Auftakt der Wurzer Sommerkonzerte mit dem Ensemble "Nexus Baroque" - Wegen Orkanböen ...
Entführung in die funkelnde Eleganz des Barock

Die vier Musiker des Ensembles "Nexus Baroque" gewannen mit ihrer Spielfreude neue Freunde für alte Musik. Bild: Fütterer
Wurz. "Alte Musik" strengt nicht selten die Zuhörer fast ebenso an wie die Akteure. Das Gegenteil bewies am Samstagabend das junge, höchst professionelle Ensemble "Nexus Baroque". Zur Eröffnung der Wurzer Sommerkonzerte weckte das Quartett mit seinen historischen Instrumenten die Werke - der zum Teil unbekannten Komponisten aus dem 17. und 18. Jahrhundert - frisch und lebendig aus dem barocken Schlaf. Das Zuhören bereitete die pure Freude.

Das barocke Ambiente des historischen Pfarrhofs in Wurz (Kreis Neustadt/WN) lud quasi "von Haus aus" dazu ein, die 28. Konzertreihe unter das anspruchsvolle, komplexe Motto Barock zu stellen. Die tiefe Widersprüchlichkeit der von den Folgen des schrecklichen 30-jährigen Kriegs gezeichneten Epoche streifte die künstlerische Leiterin und Initiatorin der Veranstaltung, Dr. Rita Kielhorn ("Lebensgier und gleichzeitig memento mori" ...).

Es war eine kluge Entscheidung, vom Garten in den (restaurierten) einstigen Marstall des Pfarrhofs zu wechseln: Der orkanartige Sturm hätte den Klang der historischen Instrumente schlichtweg davon geweht. So durfte sich das Publikum an der feinen Akustik - von äußeren Einflüssen ungestört - erfreuen. Im Gegensatz zum Oberzentrum Weiden geht der Landkreis Neustadt/WN beim Kultur-Sponsoring einen anderen Weg. "Kultur macht eine Region lebenswert", betonte Schirmherr Andreas Meier und gab einen Scheck über 1000 Euro.

Viele Auszeichnungen

Deutlich unter 30 Jahre jung sind die Mitglieder des Ensembles "Nexus Baroque". Sie studierten ausnahmslos bei international anerkannten Professoren. Die 2012 entstandene Formation gewann in den wenigen Jahren zahlreiche Auszeichnungen, u. a. beim 1. Internationalen Bach-Wettbewerb 2013 in Berlin und vor zwei Wochen bei weltweiter Konkurrenz in New York. Auch ein kurzfristiger Wechsel in der Besetzung schmälerte das bemerkenswerte Niveau keineswegs: Den Platz von Tabea Schrenk (Barockcello) nahm Hyungun Chod ein. Sein südkoreanischer Landsmann Yeuntae Jung spielte Blockflöte, der Österreicher Alexander Gergelyfi das Cembalo und die Deutsche Julia Andres Blockflöte. Als einer der Höhepunkte des Konzerts gestaltete sich Arcangelo Corellis Triosonate D-Dur (op. 2, Nr.1). Der vor 302 Jahren verstorbene Italiener gilt als einer der einflussreichsten Komponisten des Barock. Corellis Ausgewogenheit, Wohlklang und vollendete Harmonie interpretierten die Musiker aus Berlin fabelhaft und spektakulär. Sie brachten die funkelnde Eleganz Corellis zum Ausdruck.

Jugendliche Spielfreude

Nicht minder Hörvergnügen schenkte das Stück Introduzzione à trè (C-Dur) von Georg Philipp Telemann. Der Komponist (1681 bis 1767) setzte in Deutschland quasi die Benchmark und überflügelte in seiner Bedeutung (zu Lebzeiten) sogar den großen Johann Sebastian Bach. Der heute oftmals unterschätzte Komponist wählte gängige, aber nichts destoweniger stimmig-kongeniale Tonfolgen. Mit herausragender Sensibilität, aufmerksamer Abstimmung und unkonventioneller Spielfreude verschafften die jungen Musiker ihrem Publikum Zugang zu ungewohnten Barockgefilden. Der stürmische Beifall am Ende dankte für diese nicht ganz einfache Passion.
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