Ausstellung über Nero
Zwischen Brandstifter und Reformer

Keiner hat Kaiser Nero so eindrucksvoll dargestellt, wie Sir Peter Ustinov in dem Monumentalfilm "Quo Vadis" (1951). Für seine schauspielerische Leistung wurde er 1952 mit dem "Golden Globe" ausgezeichnet. Das Bild stammt aus der DVD "Quo Vadis" (2008, Special Edition). Bild: Warner Home Video
 
Ein Ehrenbogen mit Kampfszenen des Bataver- und Trevereraufstands im Jahr 69/70 n. Chr. Bild: Rheinisches Landesmuseum Trier/ Th. Zühmer
 
So stellte sich der russische Maler Wassilij Sergejewitsch 1888 "Neros Tod" (Öl auf Leinwand) vor. Bild: Staatliches Russisches Museum, St. Petersburg

Kaiser Nero ist als Brandstifter von Rom und Despot in die Geschichte eingegangen. Dabei war er auch Künstler, Architekt, Reformer. Eine Ausstellung in Trier will den berühmt-berüchtigten Imperator von allen Seiten zeigen - auch den unbekannten.

Von Birgit Reichert, dpa

Kaiser Nero war grausam. Er hat seine Mutter umgebracht, Menschen von wilden Tieren zerfleischen lassen und Christen als menschliche Fackeln in der Arena verbrannt. Doch der antike Herrscher war mehr. Er war auch Künstler, Architekt und Reformer - und lange Zeit beim Volk beliebt. "Nero ist sicherlich der bekannteste aller römischen Kaiser", sagt der Direktor des Rheinischen Landesmuseums Trier, Marcus Reuter. "Doch das Bild, das viele heute von ihm haben, entspricht überhaupt nicht der Realität."

In neuem Licht


Eine große Sonderausstellung in Trier will das nun ändern. "Wir zeigen Nero in neuem Licht. Mit all seinen Facetten", sagt Reuter. Grundlage sind neuere Forschungsergebnisse. Für die Schau "Nero - Kaiser, Künstler und Tyrann" vom 14. Mai bis 16. Oktober wird aus Top-Museen Europas alles versammelt, was es zu dem Imperator gibt: 700 Exponate aus mehr als 15 Ländern, die in drei Trierer Museen zu sehen sind. Über 100 Leihgeber sind im Boot: Vom British Museum in London bis zu den Vatikanischen Museen in Rom. Die Macher erwarten mindestens 150 000 Besucher.

Die Schau trägt auf 2000 Quadratmetern antike Porträts, Kostbarkeiten aus Gold und Silber sowie edle Mosaike zusammen. Ein Höhepunkt sei eine einzigartige Marmorstatue aus dem Louvre, die den jungen Nero zeige - mit einer Versicherungssumme von neun Millionen Euro, verrät Reuter. Nahe komme man dem Kaiser bei Funden aus seinem Palast: Wandmosaike mit filigran ausgeschnittenen Marmorblüten. "Man ist quasi in den Privaträumen Neros." Es sei die erste Ausstellung über Nero in Mitteleuropa, sagt der Archäologe Reuter. Wissenschaftler sind angetan: "Ich glaube ohne Übertreibung sagen zu können, dass dies eine exquisite, international hochkarätige und in gewissem Maße einzigartige Schau wird", sagt Christian Witschel, Professor für Alte Geschichte an der Universität Heidelberg. Erstmals biete eine Ausstellung so viel Material über Nero, der von 37 bis 68 nach Christus lebte, und zwar auf dem Stand der Wissenschaft.

Dazu gehört auch, mit alten Mythen aufzuräumen. Zum Beispiel, dass Nero im Jahr 64 Rom anzündete. "Es spricht definitiv vieles dafür, dass er mit dem Brand nichts zu tun hatte", sagt Witschel. Es habe damals in Rom immer wieder gebrannt, Feuer habe sich bei der engen Bebauung rasch ausgebreitet. Reuter fügt weitere Argumente hinzu: Nero sei damals nicht in Rom gewesen - und er habe beim Brand seine "geliebte Kunstsammlung" verloren.

Ungeheuer kreativ


Auch der Künstler Nero findet in der Schau Platz. Er sei ungeheuer kreativ gewesen, berichtet Reuter. Er habe gut gedichtet, komponiert und gesungen. Und innovative Architektur gefördert. In sein Goldenes Haus (Domus Aurea) habe er sich eine drehende Kuppel mit Himmelsgewölbe bauen lassen, von wo er auf die Speisenden Rosenblätter regnen ließ.

Die kreative Ader Neros hat der Oberschicht damals nicht gefallen. Sie sei "entsetzt" gewesen, dass der Herrscher als Schauspieler und Sänger auftrat. "Das gehörte sich für einen Kaiser nicht. Das wäre, wie wenn die Queen ins Dschungelcamp gehen würde", sagt Reuter. Dass der Name Nero heute vor allem mit Verschwendungssucht, Größenwahn und Grausamkeit verbunden wird, geht auf das Konto antiker Autoren wie Tacitus und Sueton. Sie gehörten zur Aristokratie, der Nero mit Ignoranz gegenübertrat - und schrieben entsprechend negativ über den Herrscher. Dieses "verzerrte Bild" sei lange für bare Münze genommen worden, sagt Reuter.

Das Landesmuseum widmet sich als Hauptstandort Neros Leben, seiner Herrschaft und den Folgen. Das Stadtmuseum Simeonstift zeigt Darstellungen Neros vom frühesten Mittelalter bis zum Nero-Bild jüngerer Zeit in Fotografien, Filmen und Opern. "Kaum ein Herrscher der Antike hat Künstler über Jahrhunderte derart inspiriert", sagt Direktorin Elisabeth Dühr.

Objektiveren Blick


Dass Nero heute noch so bekannt sei, verdanke er auch Hollywood, sagt sie. Denn es sei "Quo Vadis" (1951) von Mervyn LeRoy gewesen, der basierend auf dem Roman von Henryk Sienkiewicz Kaiser Nero (gespielt von Peter Ustinov) ein filmisches Denkmal setzte. Im Museum am Dom steht Neros Verhältnis zu den Christen mitsamt deren Verfolgung im Fokus.

"Wir wollen Nero nicht rehabilitieren, aber einen objektiveren Blick auf ihn werfen", sagt Reuter. Seine dunklen Seiten kämen natürlich auch zur Sprache. Auch andere Kaiser der Antike hätten ihre Ehefrauen getötet oder Menschen in den Selbstmord getrieben. Nero aber sei der Einzige, der "den Tabubruch des Muttermords begangen hat".

ServiceAusstellung: "Nero - Kaiser, Künstler und Tyrann". Bis 16. Oktober.

Orte: Rheinisches Landesmuseum Trier (Weimarer Allee 1), Stadtmuseum Simeonstift (Simeonstraße 60), und Museum am Dom ( Bischof-Stein-Platz 1).

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr. Für angemeldete Gruppen täglich (auch montags) 9-18 Uhr. Jeden Montag finden offene Führungen für Einzelbesucher in den drei Museen statt.

Kontakt: Trier Tourismus und Marketing GmbH, Telefon 0651/ 97808-43 (Arrangements mit Übernachtung) oder -52 (Führungen und Arrangements ohne Übernachtung), E-Mail: nero@trier-info.de.

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Weitere Informationen:

www..trier-info.de www.nero-ausstellung.de

HintergrundDer römische Kaiser Nero hat alles andere als einen guten Ruf. Er ist als Muttermörder, Brandstifter und Christenverfolger in die Geschichte eingegangen. Zudem gilt er als Inbegriff der römischen Dekadenz: Er aß gerne Flamingozungen und ließ sich in seinem goldenen Haus mit Parfüm besprühen. Doch Nero (37 bis 68), der von seiner Mutter Agrippina mit 17 Jahren ins Amt gehievt wurde, hatte auch andere Seiten: Er war Künstler, Architekt und Reformer - und lange Zeit beim Volk sehr beliebt.

Historiker bescheinigen Nero erfolgreiche erste Regierungsjahre, bevor er später zum verhassten Tyrannen wurde. Dass Nero für den Tod seiner Mutter und vieler Gegner verantwortlich ist, daran besteht kein Zweifel. Den Brand in Rom (64) aber hat er nach Erkenntnissen der Wissenschaft wohl doch nicht legen lassen.

Nach dem Brand ließ Nero Christen als vermeintliche Schuldige hinrichten. Sich selbst baute er dann eine riesige Palastanlage. Er kümmerte sich immer weniger um Politik und lebte in Luxus. Für den Senat war er nicht mehr tragbar: 68 floh Nero aus der Stadt und brachte sich aus Angst vor seinen Verfolgern um. (dpa)


BuchtippNero (37-68 n. Chr.) zählt ohne Zweifel zu den schillerndsten Herrschern des Römischen Reiches. Besonders die letzten Regierungsjahre Neros prägen bis heute sein Bild als das eines Tyrannen, eines grausamen Christenverfolgers und größenwahnsinnigen Brandstifters. Aber ist das wirklich das ganze Bild?

Der reich illustrierte Begleitband "Nero" (460 Seiten, 39,95 Euro, Theiss-Verlag) zur Ausstellung in Trier 2016 zeichnet ein umfassendes Bild Neros, das den Politiker ebenso wie den Bauherrn, den Selbstdarsteller wie den Künstler und nicht zuletzt den Mann in all seinen Beziehungen in den Blick nimmt und in den Kontext seiner Zeit stellt. Was sagt uns Nero heute? Auch um die Rezeptionsgeschichte, um alte Klischees und neue Sichtweisen geht es.
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