Amazon macht Hollywood Konkurrenz

Jeffrey Tambor (links) als Maura in einer Szene der Serie "Transparent". In der Eigenproduktion von Amazon gibt er einen Familienvater, der nach Jahren der Geheimniskrämerei endlich als Frau leben möchte. Nach solchen Serienproduktionen für das Fernsehen wagt sich Amazon nun auch an Kinofilme. Bild: Beth Dubber/Amazon.com Inc

Amazon nimmt Hollywood ins Visier: Nach TV-Serien packt der weltgrößte Online-Einzelhändler auch die Produktion von Kinofilmen an. Dabei will Amazon das Zeitfenster zwischen Kinodebüt und dem Erscheinen auf einem Fernsehbildschirm drastisch verkürzen.

Nach dem erfolgreichen Ausflug in die Welt der Fernsehserien will Amazon auch Hollywood herausfordern. Der Online-Händler wird eigene Kinofilme produzieren und fremde Streifen dazukaufen, kündigte Amazon an. Ziel sei es, bis zu 12 Filme pro Jahr zu produzieren, sagte Roy Price, Vizepräsident von Amazon Studios. Die Produktion stehe unter der künstlerischen Leitung des amerikanischen Filmproduzenten Ted Hope, der für seine Independent-Filme bereits vielfach ausgezeichnet worden sei.

Erfolge bei Golden Globes

Bei seinen eigenen Produktionen will Amazon auch die Wartezeit zwischen Kinodebüt und Verfügbarkeit etwa für den Fernseher verkürzen. Die Filme sollen bereits vier bis acht Wochen nach der Premiere im Filmtheater in Amazons hauseigenem Video-Streaming-Dienst gezeigt werden. In der Vergangenheit konnte schon mal ein halbes bis zu einem Jahr vergehen, bis Kinofilme auf Video erscheinen. Das Zeitfenster ist aber inzwischen schon in vielen Fällen kürzer als früher.

Amazon dreht bereits eigene Fernsehsendungen, vor wenigen Tagen gewann die Serie "Transparent" einen Golden Globe. Einen Coup landete Amazon erst kürzlich mit der Verpflichtung von Woody Allen. Der Schauspieler und Filmregisseur wird exklusiv eine TV-Serie für Amazons Prime-Angebot produzieren. Weder Titel noch Inhalt stehen jedoch bislang fest.

Amazon ist nicht der einzige Internet-Konzern, der in den angestammten Bereich von Hollywood dringt. Auch der Streaming-Dienst Netflix setzt auf Eigenproduktionen und dreht unter anderem vier Filme mit Adam Sandler sowie eine Fortsetzung des Kampfkunst-Streifens "Tiger & Dragon". Dieser Film soll gleichzeitig ins Kino und ins Netflix-Angebot kommen. Deswegen wollten ihn einige amerikanische Filmtheater nicht zeigen. Bei den Golden Globes hatten beide Unternehmen in der Kategorie TV-Serien bereits abgeräumt.

Beim Streaming werden Videos direkt aus dem Netz abgespielt. Dienste wie Netflix und Amazon lassen sich den Zugang mit einer Gebühr vergüten. Sie haben bereits das Serien-Geschäft verändert, indem sie im Gegensatz zu Fernsehsendern ganze neue Staffeln auf einmal verfügbar machten. Die filmischen Ambitionen von Amazon könnten auch den Filmschaffenden entgegenkommen, die viel zu oft daran scheitern, mit frischen und gewagten Ideen ein größeres Publikum zu erreichen, heißt es bei Amazon.

5 bis 25 Millionen Dollar

Das Budget für die neuen Film-Produktionen von Amazon solle zwischen 5 und 25 Millionen US-Dollar liegen, berichtete das Branchenblatt "Variety". Bei diesem Rahmen braucht sich Hollywood keine Sorgen um neue Konkurrenz bei teuren Action-Blockbustern zu machen. Allerdings bedeutet jeder Neuankömmling in dem Geschäft verstärkten Wettbewerb um die Kinosäle.
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