Amberg: Benefizspiel für Witwe mit Zwillingen und unfertigem Haus
Weil der Papa nicht mehr lebt

Die Außenanlagen des Hauses sind noch nicht fertig. Hier ist in erster Linie ein Landschaftsgärtner oder Gartenbauer gefragt. Am besten noch vor dem Winter. Bilder: tk (4), hfz, htl, af, websta.me
 
Auch hier muss ein Fachmann ran. Im Elternhaus der zweifachen Mutter gibt es nach dem Tod des Lebensgefährten noch viel zu tun.

Mit 25 fand sie den Mann fürs Leben. Zehn Jahre später erfüllte sich auch der Kinderwunsch. Das Glück schien perfekt. Doch dann schlug das Leben mit all seiner Härte zu. Zwei Monate vor der Geburt der Zwillinge starb der werdende Vater ohne Vorwarnung an einer Lungenembolie. Er hinterlässt neben seiner Familie auch ein nicht fertiges Haus.

Amberg/Ebermannsdorf. Die Tränen kullern immer wieder über die Wangen. Aber die 35-Jährige ist tapfer. Sie kämpft, ringt um Fassung, sucht nach Worten. Doch dann spricht sie voller Stärke und Mut ganz offen über das, was am 31. August vergangenen Jahres geschah. Es war ein Sonntag, als das Schicksal der damals Hochschwangeren den Boden unter den Füßen wegzog. Von einer Sekunde zur nächsten. Ihr Matthias, liebevoll auch von Freunden und Kollegen stets Matze genannt, lag neben ihr, machte plötzlich komische Geräusche, atmete nicht mehr und kam mit dem Notarzt ins Klinikum, wo er noch am Abend starb.

"Einfach so erstickt"

"Er ist im Prinzip neben mir erstickt. Einfach so", erinnert sich die Landkreisbewohnerin, die unerkannt bleiben möchte. Zu groß ist immer noch die Trauer, zu tief sitzt der Schmerz. Zu gewaltig ist das Bedürfnis, in der Öffentlichkeit nicht immer und immer wieder auf die Leidensgeschichte angesprochen zu werden. Denn seitdem sich die Alten Herren des SV Inter Bergsteig dazu entschlossen haben, am Samstag, 25. Juli, mit einem Benefizspiel zu helfen, rückt die 35-Jährige oft genug in den Mittelpunkt des Interesses.

Es muss weitergehen

Ihren Matze hatte sie 2005 kennengelernt, 2007 zog er zu ihr nach Ebermannsdorf in das Elternhaus (Baujahr 1977), das komplett saniert werden sollte. Vor allem aus energetischen Gründen und zum Wohle der sich andeutenden kleinen Familie. Aber Matze, der mit seinen 45 Jahren immer noch gelegentlich für den SV Inter Fußball spielte, kam nicht mehr dazu, das Projekt abzuschließen. In erster Linie war es ihm bis zu seinem plötzlichen Tod darum gegangen, alles für die Zwillinge vorzubereiten. Sophia und Viola. "Er wollte immer Mädchen. Er hat sich wahnsinnig gefreut", sagt die Mutter. Doch sehen durfte er seine Kinder nie. Das war ihm nicht vergönnt. Die Witwe hebt ihren Kopf und blickt nach vorne. Im wahrsten Sinne. Es muss weitergehen. Irgendwie. Den Kindern zuliebe.

Teilweise ohne Strom

Also zeigt sie im Haus alle Räume und Stellen, die auf Dauer so nicht bleiben können. Das Dachgeschoss ist nicht ausgebaut und kaum gedämmt, teilweise fehlen in den Zimmern die Stromleitungen. Der Boden muss noch an einigen Stellen verlegt werden, mancherorts ist nicht einmal der Estrich vorhanden. Mehrere Wände warten auf Putz. Auch die Außenanlagen müssten noch vor dem Winter in Angriff genommen werden.

Tränen der Trauer

"Matze wollte das alles selber machen. Nach und nach", weiß die 35-Jährige, die auf eine Frage auf die Schnelle gar keine Antwort findet. Wäre ihr eher mit Geld geholfen oder mit talentierten Handwerkern? "Das ist mir eigentlich egal. Hauptsache, es wird gemacht", sagt die Mutter mit Blick auf ihre kleinen Lieblinge, die nicht in einer Baustelle groß werden sollen. Das sehen die Alten Herren vom Bergsteig auch so und organisieren ein Benefizspiel. Die zweifache Mutter weiß es zu schätzen. Sehr sogar. Das sind die Momente, in denen die Tränen der Trauer trocknen. Und denen der Rührung weichen.
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