Ausnahme-Künstlerinnen begeistern beim Frankfurter W-Festival
Frauen geben den Ton an

Alina Süggeler schlägt nachdenkliche Töne an. Ihre Band Frida Gold begeistert im Gibson-Club. Bild: Tobias Schwarzmeier

Frankfurt. Draußen bleiben müssen die Männer nicht. Auf der Bühne bleibt ihnen aber nur eine Nebenrolle. Wenn überhaupt. Das Rampenlicht beim W-Festival gehört den 22 Sängerinnen aus 12 Ländern unterschiedlichster Stilrichtungen und Backgrounds, die eines verbindet - starke Stimmen und noch stärkere Persönlichkeiten.

Die Veranstaltungsreihe - vormals Women-of-the-World-Festival - ist hierzulande einzigartig. Musik-Festivals sind oft größtenteils Männersache. Beim am Freitag begonnenen Rock im Park etwa verliert sich unter den 30 Acts am ersten Tag gerade einmal eine DJane unter sonst ausschließlich "Frontmännern". Zugegeben: ein genre-bedingtes Extrembeispiel. Aber kein besonderer Ausnahmefall. Nicht ohne Grund loben die Künstlerinnen das "W-Konzept" auf sieben Bühnen in Frankfurt und Bad Homburg, das voll aufgeht. 10 000 Besucher sehen sich internationale Stars wie Tanita Tikaram, Garbage und Beth Hart sowie heimische Größen wie Frida Gold oder Mia an. Und bekommen neben vielschichtiger Musik auch Botschaften auf den Weg.

Talentiert und sexy


Etwa, dass Sexy-Sein und Feminismus sich nicht unbedingt widersprechen müssen. Alina Süggeler verweist beim Auftritt mit Frida Gold im Gibson-Club auf Weltstar Beyoncé: "Wenn du dich gut dabei fühlst, zeig deinen Körper." Die Electro-Pop-Formation zeigt auch, dass sie wieder zu ihren Wurzeln zurückgefunden hat. Nach Experimenten mit englischsprachigen Texten ist die Band beim ersten Auftritt seit längerem sichtlich angekommen. Nach kleineren nervösen Momenten begeistert Frida Gold mit Hits wie "Wovon sollen wir träumen", "Liebe ist meine Rebellion" oder "Zeig mir wie du tanzt".

Wesentlich aggressiver vertritt Shirley Manson ihre Standpunkte. Eine Raubkatze zieht sich als Motiv durch die Show - von der Art, wie die Garbage-Sängerin über die Bühne der Alten Oper tigert, bis hin zum Bühnenbild. Fauchen kann die Schottin auch. Mit "Sex Is Not The Enemy" fegt Manson Diskussionen über Geschlechterrollen vom Tisch. Ihre Botschaft (in entschärfter Übersetzung): "Sei wer du bist, und liebe, wen du willst." Und lässt mit Hammer-Versionen von "Only Happy, When It Rains" oder "Stupid Girl" den ehrwürdigen Ort erbeben.

Dazu bietet das gelungene Festival noch viele schöne Momente wie etwa das "Wiederhören" mit Tanita Tikarams wunderbarer Alt-Stimme ("Twist In My Sobriety"), oder den ersten Auftritt einer Kabarettistin beim Festival mit Enissa Amani. Kurz: Die starken Frauen haben gezeigt, was sie draufhaben - nicht nur den Männern.
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