Angemerkt Zeroes ofthe night

Am Ende bewies Ann Sophie tatsächlich Humor. "We are the zeroes of the night", stellte sie ihre eigene Interpretation des Siegertitels auf ihre Facebook-Seite. Null Punkte im Eurovision Song Contest. Das "schafften" nur noch die Österreicher - obwohl die sogar einen Flügel abfackelten.

Was war das also? Ein schlechtes Lied, ein schlechter Auftritt (U-30er können gerne auch Song und Performance einsetzen)? Nein. Es war Weichgespültes unter Weichspülern, das sich nicht verankern konnte im Gedächtnis der Punktevergeber. Belanglos, ohne Botschaft, ohne Ecken und Kanten. Zero Points.

So wie die drei Titel an der Spitze übrigens auch: Mainstream der "Heroes"-Gewinner aus Schweden, Mainstream der Monroe-Verschnitt aus Russland und Mainstream auch das Tenöre-Geknödel aus Italien. Präzise komponiert und professionell inszeniert von den Besten der Branche. Direkt hinein als Ohrwurm in den Gehörgang. Was zählt, ist die Show. Da war für Ann Sophie kein Platz. Da hätte es etwas Originelleres gebraucht, so wie es zum Beispiel vom Belgier Loïc Nottet kam, der als Dracula-Klon erfrischend anders daherkam und uns - psychedelisch angehaucht - fast ein wenig an The Moody Blues erinnerte. (U 30: Bitte googeln)

Die eigentliche Enttäuschung aber war (neben dem Kleid von Barbara Schöneberger) mit vier Punkten das schlechte Abschneiden des französischen Beitrags "N'oubliez pas", des einzigen echten Chansons des Abend, jener Musikrichtung, die dem Wettbewerb einst den (mittlerweile auf den Müllhaufen der Unterhaltungsindustrie geworfenen) Namen gab.

Peter Urban, der Kult-Moderator des ESC, bemühte sich um Schadensbegrenzung: Ann Sophie habe eben Pech gehabt, und das sei kein politisches Votum gewesen. Wenn letzteres stimmt, wie sind dann die Pfiffe für Russland zu interpretieren? Auch als unpolitisch? Die Qualität des Beitrags kann ja nicht gemeint gewesen sein bei Platz zwei.

Egal: Der ESC mit Gastgeber Österreich hat uns vier Stunden lang unterhalten und genervt (die Selbstdarstellung der Punkteverkünder etwa). Das schafft sonst nur "Schlag den Raab". Und Stefan Raab kann auch ESC, wie wir wissen. Wir hören sie schon seinen Namen rufen.

michael.ascherl@derneuetag.de
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