "Kitsch".
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