Alles wahrhaft ausgedachte Geschichten

"Rolling Stone"-Redakteur Maik Brüggemeyer hat mit "Catfish" einen Bob-Dylan-Roman geschrieben. Am Freitag stellt er ihn im "Capitol" in Sulzbach-Rosenberg vor. Bilder: Dobromila Walasek/Metrolit-Verlag

Kein Songwriter hat das Bewusstsein gleich mehrerer Generationen so geprägt wie Bob Dylan - davon zeugt auch eine unübersehbare Zahl an Buchveröffentlichungen. Der Musikjournalist Maik Brüggemeyer, Jahrgang 1976, fügt mit "Catfish" nun einen Bob-Dylan-Roman hinzu.

Als Sie auf die Welt kamen, war Bob Dylan ein Mittdreißiger und mit "Desire" schon bei seinem Album Nr. 17 angelangt. Darf man fragen, woher Ihre Faszination für einen mittlerweile 74-Jährigen rührt?

Maik Brüggemeyer: Die Faszination gilt weniger dem Mann als vielmehr seinem Werk. Wenn jemand mit 16 zum ersten Mal "Catcher In The Rye" liest oder "On The Road" und begeistert davon ist, fragt man ihn ja auch nicht, warum er sich als Teenager für tote Männer interessiert. Und wenn man zum ersten Mal in seinem Leben "Like A Rolling Stone" oder "Tangled-Up In Blue" hört, kann einen das heute ebenso unvermittelt treffen wie es die Leute zu der Zeit traf, als diese Lieder entstanden sind.

Sie sind Redakteur bei der Musikzeitschrift "Rolling Stone". Das hat Ihnen geholfen, Ihre Kenntnisse über Dylan zu erweitern?

Brüggemeyer: Das Interesse für Bob Dylan war viel früher da als der Job beim "Rolling Stone", und ich hätte mich sicher auch weiterhin für sein Schaffen interessiert, wenn ich Finanzbeamter oder Realschullehrer geworden wäre. Allerdings bin ich durch meine Arbeit vielen Musikern und Autoren begegnet und habe festgestellt, dass Dylans Einfluss auch heute noch ungleich größer ist und weiter reicht als man gemeinhin denkt. Fast jeder Künstler scheint ein Verhältnis zu Dylans Werk zu haben - nicht jeder hat ein positives, aber niemandem ist er gleichgültig.

Jetzt haben Sie mit "Catfish" ein Buch geschrieben, das im Untertitel "Ein Bob Dylan Roman" heißt. Erklären Sie uns: Was ist das, ein "Bob Dylan Roman"?

Brüggemeyer:Ich habe schon sehr viele Bücher über Bob Dylan gelesen - musikhistorische, biografische, literaturwissenschaftliche, anekdotische und und und. Viele von ihnen habe ich mit Gewinn gelesen. Aber ich hatte immer das Gefühl, dass das, was mich an Bob Dylan wirklich fasziniert, in diesen Büchern nicht zu finden war. Also habe ich versucht, mich schreibend meiner Faszination anzunähern - und da schienen mir die Möglichkeiten der Fiktion geeigneter als die Beschränkungen des Faktischen. Bob Dylan hat mit seinen Liedern und seinen Inszenierungen eine faszinierende Kunstfigur geschaffen. Über die wollte ich schreiben - nicht über den realen Menschen dahinter.

Am Freitag werden Sie in Sulzbach-Rosenberg in der Buchhandlung Volkert lesen - worauf dürfen sich die Besucher da freuen?

Brüggemeyer: Auf einen Abend mit Geschichten über Bob Dylan, die alle wahr sind und doch ausgedacht. Und auf Musik. Denn die Band "The Blissful Bob" wird mich bei der Lesung begleiten.

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Der Bob-Dylan-Roman "Catfish" (260 Seiten) ist im Metrolit-Verlag erschienen und kostet 22 Euro. Am Freitag, 20. November, stellt er ihn ab 20 Uhr im "Capitol" (Bayreuther Straße 4) in Sulzbach-Rosenberg vor, begleitet von der Band "The Blissful Bob". Karten gibt es in der Buchhandlung Volkert (Telefon 09661/812373) und an der Abendkasse.
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