Ausstellung von 250 originalen Fundstücken der Titanic - Zeugnisse von ergreifenden Schicksalen ...
Erinnerungen an ein Unglück, das die Welt in Atem hielt

Die bis 28. Juni geöffnete Ausstellung zeigt auch einen Nachbau der luxuriösen 1.-Klasse-Kabine. Bild: Michael H. Schmitt
Für seine Konstrukteure, Erbauer und Kapitän Edward John Smith galt das Schiff der Extraklasse als nahezu unsinkbar. Die Titanic war das Symbol einer Zeit, die alle Gegensätze jener Tage, Geschichte, Tradition und Moderne vereinte. Ein luxuriöses Schiff im glanzvollen Stil vergangener Epochen ausgestattet.

Sieben Tage sollte die Jungfernfahrt über den eiskalten Nordatlantik dauern, doch am fünften Tag geschah das Undenkbare - die Titanic kollidierte am 14. April 1912 gegen 23.40 Uhr mit einem Eisberg und versank in den Fluten des Atlantik. 73 Jahre nach der Katastrophe, am 1. September 1985, wurde das Schiff in fast 4000 Metern Tiefe im Nordatlantik wiederentdeckt.

Bis zum 28. Juni dieses Jahres zeigt das Historische Museum der Pfalz Speyer in musealer Aufbereitung ein Ereignis, welches vor mehr als 100 Jahren den Erdball erschütterte. Am 15. April 1912, um 2.20 Uhr, sank die "Titanic", der zur damaligen Zeit modernste Luxusdampfer der Welt auf seiner Jungfernfahrt von Southampton nach New York.

In der Ausstellung sind 250 Funde aus den Tiefen der See zu sehen. Sie erzählen wahre Geschichten über die Schicksale der Besatzung und der Reisenden, die in der eiskalten See den Tod fanden. 2200 Menschen waren an Bord, für 1500 kam jede Rettung zu spät. An Bord befanden sich Auswanderer und Heimkehrer in die USA. Nicht nur an den Decks sollten die Gegensätze der Passagiere und Besatzungsmitglieder sichtbar sein.

Geldadel und Aristokratie logierten in der wahrlich luxuriösen Ersten Klasse, das aufstrebende Bürgertum war in der Zweiten Klasse zu finden. Die spartanisch eingerichtete Dritte Klasse, die vielen Auswanderern die der Hoffnungslosigkeit der Zeit entgehen wollten, zur Verfügung stand, bot den meisten wohl eher mittellosen Menschen für jene Überfahrt in einen Neuanfang einen ansehnlichen Komfort.

Sterben als Gentlemen

Nur wenige deutsche Passagiere befanden sich auf der Jungfernfahrt an Bord, da Atlantiküberfahrten auch von deutschen Häfen aus angeboten wurden. Auf der Passagierliste der Ersten Klasse standen die einflussreichsten, die wohlhabendsten und die vornehmsten Menschen jener Zeit. Unter ihnen befand sich der Industrielle Benjamin Guggenheim, der sich auf dem Rückweg von einer Europareise befand. Ihn begleiteten seine französische Geliebte, die Sängerin Léontine Aubart, und sein Kammerdiener Victor Giglio. Guggenheim setzte seine Geliebte in ein Rettungsboot.

In Erkenntnis der Hoffnungslosigkeit legten er und sein Diener die Abendgarderobe an und gingen mit den Worten "Wir sind auf das Beste gekleidet und bereit, wie Gentlemen unterzugehen" mit vielen weiteren Passagieren in den Tod. An Bord befanden sich auch das Ehepaar Isidor und Ida Straus. Isidor Straus stammte aus dem pfälzischen Otterberg bei Kaiserslautern und war deutsch-amerikanischer Geschäftsmann und Politiker. 1854 emigrierte seine Familie nach den USA und bald waren er und sein Bruder Nathan Eigentümer des großen Kaufhauses Macy's in New York. Bis zu ihrem Tode waren sich die Eheleute treu ergeben. Ida Straus sollte Rettungsboot 8 besteigen, hielt aber inne und begleitete ihren Isidor mit den Worten "Seit vielen Jahren leben wir zusammen. Wo du hingehst, da gehe auch ich hin" in den Tod.

5500 Teile aus den Tiefen

Die Schau zeigt 250 Exponate, die nach der Entdeckung des Wracks, der Bergung der Einzelteile und deren Restaurierung vielleicht ein wenig davon erzählen, was sich in den letzten Stunden des stolzen Schiffes abgespielt haben mag. Unmittelbar vor seinem Untergang zerbrach das Schiff. Bug und Heck landeten in etwa 3800 Metern Tiefe, rund 600 Meter voneinander entfernt. Teile der Schiffsausstattung und die Habseligkeiten der Passagiere wurden in einem Trümmerfeld begraben.

Am 1. September 1985 fand eine Expedition das Wrack des Luxusdampfers. Bis ins Jahr 2010 konnten 5500 Teile aus den Tiefen des Atlantiks an die Oberfläche geholt und konserviert werden. Gegenstände aus Holz, Papier, Leder, Textil und Metall haben sich erstaunlich gut erhalten. Der Besucher sieht Nachbauten der Kabinen, privates wie eine Geldbörse aus Gold, ein Fernglas, Parfümfläschchen, Scheinwerfer, erhaltene Banknoten, den Telegrafen des Schiffes und vieles mehr. Das Wrack allerdings wird von eisenfressenden Bakterien zersetzt und in 40 bis 90 Jahren in sich zerfallen sein.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.museum.speyer.de
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