Anrührendes und packendes Porträt
"Das Tagebuch der Anne Frank" im Kino

Als Anne Frank (Lea van Acken) einst in ihr Tagebuch schrieb, wusste sie nicht, welche Bedeutung einmal ihre Einträge haben werden. Nun gibt es eine neue Verfilmung des Stoffs. Bild: Zeitsprung/AVE/Universal/dpa

"Das Tagebuch der Anne Frank" wurde schon oft verfilmt. Nun kommt das Porträt des jüdischen Mädchens, das sich vor den Nazis versteckt, erneut ins Kino. Konsequent aus Sicht der pubertierenden 13-Jährigen erzählt, offenbart der Film die grausame Absurdität des Naziterrors.

München. Anne Franks Tagebuch gehört zu den Büchern, die man unbedingt gelesen haben sollte - gerade angesichts des aufflammenden rechten Denkens in Europa. Eindringlich beschreibt das jüdische Mädchen, wie es in einem Versteck in Amsterdam den Zweiten Weltkrieg und die Schreckensherrschaft der Nazis erlebt. Viele Male wurde das Schicksal ihrer Familie verfilmt. Nun erzählt Hans Steinbichler als erster deutscher Regisseur die Geschichte fürs Kino.

"Das Tagebuch der Anne Frank" spielt zwischen 1942 und 1944, als die Franks untertauchten und schließlich verraten und deportiert wurden. Der Film erzählt konsequent aus Annes Sicht und offenbart dadurch, wie absurd und unmenschlich der Naziterror und vor allem die Verfolgung der Juden war. Denn was unterschied Anne und ihre Freunde von den anderen Jugendlichen? Nichts.

Anrührendes Porträt


Mit Lea von Acken in der Hauptrolle ist dem Münchner Filmemacher ein anrührendes, packendes Porträt eines mutigen Mädchens gelungen, das bis zuletzt an seine Stärke glaubt und dessen Hoffnungen auf eine gute Zukunft so grausam vernichtet werden. Was Anne zwischen 13 und 15 Jahren im Trotz der Pubertät in ihr Tagebuch schreibt, ist auch mehr als 70 Jahre nach ihrem Tod im KZ Bergen-Belsen Anfang 1945 immer noch aktuell.

Acht Leute finden am Ende in den verschachtelten Räumen eines Hinterhauses Unterschlupf - ein beklemmendes Kammerspiel. Neben Anne, ihren Eltern und ihrer Schwester sind es das Ehepaar van Daan mit seinem Sohn Peter und der Arzt Fritz Pfeffer, allesamt Juden. Auf wenigen Quadratmetern spielt sich ihr Leben ab: das Essen, die Reibereien, Dramen des Alltags wie zerbrochene Porzellantassen und kleine Sticheleien, erschwert durch die räumliche Enge und die Ängste. In dieser ohnehin angespannten Lage kommt Annes Pubertät richtig in Fahrt. Sie versinkt im Weltschmerz, fühlt sich ungeliebt und unverstanden. Vor allem mit der Mutter, eindringlich gespielt von Martina Gedeck, gibt es Zoff. Innig dagegen verehrt sie den Vater (Ulrich Noethen), der als einziger den Holocaust überlebte und 1947 ihr Tagebuch öffentlich machte.

Verrat und Gewehre


Steinbichler verzichtet darauf, wie andere Verfilmungen den großen historischen Bogen zu spannen. Es gibt keine Bilder von Nazi-Paraden oder von geschundenen Menschen. Stattdessen konzentriert sich alles auf Anne und ihre genaue Beobachtungen. Mit dieser streng subjektiven Sicht zieht der Film die Zuschauer in seinen Bann und lässt ihn mitfühlen.

Trotz aller Ängste und Einschränkungen ist es eine Atmosphäre, in der eine bescheidene Hoffnung gedeihen kann. "Ich höre den anrollenden Donner immer lauter, der auch uns töten wird, ich fühle das Leid von Millionen Menschen mit. Und doch, wenn ich zum Himmel schaue, denke ich, dass sich alles wieder zum Guten wenden wird", notiert die 15-Jährige am 15. Juli 1944 in ihr Tagebuch. Am 21. Juli wagt sie die schüchterne Hoffnung, dank der Alliierten im Oktober vielleicht wieder in die Schule gehen zu können. In diese Traumwelt eines jungen Mädchens platzt dann aber doch eines Tages unerwartet das Grauen: der Verrat, die Gestapo-Männer, die mit Gewehren die Hinterhaus-Bewohner abführen. Ein Schock, auch für den Zuschauer, kann er sich doch im Laufe des Films der leisen Hoffnung nicht erwehren, dass für dieses lebensfrohe, mutige Mädchen und ihre Familie vielleicht doch alles noch gut ausgehen könnte.

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Regie: Hans Steinbichler - Mit Lea van Acken, Martina Gedeck, Ulrich Noethen - Musik: Sebastian Pille - 128 Minuten - frei ab 12 Jahren - Im Internet: http://movies.universal-pictures-international-ger...
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