Barocker Flair in Wurz

Bei den 28. Wurzer Sommerkonzerten im Pfarrhof bietet das Ensemble am Sonntag Interpretationen von deutschen und italienischen Barock- Komponisten und zieht damit das Publikum in seinen Bann. Bild: Tietz

Ein weiteres Mal punkten die Wurzer Sommerkonzerte am Sonntag beim Publikum - mit reinen Tönen auf Violine, Cembalo und Cello. Dabei meistert das Ensemble nicht nur musikalische Herausforderungen, sondern auch technische.

Ab dem ersten Werk, das in diesem Wurzer Sommerkonzert am Sonntag interpretiert wird, klingt die Musik voll in barocker Manier. Das liegt daran, dass sowohl der Geiger Stephan Schardt, wie auch die Cellistin Elisabeth Wand Darmsaiten zum Spiel verwenden und die Saiten mit Barockbögen streichen. Dass beide zuweilen die Stimmung ihrer Instrumente überprüfen müssen, stört überhaupt nicht, vermittelt vielmehr den Eindruck der Sorgfalt und Bewusstheit, möglichst rein die Töne zu gestalten.

Die solide Unterstützung der Streicher erfolgt durch ein Cembalo, wie es in der Zeit, in der die Werke entstanden sind, üblich war. Mit einem modernen Klavier oder gar Flügel könnte die Klangentwicklung nicht zeitgemäß korrekt erfolgen. Sonja Kemnitzer ist stets aufmerksam und verlässlich am Cembalo dabei. Ebenso üblich war im Barock, dass die Bassstimme von einem Cello mitgestaltet wird. So ist in diesem Konzert der Originalklang verwirklicht. Im Programm sind zunächst Werke von zwei berühmten italienischen Komponisten aufgeführt.

Interpreten gefordert

Mit der Violinsonate G-Dur RV 23 von Antonio Vivaldi beginnt die Vortragsfolge. Nach feierlichem Preludio ertönt eine ruhelose Giga in schnellstem Tempo, dem eine beschwingte Corrente folgt. Alle drei Interpreten sind also ab dem ersten Moment gefordert, ihr ganzes Können einzusetzen, um den Anforderungen der Musik zu genügen. Das gelingt ihnen nicht nur, sie gestalten darüber hinaus zur Freude ihrer Zuhörer überzeugend Vorspiel und beide Tänze der Sonate.

Als nächstes erklingt die Violinsonate e-moll op 1/3 von Francesco Geminiani mit ähnlichem Ablauf, aber individueller Gestaltung. Das gehört zu diesem gelungenen Nachmittag dazu: Jeder Komponist hat seinen eigenen Charakter und dementsprechend komponiert er. Auch im Barock mit den strengen Vorgaben, die damals galten, gab es individuelle Vorstellungen. Und darum bemühen sich die Interpreten sehr erfolgreich.

Im Programm folgt die Cellosonate a-moll RV 44 von Vivaldi. Elisabeth Wand nimmt sich der Satzfolge langsam - schnell - langsam - schnell, die dieses Werk prägt, dergestalt an, dass jeder Satz seine eigene Note erhält. Dann erklingt die Violinsonate D-Dur RV 10 von Vivaldi. Der unüblich schnelle Beginn enthält immerhin eine deutliche Adagio-Bremse, dann folgen rasche virtuose Anforderungen an den Geiger, die er souverän bewältigt. Eine knappe langsame Melodie geht ins Finale über, das wiederum Virtuosität abverlangt. Der Beifall ist entsprechend.

Vier Sätze überzeugen

Nach der Pause werden Violinsonaten deutscher Barock-Komponisten vorgetragen. Zunächst die Violinsonate G-Dur BWV 1021 von Johann Sebastian Bach. Behutsam gestaltet Stephan Schardt den Melodienfluss des Adagios, im Kontrast dazu wirken die Tonfolgen des Vivace umso schneller. Das Largo muss, wie der Geiger es tut, gefühlvoll dargestellt werden. Fugiert das Schluss-Presto, das beide, Geiger und Cellistin, ohne Ruhepunkt beschäftigt. Dann die Violinsonate A-Dur aus den "Essercizii Musici" von Georg Philipp Telemann, die weit über musikalische Übungen hinauswächst. Jedenfalls werden die vier Sätze überzeugend dargeboten. Zuletzt interpretieren die drei Musiker die Violinsonate D-Dur HWV 371 von Georg Friedrich Händel.

Der Beginn verlangt "Affetuoso"-Spiel, und wenn der Komponist gefühlvolles Spiel fordert, muss man dem entsprechen, wie die Interpreten. Im folgenden Allegro zeigt Stephan Schardt, wie Sechzehntel-Passagen so gespielt werden, dass sie sowohl virtuos klingen, als auch die damit verbundene Aussage Händels klingend darlegen. Das Larghetto beruhigt wieder, das Finale schließlich verlangt von den Musikern nochmals äußerste Genauigkeit im aufeinander abgestimmten Spiel. Der große Schlussbeifall signalisiert das Gelingen dieser Herausforderung und beweist das Motto der Konzerte: "Alte Musik - so jung wie nie".
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