Auf der Berlinale tummeln sich die Stars, auch Oberpfälzer sind dabei
Clooney, Streep und die Baumer

Die 66. Berlinale zog wieder Film-Begeisterte, Stars und Menschen aus der Medienbranche an. Mittendrin: Schauspielerin Christina Baumer. Die Oberpfälzerin setzt sich hohe Ziele. Irgendwann, so verrät sie, möchte sie auch einmal über den roten Teppich in den Berlinale-Palast einmarschieren. Bilder: doz (8)
 
Wenn ein hochkarätiger Superstar wie George Clooney in Berlin ist, sind natürlich auch die Selfie-Jäger nicht weit. Bild: dpa

Natürlich versprüht die Berlinale wieder viel Glanz. George Clooney ist samt Ehefrau da. Jury-Vorsitzende Meryl Streep kündigt bereits vor der Veranstaltung an: "Ich will Spaß haben." Die Cineasten bereiten den vielen Stars einen warmen Empfang. Das herzlichste Lob heimsen allerdings die Oberpfälzer ein.

Von Christopher Dotzler

Berlin. Es stammt von einem, der es wissen muss: Thorsten Otto - Radiomoderator, Menschenkenner und gebürtiger Weidener. In seiner mehrfach ausgezeichneten Radiosendung "Mensch, Otto!", die auf Bayern 3 läuft, interviewt er seit 2008 Menschen aller Couleur: Sterneköche, Fußballspieler, Politiker, Flüchtlingshelfer. Während der Berlinale zeichnet er seine Sendungen in der Audi-Lounge auf, unweit des Berlinale-Palastes. Unter anderem ist Schauspieler Daniel Brühl zu Gast.

Otto, der auf dem Kepler-Gymnasium sein Abitur abgelegt hat, ist einer, der die Menschen aus der Region liebevoll zeichnet: "Der Oberpfälzer an sich ist einer, der nicht dampfplaudert und erst einmal zuhört. Er sagt etwas, wenn er etwas zu sagen hat. Wenn er sich aber einmal öffnet, dann ein Leben lang." Was für eine Liebeserklärung.

Apropos: Die 66. Internationalen Filmfestspiele in der Hauptstadt starten mit der Hollywood-Hommage "Hail, Caesar", einem Film der Coen-Brüder Ethan und Joel. Es ist nicht das erste Mal, dass sie das Festival mit einem ihrer Werke eröffnen. Bereits 2011 lief "True Grit" zum Auftakt. Über 400 Streifen werden heuer gezeigt: Arthaus, Kurzfilme, Klassiker - die ganze Bandbreite. Die Berlinale ist, um es mit den Worten einer Kollegin auszudrücken, wie ein riesengroßer Freizeitpark für Filmfans.


___ Ehre für Tim Robbins
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Zehn Tage lang geben sich die Stars die Klinke in die Hand. Das zieht die Massen an. Bei der Eröffnungs-Pressekonferenz mit Streep, Clive Owen und fünf weiteren Jury-Mitgliedern müssen einige akkreditierte Journalisten draußen bleiben: Wegen Überfüllung geschlossen. Julianne Moore, Colin Firth, Kirsten Dunst und viele weitere Stars rufen die Selfie-Jäger auf den Plan. Die Schauspieler und Regisseure nehmen's locker. Wer die Hysterie allerdings distanziert betrachtet, fragt sich schon, wie lange es dauert, bis ein Star einmal einen Anfall à la Klaus Kinski bekommt.

Für weiteren Glamour sorgt die Deutsche Kinemathek, die eine Sonderausstellung über jene Frauen zeigt, die einen Oscar als beste Hauptdarstellerin erhalten haben. Das passt: Schließlich ist Jury-Vorsitzende Meryl Streep dreimal mit dem Goldjungen ausgezeichnet worden - einmal als beste Nebendarstellerin. Eine große Ehre wird auch Tim Robbins zuteil. Er erhält die Berlinale-Kamera, die Personen und Institutionen bekommen, denen sich das Festival besonders verbunden fühlen. Heuer waren das neben Robbins noch Produzent Ben Barenholtz und die Münchener Kinobetreiberin Marlies Kirchner.


___ Aufpolierter Klassiker
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Berlinale-Direktor Dieter Kosslick überreicht im Kino International die Auszeichnung und witzelt: "Robbins ist nicht einer dieser Hollywood-Menschen." Schließlich lebe der Schauspieler in New York - und da sei der Flug doch gleich billiger. Robbins bedankt sich artig "für den Economy-Flug". Anschließend flimmert "Dead Man Walking - Sein letzter Gang" aus dem Jahr 1995 über die Leinwand. Der Film, bei dem Robbins Regie führte, lief 1996 im Wettbewerb der Berlinale. Damals hat der US-amerikanische Darsteller den Streifen zuletzt gesehen. "Ich schätze es, dass es für den Film immer noch Publikum gibt."

Im offiziellen Wettbewerb läuft lediglich ein deutscher Beitrag: "24 Wochen". Allerdings leider ein furchtbar schlechter. Es ist ein mit Floskeln und Klischees vollgepackter Streifen geworden. Dafür überzeugt der neue Doris-Dörrie-Film "Grüße aus Fukushima", der als Panorama Special gezeigt wird. Sie schuf ein wunderschönes Schwarz-Weiß-Porträt über die Menschen, die im oder um das Sperrgebiet in Fukushima leben. Der Film startet am 10. März im Kino. Im Friedrichstadt-Palast kommt es außerdem zur Welturaufführung des restaurierten Klassikers "Der müde Tod" von Fritz Lang. Eine wahre Perle, die zwar nicht gehoben, aber dafür ordentlich aufpoliert worden ist. Die neue digitale Fassung ist eingefärbt worden. Die (neuen) Tonungen verleihen dem Streifen aus dem Jahr 1921 den speziellen Charakter. Weil die Filmmusik als verloren gilt, komponierte der Freiburger Cornelius Schwehr eine neue, die das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin während der Premiere spielt.

Mittendrin im ganzen Trubel ist auch die Schauspielerin Christina Baumer, eine gebürtige Wiesauerin (Landkreis Tirschenreuth). Die 29-Jährige lebt mittlerweile in München und hat bereits in Produktionen wie "München 7" mitgespielt. Sie ist vor allem zum Netzwerken gekommen, sagt aber auch: "Der ewige Smalltalk nervt. Bevor man jemand kennenlernt, kommen immer die selben Fragen: Wo kommst du her? Was machst du?" Sie sei krampfhaft am überlegen, wie sie da rauskomme und versuche, die Menschen persönlicher kennenzulernen. Das deckt sich mit dem, was Thorsten Otto beschrieben hat: Der Oberpfälzer dampfplaudert nicht gerne. Deshalb verwundert es nicht, dass Baumer sagt: "Am liebsten würde ich jemanden ehrlich fragen 'Wie geht es dir?' und dann eine ehrliche Antwort bekommen."

Der Oberpfälzer an sich ist einer, der nicht dampfplaudert und erst einmal zuhört. Er sagt etwas, wenn er etwas zu sagen hat. Wenn er sich aber einmal öffnet, dann ein Leben lang.Radiomoderator Thorsten Otto
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