Animations-Kunstwerk
"Anomalisa" - zutiefst berührend

Berlin. Trickfilme sind etwas für Kinder - dieser Irrglaube hält sich hartnäckig. Schließlich werden gezeichnete oder am Computer animierte Werke noch häufig mit süßen Disney-Klassikern von einst assoziiert. Doch im Schatten der großen Blockbuster gab es in den vergangenen Jahren wahre Meisterwerke wie den japanischen Animé "Chihiros Reise ins Zauberland" oder die Tragikomödie "Mary & Max".

Auch der US-Amerikaner Charlie Kaufman zeigt nun, wie menschlich das Leben nicht-realer Helden sein kann. "Anomalisa" kreist um einen Mann in der Sinnkrise. Michael Stone ist erfolgreicher Buchautor und Motivationsredner. Sein eigenes Leben aber erscheint ihm leer und gleichförmig. Als er für einen Vortrag in Cincinnati allein in seinem Hotel ist, lernt er in der Bar Lisa kennen und verliebt sich in sie.



Gedreht wurde "Animalisa" in aufwendiger Stop-Motion-Technik, bei der die Spielfiguren in jeder Einstellung neu arrangiert werden müssen. Dadurch wirken ihre Bewegungen etwas hakelig und ungelenk. Doch die Puppen-Figuren ermöglichten den Filmemachern auch einen erzählerischen Kniff: Sie setzten für alle weiblichen und männlichen Charaktere - bis auf Michael und Lisa - immer dieselben zwei Gesichter ein. So stellen sie wunderbar plastisch dar, wie es beim Verliebtsein ist, wenn man nur noch Augen für diese eine Person hat. Die Ängste und Sorgen der Figuren werden dank kleinster Gefühlsregungen genau spürbar und schaffen Tiefe und Authentizität - "Anomalisa" wird so zu einem Kino-Kunstwerk und ist zudem für den Oscar als bester Animationsfilm nominiert. Bild: Paramount Pictures/dpa
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