Autobiografie des Spider-Murphy-Gang-Mitglieds Franz Trojan
Schlagzeug, Skandale, Sperrbezirk

Franz Trojan schreibt in seiner Autobiografie über sein bewegtes Leben während und nach der Zeit bei der "Spider Murphy Gang". Bild: Inngauer
 

München. "Trommeln ist mein Leben", klärt Franz Trojan gleich zu Beginn des Gesprächs auf, "denn ohne das Trommeln hätte ich nicht eine exzessive Existenz wie die meine geführt." Franz Trojan? Der heute 58-jährige Kulmbacher war zwischen 1977 und 1992 Schlagzeuger von Bayerns populärstem musikalischem Aushängeschild, der Spider Murphy Gang, die Millionen von Tonträgern losgeschlagen und mit Liedern wie "Skandal im Sperrbezirk", "Schickeria" oder "Wo bist du?" Klassiker des Mundart-Rock in die Welt gesandt hat. "Das war eine geile Zeit", grinst Trojan. "Aber ich bin andererseits froh, dass ich sie überstanden und ad acta gelegt habe, weil sie für die Gesundheit alles andere als förderlich ist. Vom Geldbeutel ganz zu schweigen."

Langer Weg zum Ruhm


"Trotzdem hat sich für mich als Landei aus Kulmbach eine Zeitlang das Paradies aufgetan." Der heute von der Vergangenheit sichtlich Gezeichnete hat seine Autobiografie "Hauptsache laut!" (288 Seiten, 19,99 Euro, Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf) veröffentlicht, die nicht umsonst den beschwörenden Untertitel "Schlagzeug, Skandale, Sperrbezirk: Mein Aufstieg mit der Spider Murphy Gang - und mein Abstieg ohne sie" trägt.

"Ich wollte schon immer ein Rock-Star werden, seit ich denken kann - reich und berühmt und der Schwarm aller Mädels", feixt Trojan. "Vor allem, um diesen Traum zu realisieren, habe ich jahrelang jeden Tag unglaublich viele Stunden getrommelt. Doch es hat gedauert mit dem Ruhm. Zum Glück! Denn es war gut, dass die Band und ich nicht über Nacht zu Superstars geworden sind. Sonst wäre zumindest in meinem Fall der Absturz noch schlimmer gekommen."

Der 1,90-Meter-Hüne geht in seinen Memoiren, aufgeschrieben von den Journalisten-Profis Andreas Mäckler und Klaus Marschall, schonungslos - und streckenweise durchaus humorvoll - mit seiner Familie und seinen ehemaligen musikalischen Mitstreitern, vor allem aber mit sich selbst ins Gericht. "Wenn ich das Buch heute lese, stehe ich ambivalent dazu", resümiert Trojan.

"Einerseits halte ich das darin Beschriebene für eine wirklich geile Lebensgeschichte, da sie authentisch und einzigartig ist. Andererseits erkenne ich bei der Lektüre schmerzhaft, wie sinnlos ich Geld verprasst habe, für eigentlich sinnloses Zeug - Weiber, Autos, vor allem aber Drogen, die mich gesundheitlich ruiniert haben. So eine Reflektion tut weh." 1977 gründete Trojan, das jüngste Bandmitglied, zusammen mit Sänger und Bassist Günther Sigl, Gitarrist Gerhard "Barny Murphy" Gmell und Keyboarder Michael Busse, die Spider Murphy Gang. Drei Jahre später erschien das Debütalbum "Rock 'n' Roll Schuah". 1981 kam "Dolce Vita", auf dem sich die größten Hits des Vierers tummeln. Der Zenit war damit bereits erreicht, obwohl die Gruppenmitglieder, allen voran Franz Trojan, das nicht wahrhaben wollten. Wüster Jetset pur war angesagt für die kommende Dekade, obwohl die Verkaufszahlen von Platten wie Konzertkarten stetig rückläufig wurden. Bis es 1992 zum endgültigen Bruch zwischen dem dahin längst kokain- und alkoholsüchtigen, größenwahnsinnigen Schlagzeuger und der Band kam.

Tiefer Fall


Fortan ging es Stück für Stück bergab mit der Karriere, wie mit dem Lebenswandel des einstigen Vorzeige-Hallodris: Ehe kaputt, Bruch mit der Familie, kaum noch Aufträge als Musiker und Produzent. 2010 landete Franz Trojan schließlich auf dem Tiefpunkt seines Daseins, als Wrack in einem Obdachlosenheim im bayerischen Moosburg. Die Boulevard-Presse berichtete ausführlich über den tiefen Fall - zum Glück für Trojan, denn dadurch wurde ein langjähriger weiblicher Fan der Spider Murphy Gang auf den Mann gebracht, setzte sich in Kontakt mit ihm, besorgte ihm sogar eine Unterkunft in einem Wohnwagen, der nahe Duisburg steht. "Für mich als ewig Unruhigen und Getriebenen gibt es vermutlich keine bessere Art, Unterschlupf gefunden zu haben. Jedenfalls hege ich keinerlei Ambitionen, dort auszuziehen. Dadurch müsste ich meinen spartanischen Lebensstil ändern, und das möchte ich nicht."

Auch ansonsten hat Franz Trojan mit Restbeständen aus seiner Vergangenheit aufgeräumt, selbst wenn er manches bedauert: "Leider habe ich aktuell mit niemandem von den 'Spiders' Kontakt", bekennt der Hüne. "Der einzige Kontakt lief über Barny - nachdem er Wind davon bekommen hatte, dass ich an der Biografie dran bin und er ziemlich schlecht darin weg kommt. Er war dermaßen sauer, dass er mich auf der Stelle verklagen wollte. Zum Glück hat ihm Sigl, der alte Pragmatiker, die Sache ausgeredet."

Doch ein wenig Licht im Dunkel des Franz Trojan von heute existiert zum Glück: "Ich mache weiterhin Musik", freut sich der ramponierte Riese, "habe gerade eine neue Single aufgenommen. Außerdem komponiere ich wie seit 30 Jahren Songs für andere Musiker. Aber alles kocht auf Sparflamme. Das ist für einen notorischen Aufschneider wie mich vermutlich ganz gut so. Da schnappe ich wenigstens nicht über."
1 Kommentar
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Andreas Mäckler aus Moosbach | 10.02.2016 | 18:15  
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